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KRIEG UND FRIEDEN
Eine Welt ohne Armeen
von Barbara Heer | 01.06.05.

Was haben Länder wie Costa Rica, Haiti, Panama, Island, Lichtenstein, Palau, Samoa und der Vatikan gemeinsam? Sie besitzen alle, was wir schon lange für die Schweiz wollen: keine Armee. Die Organisation A World Without Armies: The Costa Rica Initiative (AWWA) hat sich zum Ziel gesetzt, die Liste dieser Länder zu erweitern.

AWWA wurde im Jahre 2001 von Kazuaki Tanahashi, kurz Kaz, gegründet. Kaz ist ein 1933 in Japan geborener Zen-Buddhist, der heute als Künstler und Friedens- und Umweltaktivist in den USA arbeitet. Die Vision der AWWA ist eine demilitarisierte Welt. In dieser Welt sollten Staaten keine Waffen und Truppen besitzen, die zum offensiven Kampf benützt werden könnten. Bewaffnete Menschen sollen lediglich den internen Frieden sicherstellen können und, solange noch nötig, Grenzkontrollen aufrechterhalten können. Laut Kaz ist Costa Rica ein hervorragendes Vorbild für andere Staaten: Costa Rica schaffte 1949 die Streitkräfte ab und erschuf dafür eine zivile Garde. Verschiedene Putschversuche, die den Sturz der Regierung bezweckten, konnten trotz der Inexistenz der Armee durch internationale Hilfe erfolgreich verhindert werden. Zudem hat Costa Rica heute den mit Abstand höchsten Lebensstandard von ganz Zentralamerika.

Kunst

Da für Kaz die Bereitschaft der Bevölkerung eine der wichtigsten Vorbedingungen zur Demilitarisierung ist, nimmt die Öffentlichkeitsarbeit einen grossen Teil der Aktivitäten ein. Ein Weg, die Aufklärung der Bevölkerung in aller Welt zu erreichen, ist für die AWWA die Kunst: So organisierte sie eine Ausstellung mit 300 Bildern von costaricanischen Kindern zum Thema "Eine Welt ohne Armee". 30 dieser Bilder wurden darauf in den USA, Kanada, aber auch in Deutschland und Holland ausgestellt. Die AWWA sucht auch nach entsprechenden Partnern in der Schweiz, um auch hierzulande eine Ausstellung zu realisieren.

Demilitarisierungspotentiale erkennen

Das wichtigste Ziel der AWWA ist es aber, Staaten mit hohem Demilitarisierungspotential zu erkennen und ihnen effiziente Wege aufzuzeigen, wie sie die bewaffneten Streitkräfte abschaffen können. Hier kommt Costa Rica erneut ins Spiel: Spezialisten und Aktivisten von Costa Rica, aber auch von anderen demilitarisierten Ländern sollen ihre Erfahrungen anderen Nationen weitergeben und ihnen im politischen Prozess beratend zur Seite stehen. AWWA ruft Wissenschaftler dazu auf, Studien über die Situation des Militärs in verschiedenen Ländern durchzuführen, um konkrete Aktivitäten in jenen Ländern aufzunehmen, wo die Realisierbarkeit der Abschaffung am grössten ist. Länder mit hohem Demilitarisierungspotential seien zum Beispiel Barbados, Jamaika, Bahamas und verschiedene Staaten Westafrikas.

Uno-Rat für Staaten ohne Armeen

Die grösste Vision der AWWA ist aber die Etablierung eines Uno-Rates für Staaten ohne Armeen. Dieser Rat würde nach Kaz eine neue Ära der internationalen Beziehungen einleiten und die Wahrnehmung der Welt über die Durchführbarkeit der Demilitarisierung nachhaltig ändern. Der Rat soll nach Wegen suchen, wie Frieden für Staaten ohne Armeen langfristig gewährleistet werden kann und Demilitarisierung in der Uno propagieren und voranzutreiben. Das Ziel von AWWA ist es, bis 2007 eine formelle Anfrage an alle Staaten ohne Armeen einzureichen, die sie aufruft, vereint einen Rat für Staaten ohne Armeen bei der Uno einzufordern.

 

Weitere Informationen über die Organisation auf der Webseite www.aworldwithoutarmies.org

Thema: Krieg und Frieden
Typ: GSoA-Newspaper
Ausgabe: 120

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