Themen > Kriegsmaterial-Exporte

KRIEGSMATERIAL-EXPORTE
Waffen kennen keine Grenzen
von Heinrich Frei | 17.11.06.

Der von Control Arms veröffentlichte Bericht «Arms without borders» zeigt, wie die gewissenlosen Rüstungsfabrikanten die Globalisierung für ihre Zwecke nutzen.

Heute kommt Kriegsmaterial zu leicht in falsche Hände, schreibt Control Arms im Report «Arms Without Borders», der am 2. Oktober 2006 erschienen ist. Jedes Jahr wird mehr als eine Drittelmillion Menschen direkt mit konventionellen Waffen getötet. Noch viel mehr Frauen, Kinder und Männer sterben, werden verwundet, missbraucht, vertrieben und beraubt in der Folge des Einsatzes von Waffen.

Globalisierte Rüstungsunternehmen

Schon im Ersten Weltkrieg belieferten französische und deutsche Waffenfabrikanten sowohl die französische, wie die deutsche Armee. Im Zweiten Weltkrieg waren amerikanische Firmen lange massgeblich an deutschen Firmen beteiligt, die für Hitler Rüstungsgüter produzierten.

Aber erst in den letzten Jahren hat die Globalisierung die Produktion von Kriegsmaterial und den Waffenhandel voll erfasst. Rüstungsfirmen operieren heute meist von Stützpunkten in mehreren Ländern aus und beziehen Bestandteile für ihre Produkte aus Fabriken rund um den Erdball.

«Nordkoreanische» Atombombe

Die 100 grössten Firmen der Welt die heute Rüstungsgüter herstellen, sind alle nicht mehr autonome Produzenten, sondern sie sind auf Komponenten angewiesen, die andere Firmen, oft in fernen Erdteilen, produzieren.

Nordkorea, wie zuvor bereits Indien und Pakistan, konnte seine Atombombe nur dank Technologien und Komponenten herstellen, die es auf dem Weltmarkt zusamme kaufte. Die nordkoreanische Armee rüstete sich so zu sagen mit globaler Hilfe auf. Die Rüstungsfabrikanten, die Nordkorea bedienten, interessierte es nicht, dass Menschen in Nordkorea verhungerten, so wenig sie es interessiert, dass bei einem ihrer besten Kunden, in Indien, hunderte Millionen Menschen im Elend leben. Von China erhielt Nordkorea unter anderem Panzerwagen, die auf deutscher Technologie und Komponenten der deutschen Firma Deutz basierten.

China exportierte auch Kampfhelikopter in verschiedene Staaten, unter anderem in den Sudan. Mit diesen Helikoptern wurden im Sudan Zivilisten angegriffen und getötet, wie dokumentiert ist. Die Kampfhelikopter die das Reich der Mitte verkaufte, wurden mit Bestandteilen und Technologien der kanadischen Firma Pratt and Whitney, dem italienisch-britischen Unternehmen AugustaWestland, der US Lord Corporation und der European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) zusammengebaut.

Die Marktführer

Private und staatliche Rüstungsfirmen orientieren sich am Markt, sie sehen oft nichts anderes als den Profit. Sie verstehen es geschickt, gesetzliche Bestimmungen zu umgehen, die den Export von Kriegsmaterial und von Komponenten für Rüstungsgüter limitieren würden.

Die USA, Russland, Grossbritannien, Frankreich und Deutschland haben 2005 82% der weltweiten Waffenexporte bestritten. Diese Staaten sollten eigentlich, als Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates, den Frieden auf der Erde sichern, nicht noch mit Kriegsmaterialexporten Öl in schwelende Konflikte giessen. Gerade in den fünf ständigen Mitgliedsstaaten des UNO-Sicherheitsrates, (USA, Russland, Grossbritannien, Frankreich und China) müsste die Produktion und der Handel von Kriegsmaterial einer scharfen Kontrolle unterworfen werden, durch ein «effektives Internationales Abkommen für den Waffenhandel», wie es Control Arms jetzt im Report «Arms without Borders» fordert. Auch die immer grösser werdenden Schlupflöcher in der nationalen Kontrolle des globalisierten Waffenhandels zeigten, wie nötig es sei «einem globalisierten Handel auch ein globalisiertes Recht entgegenzustellen».


Share: