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ARMEE UND ZIVILDIENST
Wem gehört der öffentliche Raum?
von GSoA | 20.06.07.

(rr) Seit über 16 Jahren existiert in Bern eine Gassenküche. Eine Gruppe junger Leute gibt jeden Sonntag in der Innenstadt gratis Essen ab und setzt so gleichzeitig ein Zeichen gegen Prohibition und Repression.

Bis vor rund einem Monat hat sie das auf dem Bahnhofplatz getan. Doch nun hat die Stadtregierung den Umbau des Berner Bahnhofplatzes zum Anlass genommen, die Gassenküche aus der Innenstadt zu verbannen. Mit einer harschen Medienmitteilung kündigte der Gemeinderat an, die Essensabgabe der Gassenküche fortan nur noch im Vorhof der Kontakt- und Anlaufstelle für drogenabhängige Menschen zu tolerieren. Dies ist Teil der Strategie der Stadtregierung, aus dem umgebauten Bahnhof eine sterile Zone zu machen, in der nur noch Platz hat, was gut aussieht - EURO 08 lässt grüssen.

Gegen diese Vertreibungspolitik formierte sich Widerstand und die OrganisatorInnen der Gassenküche machten klar, dass sie sich nicht an den vorgeschlagenen Standort verdrängen lassen würden - verständlich, da 1. nicht nur Drogenabhängige das Angebot der Gassenküche benutzen, 2. die Gassenküche ein politisches Projekt ist, für das an einem zentralen Ort Platz sein muss und 3. die Kontakt- und Anlaufstelle keine 100 Meter von der Reitschule entfernt ist, welche durch die städtische Vertreibungspolitik sowieso schon zum Auffangbecken für alle Abgeschobenen geworden ist, was den Kulturbetrieb nicht erleichtert. Doch der Berner Gemeinderat, der notabene rot-grün dominiert ist, beharrt auf seiner unverständlichen Politik und ging so weit, dass er am Pfingstsonntag die Essensabgabe der Gassenküche mit einem grossen Polizeiaufgebot und Tränengaseinsatz auflösen liess. Damit wurde ein Sommertheater lanciert, dessen Ende noch nicht in Sicht ist. Sicher ist: Die Gassenküche gehört zu Bern und die Solidarität mit den Vertriebenen wächst.

Thema: Armee und Zivildienst
Typ: GSoA-Newspaper
Kategorien: Einsätze im Innern
Ausgabe: 130

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