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ARMEE UND ZIVILDIENST
Wir müssen es tun!
von Felix Birchler | 17.11.06.

Kriegspropaganda folgt bestimmten Prinzipien, die in den verschiedensten Kontexten immer wieder aufs Neue angewendet werden.

Bereits nach dem schrecklichen Massensterben des 1. Weltkrieges hat sich in der Welt das Bekenntnis zum Frieden durchgesetzt. Den meisten Menschen wurde klar, dass Krieg etwas Schreckliches, Menschenverachtendes, und überhaupt nichts Heroisches, ist. Ein Staatsoberhaupt eines einigermassen demokratisch verfassten Staates kann sich heutzutage keine öffentliche Kriegsbegeisterung mehr erlauben. Der Frieden ist ein Wert zu dem sich alle PolitikerInnen gleichermassen bekennen. Bei manchen sind die Bekenntnisse zum Frieden jedoch nicht mehr als ein Propagandainstrument, das die eigenen Kriegspläne vertuschen soll. Denn wenn alle nur den Frieden wollen, wieso gibt es dann überhaupt noch Krieg?

Der Krieg wurde uns aufgezwungen

Hier stossen wir auf ein zentrales Element der Kriegspropaganda: Noch jeder Kriegsherr hat behauptet, dass sein Kampf nur eine legitime Reaktion auf einen Angriff des gegnerischen Lagers sei, Notwehr gewissermassen. Die bekannteste Version ist wohl die Rechtfertigung der Invasion Polens durch Nazideutschland. Es wurde beteuert, polnische Truppen hätten zuvor Angriffe auf deutsches Territorium verübt.

Eine Ausweitung dieses Argumentationsmusters wirft dem Feind die Nichteinhaltung von vertraglichen Verpflichtungen vor. Die gegnerische Seite wird dabei als grausam, brutal, monströs oder geistesgestört hingestellt. Gutgemeinte Friedensangebote oder Abrüstungsverträge verhöhnt der irre Feind nur. Er wartet nur darauf, «unsere» Seite in einen Krieg zu verwickeln.

Wir kämpfen für eine gute Sache

Ein weiteres Grundprinzip der Kriegspropaganda liegt darin, dass die ökonomischen und geopolitischen Eigeninteressen möglichst unter dem Deckel gehalten werden müssen. Die Bevölkerung muss davon überzeugt werden, dass ihre Regierung (natürlich im Gegensatz zu der des Feindes) den Krieg ausschliesslich für eine «gute Sache» führt. Als klassische «gute Sache» gelten die Beseitigung eines Diktators, die Verteidigung einer kleinen Nation gegenüber eine grossen oder die Durchsetzung der Demokratie in der Welt. Wer die Regierung wegen ihrer Kriegsteilnahme angreift, kann von der Propagandamaschinerie leicht als Unterstützer der Diktatoren diffamiert werden.

Der grausame Feind

Berichte über Grausamkeiten und Kriegsverbrechen sind ein wesentlicher Bestandteil jeder Kriegspropaganda. Natürlich begeht nur der Feind solche Gräueltaten. Im 1.Weltkrieg etwa verbreitete die alliierte Propaganda die Behauptung, die deutschen Soldaten würden systematisch belgischen Kindern die Hände abhacken. Dies war ebenso eine Propagandalüge, wie die während des Golfkrieges von 1990 verbreitete Geschichte von kuwaitischen Babys, die von irakischen Soldaten aus ihren Brutkästen gerissen würden. Natürlich werden im jedem Krieg Gräueltaten begangen. Umso zynischer ist es, wenn diese von der Propagandamaschinerie auch noch zur weiteren Eskalation des Krieges missbraucht werden.

Thema: Armee und Zivildienst
Typ: GSoA-Newspaper
Kategorien: Militärpropaganda
Ausgabe: 128

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