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KRIEG UND FRIEDEN
Frauenrechte in Gefahr
von GSoA | 01.09.03.

Die Lage in Bagdad und anderen irakischen Städten wirkt sich verheerend auf irakische Frauen und Mädchen aus und verhindert zu einem wichtigen Zeitpunkt, dass diese an dem öffentlichen Leben ihres Landes teilnehmen, sagte Human Rights Watch.

Von Nina Schneider und Barbara Müller für Frauenstimmen gegen den Krieg

Human Rights Watch (HRW) veröffentlichte am 16.7. 2003 den Report: "Climate of Fear: Sexual Violence and Abduction of Women und Girls in Baghdad." www.hrw.org)

Der 17-seitige Bericht zeigt, dass das Versagen von US-Besatzungstruppen und irakischen Behörden für öffentliche Sicherheit zu sorgen, zu einer Zunahme von Entführungen, Vergewaltigungen und Morden führt. HRW interviewte Vergewaltigungs- und Entführungsopfer, irakische Polizeibeamte, Beamte des Gesundheitssystems, sowie Mitglieder der US-Militärpolizei und zivile Beamte und dokumentiert 23 Fälle von Vergewaltigung und Entführung. Der HRW-Bericht verdeutlicht, dass die lokale Polizei Anzeigen von sexueller Gewalt und Entführung nur wenig Aufmerksamkeit schenkt, dass den Beamten Ressourcen fehlen und Opfer von sexueller Gewalt oft gleichgültig oder diskriminierend behandelt werden. Auch die US-Militärpolizei ist lauf HRW nicht bereit einzugreifen, wenn die irakische Polizei nicht willens oder in der Lage ist, Untersuchungen von sexueller Gewalt und Entführung einzuleiten. In einigen Fällen sind gar die Akten von Vergewaltigungs- und Entführungsfällen verloren gegangen.

HRW fordert deshalb von den irakischen Behörden und den Besatzungstruppen umgehend rechtliche Reformen, Umschulungen für Polizeibeamte und medizinische Einrichtungen für Vergewaltigungsopfer. Bis die irakischen Behörden selbst dazu in der Lage sind, müsse die US-Regierung eine spezielle Kommission einsetzen, welche sexuelle Gewalttaten und Menschenhandel von Frauen und Kindern untersuche.

Auch "Equal Rights Now!" berichtet regelmässig von gravierenden Menschenrechtsverletzungen gegen Frauen und dem Wiederaufleben islamischer Rechtstradition, welche Frauenrechte aufs Schlimmste missachtet:
Frauen, die heute in Bagdad ohne Socken und Handschuhe unterwegs sind, müssen fürchten, dass ihnen Säure angespritzt wird. Prostituierte werden ermordet. Vergewaltigungen und Tötungen von Frauen sind häufiger als je zuvor. Das überholt geglaubte Gesetz der Familienehre findet wieder vielerorts Anwendung.

Zwei Mädchen wurden von amerikanischen Soldaten vergewaltigt und darauf im Spital von männlichen Verwandten erschossen. Diese Männer glaubten nach islamischem Recht die Schmach sühnen zu können. Eine Schauspielerin wurde von einem Familienmitglied ermordet worden, weil ihr Beruf "Schande" auf die "Familienehre" werfe.

Gewisse Organisationen rufen auch zwecks Rache gegen Mitglieder der Baath-Partei zu Vergewaltigung von Frauen und Mädchen auf. In einem äusserst tragischen Fall wurden nach der Ermordung eines Baathisten, alle seine neun Töchter vergewaltigt. Daraufhin ermordete der Onkel alle diese jungen Frauen, um die "Familienehre" zu retten.


*"Equal Rights Now!" ist eine Publikation der "Iraqi Women's Right Coalition" (IWRC), einem Netzwerk von Exil-Irakerinnen, Frauenrechtsaktivistinnen im Irak und internationalen Frauenorganisationen. IWRC versucht den Aufbau einer neuen Zivilgesellschaft im Irak zu beeinflussen, fordert die bedingungslose Umsetzung von Gleichberechtigung und eine säkulare Verfassung, und wehrt sich insbesondere gegen die Einführung der Shariah.

Thema: Krieg und Frieden
Typ: GSoA-Newspaper
Kategorien: Gender, Irak
Ausgabe: 110

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