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WAFFEN INS ZEUGHAUS
Panzeroffizier sieht rot
von GSoA | 20.12.07.

Ein Panzeroffizier ruft zum Verweigern der Munitionsabgabe auf. Das VBS bleibt passiv und weiss nicht wie reagieren.

Von Martin Parpan

Der Bundesrat hat entschieden, den Armeeangehörigen die Taschenmunition nicht mehr abzugeben. Dieser Entscheid ist dank des Drucks der Volksinitiative «Für den Schutz vor Waffengewalt» zu Stande gekommen. Nun läuft ein Panzeroffizier Sturm und ruft zum Widerstand auf. Im VBS reibt man sich die Augen, verhält sich passiv und argumentiert hilflos.

Werner Gartenmann, Stabsoffizier bei den Panzertruppen, Major, SVP-Mitglied, stellvertretender Geschäftsführer der AUNS und Duzfreund von Samuel Schmid hat es nach eigenen Worten den «Gong» gegeben. Er will nicht akzeptieren, dass die «untrennbare Einheit von Waffe und Munition» aufgelöst werden soll. Der Einzug der Taschenmunition bedeute für ihn, dass Armeeangehörige als potentielle Mörder und Selbstmörder abqualifiziert werden. Unter dem Titel «Notwehr jetzt» sucht er nun Gleichgesinnte, welche sich dem Einzug der Taschenmunition widersetzen wollen.

Hilflos und passiv

Den Entscheid, die Taschenmunition einzusammeln, bezeichnet Gartenmann als «unglaubliche Kehrtwendung», da Bundesrat Schmid noch im September des vergangenen Jahres betonte, dass die Abgabe der Taschenmunition das «Vertrauensverhältnis zwischen Staat und Bürger manifestiere, ohne welches unser Staatssystem nicht auskommt». Armeechef Keckeis bezeichnete das Verhältnis des Soldaten zu seiner Waffe als etwas «intimes». Das VBS wird also von jener Rhetorik eingeholt, welche es während Jahren selber zelebrierte.

Die GSoA hat das VBS mit der Frage konfrontiert, ob die Armeeführung eine Mitschuld daran treffe, dass Leute wie Gartenmann nun Sturm laufen, nachdem ihnen über Jahre eingetrichtert wurde, dass eine Waffe eben nicht nur eine Waffe, sondern ein Vertrauensbeweis und ein Zeichen der Ehre für den Wehrmann sei. Nein, war die klare Antwort. Schliesslich habe man nach wie vor die Möglichkeit, den Soldaten die Munition bei veränderter Bedrohungslage wieder nach Hause zu geben. In Bezug auf die Aussage von Herrn Keckeis betreffend Intimitätsverhältnis zwischen Waffe und Soldat werde immer wieder vergessen, dass Armeechef Keckeis französischer Muttersprache sei und er gewisse Wörter vielleicht nicht richtig deute...

Diese hilflose Argumentation macht deutlich, wie ungelegen das hausgemachte Problem dem VBS kommt. Sanktionen hat Gartenmann vorläufig nicht zu befürchten. Da der Entscheid zur Einsammlung der Taschenmunition noch nicht in einen Befehl umgewandelt worden sei, gebe es dafür bisher keinen Grund.

Ungutes Gefühl

Es ist ungewiss, wer sich der Aktion «Notwehr jetzt» noch alles anschliesst. Gartenmann betont, dass er viele positive Reaktionen auf seinen Aufruf erhalten habe. Es handelt sich dabei um Menschen, die sich in ihrer Ehre gekränkt sehen, die das Gefühl haben, dass ihnen das Vertrauen entzogen wurde. Es handelt sich dabei auch um Menschen, die wild entschlossen sind, für ihren Standpunkt zu kämpfen. Diese Mischung aus Verletzung und Entschlossenheit zum Widerstand hinterlässt ein ungutes Gefühl. Das VBS würde gut daran tun, sich des Themas ernsthaft anzunehmen - und zwar im gesellschaftlichen Interesse.

Thema: Waffen ins Zeughaus!
Typ: GSoA-Newspaper
Ausgabe: 132

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