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BFMZ
Beratungsstelle für Militärdienstverweigerung und Zivildienst
von Chrigi Hug | 28.03.09.

Für alle, die Schwierigkeiten mit dem Militär dienst haben, gibt es eine zentrale Anlaufstelle: Die Beratungsstelle für Militärdienstverweigerung und Zivildienst in Zürich (BfMZ). Sie wurde 1981 von PazifistInnen und Dienstverweigerern gegründet und berät jedes Jahr Tausende von Hilfesuchenden in Fragen rund ums Militär. Ein Interview mit dem Stellenleiter Piet Dörflinger.

GSoA: Mit welchen Anliegen kommen die Leute zu euch?

Piet: Die Leute, die zu uns kommen haben vielfältige Anliegen. Fast alle haben irgendwelche Probleme mit ihrer Dienstpflicht. Meist besteht der Wunsch, aus der Armee auszutreten. Die drei grossen Themengruppen sind Zivildienst, Ausmusterung aus gesundheitlichen Gründen und Militärstrafsachen.

GSoA: Wo überall führt ihr Beratungen durch?

Piet: Die BfMZ befindet sich im Ragaz-Haus an der Gartenhofstrasse 7 in Zürich Wiedikon. Jährlich führt die Stelle ca. 4’500 Beratungen durch. Es kommen aber lange nicht alle Ratsu chenden in Zürich persönlich vorbei. Wir haben eine umfassende Homepage (www.zivildienst.ch) und bieten E-Mailberatung innert 48 Stunden an. Dieses Angebot wird rege benutzt.

Zudem gibt es Telefonberatung von Montag bis Freitag jeweils nachmittags von 14 bis 18 Uhr. Kurzauskünfte werden gratis erteilt, längere Beratungen kosten 25 Franken. Die persönlichen Beratungen finden in der Regel von Montag bis Donnerstag jeweils 18 bis 20 Uhr bei uns statt.

Die BfMZ unterstützt auch ein schweizweites Beraternetz in Städten, in denen keine Büros vorhanden sind. Dort bieten Berater Termine nach Absprache an. Zurzeit umfasst das Netzwerk Luzern, Wallis, Basel und Olten. Die BfMZ organisiert auch regelmässig öffentliche Informationsanlässe wie zum Beispiel einen monatlichen Zivildienst-Infoabend.

GSoA: Welche Veränderungen bringen die Revision des Zivildienstes und die Abschaffung der Gewissensprüfung für euch, für eure Arbeit?

Piet: Ungefähr ein Drittel unserer Beratungen betreffen das Thema Zivildienst allgemein. Aber nur ein Teil davon betrifft die eigentlichen Zulassungsverfahren. Die Beratungen zur Zulassung machen etwa 13 Prozent unserer gesamten Beratungen aus.

Wir gehen davon aus, dass es durch die vereinfachte Zulassung einerseits mehr Zivildienstinteressierte geben wird und auf der anderen Seite immer mehr Menschen Zivildienst leisten. Diese Gruppe erfährt regelmässig Probleme mit ihren Pflichten als Zivi. Entsprechend erleben wir jetzt schon eine starke Zunahme an Fragen betreffend zu tiefem Erwerbsersatz, Streit mit der Zivildienstbehörde wegen Dienstplanung und ähnlichem.

GSoA: Welche Themen stehen bei euch zurzeit im Vordergrund?

Piet: Eindeutig Probleme von Zivis mit ihrer Dienstplanung und sehr viele «Notfälle» von Leuten, die wenige Tage vor Militärdienstbeginn realisieren, dass sie nicht hin wollen.

GSoA: Die Beratungsstelle berät nicht nur. Was macht ihr sonst noch?

Piet: Wir können nicht ständig nur Defizite unseres Gesetzgebers auffangen, daher wollen und müssen wir aktiv die schlechten Rahmenbedingungen ändern. Wir gehen davon aus, dass es ein Menschenrecht ist, den Kriegsdienst verweigern zu dürfen. Unser Staat sieht das natürlich anders und bestraft Verweigerer aufs Härteste. Die gesetzliche Möglichkeit ein Zivildienstgesuch einzureichen, gibt es erst seit 1996, ist aber eine wesentliche menschenrechtliche Verbesserung. Um dies zu erreichen, mussten aber zuerst sehr viele Menschen verweigern und teuer dafür bezahlen. Dazu musste eine Unmenge von politischer Arbeit geleistet werden. Die BfMZ betreibt deshalb seit jeher auch Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit. Sie ist zudem Geschäftsstelle des Schweizerischen Zivildienstkomitees und beteiligt sich so zum Beispiel an Vernehmlassungen. Das Komitee war nicht unwesentlich an der Abschaffung der unwürdigen Gewissensprüfung für Zivis beteiligt.

Nebst der politischen Arbeit führt die BfMZ auch Projekte zur besseren Anerkennung des Zivildienstes durch. Beispiele dafür sind die Etablierung der vom Bund getragenen Ausbildung in gewaltfreiem Konflikt-Management für Zivis und ein Pilotprojekt mit Zivis zur Gewaltverminderung im öffentlichen Raum.

Thema: Armee und Zivildienst
Typ: GSoA-Newspaper
Kategorien: Zivildienst
Ausgabe: 137

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