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KRIEG UND FRIEDEN
Service Civil International
von GSoA | 01.02.04.

«Den bleiernen Zeiten entgegentreten»:
Der SCI Schweiz stellt sich vor

Der SCI Schweiz ist eine Friedensorganisation mit einer über achtzigjährigen Geschichte. Er bietet Menschen ab 18 Jahren internationale Freiwilligeneinsätze an - und vermittelt damit politische Handlungsfähigkeit über soziale und kulturelle Grenzen hinweg.
Von Martin Leschhorn und Philippe Häni, SCI Schweiz

Von Washington bis Rom, von Moskau bis London, von Madrid bis Bern - neokonservative Politiker fahren ihre Ernte ein. Ihre Politik stellt sogenannte nationale Interessen über globale Zusammenhänge und Verantwortung. Die Folgen? Der US-amerikanische Präsident und der britische Premier führen Krieg ohne völkerrechtliche Legitimation und unter unhaltbaren Bedrohungsszenarien. Präsident Putin wird Alleinherrscher und in Tschetschenien werden die Menschenrechte mit Füssen getreten. Die niederländische Regierung möchte 26'000 Asyl Suchende ausschaffen. Und in Bern, ja in Bern denkt der Bundesrat darüber nach die Europäische Menschenrechtskonvention zu kündigen, um die Verwahrungsinitiative umzusetzen. Schliesslich sitzen seit vergangenem Dezember im Bundesrat zwei Appartheidsbefürworter, von welchem der eine in den 80er Jahren das neue Eherecht und der andere das Frauenstimmrecht bekämpfte. Von Washington bis Bern verfolgen die Neokonservativen eine Agenda, die real und strukturell gewalttätig ist.

Repolitisierung der Bewegung

Der Service Civil International (SCI Schweiz) muss dem als Teil der Friedensbewegung dem entgegentreten. In der Schweiz wie auch international lässt sich denn auch eine Repolitisierung der Bewegung feststellen. Der SCI war an den Sozialforen in Fribourg, Paris und Bombay vertreten. Gegen den G8-Gipfel in Evian trat er unter Koordination des Genfer Büros mit einer explizit gewaltfreien internationalen SCI-Gruppe an. Europaweit setzte er im vergangen Sommer und Herbst BotschafterInnen ein, die internationale Freiwillige in den Projekten für die Bedeutung der Menschenrechte sensibilisierten. Der slowenische Menschenrechtsbotschafter in der Schweiz hinterfragte in diesem Zusammenhang die hiesige Asylpolitik, die an einer Podiumsdiskussion in Bern zur Diskussion gestellt wurde.

Die friedenspolitischen Ziele setzt der SCI in der Regel nicht in der Öffentlichkeit durch. Seine Stärke liegt in den Kurzzeiteinsätzen, den Workcamps, in welchen internationale Freiwilligenteams ein soziales, ökologisches oder kulturelles Projekt in der Schweiz oder im Ausland unterstützen. Was nach dem ersten Weltkrieg noch als klares Zeichen gegen Nationalismus und Militarismus wahrgenommen wurde, wird heute nett als Kulturaustausch beschrieben. Auch die TeilnehmerInnen bringen unterschiedliche Motivationen mit: Ferien einmal anders gestalten, ein Praktikum fürs LehrerInnenseminar machen, im Ausland helfen... Spiegelt die Motivation die unpolitische Haltung der zwanzig- bis dreissigjährigen Freiwilligen gegenüber der Gesellschaft?

Politische Handlungsfähigkeit entwickeln

Mit der Repolitisierung der Bewegung beginnt der SCI sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Bei den Freiwilligen aus der Schweiz, die im vergangenen Jahr in Einsätzen waren, sowie den internationalen Freiwilligen in der Schweiz hat er im vergangenen Jahr untersucht, welche Folgen SCI-Einsätze auf die TeilnehmerInnen haben. Diese betonen, dass sie im Zusammenleben und Zusammenarbeiten der Camps Toleranz erfahren und ungemein viel durch die konkreten Projekte gelernt hätten. Befriedigt zeigten sie sich darüber, dass sie sich für andere Menschen und für Umweltschutz engagieren konnten. Ihre Haltung und ihre Erfahrungen lassen sich als implizit politisch beschreiben. Übersetzt man sie in eine politische Sprache bedeutet dies: Die Freiwilligen setzen sich über den SCI für eine soziale und ökologische Gesellschaft, für Gewaltfreiheit und gegen Isolationismus ein.

Dem SCI ist es ein Anliegen mit seiner Arbeit, die gesellschaftliche Politisierung zu fördern. Im Rahmen der Einsätze bietet er den Freiwilligen die Möglichkeit politische Handlungsfähigkeit zu entwickeln, um der neokonservativen Weltsicht entgegenzutreten und für umfassende Friedenspolitik zu werben.

SCI Schweiz

Der SCI Shweizer Zweig ist eine Nonprofitorganisation, die sich für gewaltfreie Konfliktlösung, nachhaltige Entwicklung und interkulturellen Austausch einsetzt.

Zusammenarbeit in der Schweiz

Durch die Vermittlung von engagierten Freiwilligen unterstützt der SCI Schweiz bewusst ökologische, soziale und kulturelle Projekte in der Schweiz.

Zahlen und Fakten

Jährlich engagieren sich gegen 250 Menschen aus der Schweiz in SCI- Projekten im Ausland und rund 200 internationale Freiwillige arbeiten in Schweizer Projekten mit.

Internationale Vernetzung

Der internationale SCI ist ein Netzwerk von 37 nationalen Zweigen und arbeitet mit 50 Partnerorganisationen zusammen. Der SCI Schweiz engagiert sich international: Ein Schwerpunkt besteht im Aufbau und der Entwicklung bilateraler Projekte mit Partnerorganisationen in Osteuropa.

Weitere Informationen zum SCI unter www.scich.org.

Internationale Workcamps 2004
Friedensarbeit - konkret!

Das diesjährige Sommerprogramm des SCI mit über 500 verschiedenen Workcamps in Ost- und Westeuropa, in Zentralasien, Japan, Südkorea, in Nordafrika und Nordamerika erscheint Anfang April. Bist du mindestens 18-jährig und möchtest dich in sozialen, ökologischen und friedensfördernden Projekten engagieren? In der heutigen Zeit, wo gewisse Politiker überall Terroristen vermuten, ist es besonders wichtig, sich über kulturelle Grenzen hinweg zu engagieren.

Das Programm kann für einen Unkostenbeitrag von 12.- Franken bestellt werden bei Service Civil International, Monbijoustr. 32, Postfach 7855, 3001 Bern
oder im Internet unter www.scich.org angeschaut werden.

Thema: Krieg und Frieden
Typ: GSoA-Newspaper
Kategorien: Ziviler Friedensdienst
Ausgabe: 112

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