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KRIEGSMATERIAL-EXPORTE
Drohnen: Tödliche Flugkörper
von Martin Parpan | 17.03.06.

Hierzulande werden wir von den unbemannten Flugzeuge nur überwacht. In anderen Ländern werden die Drohnen auch bei der Liquidierung von vermeintlichen Terroristen verwendet.


Drohnen sind unbemannte, ferngesteuerte oder autonom agierende Flugkörper. Es gibt sie schon seit Jahren, und sie sind immer irgendwo auf dieser Welt im Einsatz. Das Einsatzszenario für Drohnen ist umfassend: Sie werden nicht nur zu Überwachungszwecken eingesetzt, sondern zunehmend auch zur unbemannten Kriegführung. Ihre Grösse reicht von Minigeräten mit der Spannweite einer Libelle bis zu Riesendrohnen mit dem Ausmass eines Airbus 320.

Im Mai 2004 musste die Schweizer Armee zugeben, dass sie bei ihren Trainingsflügen zufällig ausgewählte Zivilpersonen mit Aufklärungsdrohnen aus einer Höhe von 1500 Metern verfolgt und gefilmt hatte. Selbst aus dieser Entfernung können einzelne Menschen von den hochauflösenden Kameras noch identifiziert und ihre Bewegungen verfolgt werden. Am G8-Gipfel in Evian wurden zur Überwachung der DemonstrantInnen Drohnen eingesetzt, nachdem dies einige Jahre zuvor für die Kundgebungen zum 1. Mai in Zürich noch abgelehnt wurde.

Während in der Schweiz der fehlende Datenschutz für Bedenken sorgt, erfüllen Drohnen im «Krieg gegen den Terror» eine andere, tödlichere Funktion: Möglichst verdeckt und ohne Risiko für die eigenen Soldaten sollen Ziele in besiedelten Gebieten angegriffen werden. Die israelische Armee verwendet regelmässig Drohnen bei der «aussergerichtlichen Tötung» von vermeintlichen Terroristen in den palästinensischen Gebieten. Mitte Januar dieses Jahres starben in Pakistan 18 Menschen, darunter 8 Kinder, weil eine bewaffnete Drohne der CIA das falsche «Zielobjekt» beschoss. Ironischerweise verfügt mittlerweile jedoch auch die «andere Seite» über diese Mittel: Beispielsweise testete kürzlich die Hisbollah im Südlibanon eigene Drohnen.

Atomar bestückbare Drohnen?

Die Schweiz spielt im Konzert der Drohnenhersteller kräftig mit. Drohnen des Typs Ranger werden seit den 80er-Jahren von einem schweizerisch-israelischen Konsortium unter Mitwirkung von Ruag, Oerlikon Contraves und der Israel Aircraft Industries hergestellt. Die Ranger liefern dem militärischen Anwender hochauflösende Video- und Infrarotbilder für Erkundung, Aufklärung, Überwachung und Artillerie-Feuerleitung in Echtzeit.

Derzeit arbeitet die Ruag mit anderen europäischen Rüstungskonzernen am französischen Kampfdrohnenprojekt Neuron mit. Sie leistet dabei einen Beitrag von 6 Millionen an das 600 Millionen Projekt. Besonders beunruhigend und unklar ist, ob die Neuron-Drohne auch mit einem Nuklearkopf ausgerüstet werden kann. Auf eine entsprechende Anfrage an den Bundesrat im Dezember 2005 konnte dieser jedenfalls lediglich antworten, dass «gemäss heutigem Kenntnisstand» keine Anhaltspunkte bestehen, dass mit diesem Drohnenprojekt Nukleareinsätze geplant seien.

Im Januar dieses Jahres berichtete der Spiegel von Projekt Barracuda, welches streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit vom europäischen Rüstungskonzern EADS geleitet wird. Barracuda wird als Aufklärer entwickelt und könnte später zum Kampfjet hochgerüstet werden. Die Schweiz habe ebenfalls einen kleinen Beitrag an Barracuda geleistet, so der Spiegel.

Die Rüstungsspirale dreht sich weiter

Der Weltmarkt für Drohnen vergrösserte sich in den letzten Jahren rasant. Washington erhöhte nach den Anschlägen auf das World Trade Center die Ausgaben für Drohnen von 250 Millionen auf mehrere Milliarden Dollar. Experten gehen davon aus, dass ab 2015 jährlich Drohnen für bis zu fünf Milliarden Dollar verkauft werden. Die Rüstungsspirale dreht sich auch bei den Drohnen unaufhörlich weiter.


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