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WEF-EINSATZ DER ARMEE
Handschellen und ungewollte Schussabgaben
von Adi Feller | 28.03.09.

Auch dieses Jahr war die Schweizer Armee am WEF im Einsatz. Mittlerweile ist das schon so zur Gewohnheit geworden, dass nicht mehr über den Einsatz an sich diskutiert wird, sondern nur noch die geleisteten Diensttage bekannt gegeben werden.

Die Armee hat sich ihr neues Einsatzgebiet gesichert, so sehr, dass Soldaten standardmässig mit Handschellen anstatt der bisher üblichen Kabelbinder ausgestattet werden sollen. Offiziell soll die Armee nur im rückwärtigen Raum eingesetzt werden, doch in Übungsszenarien (Truppenzeitung «Newsflash» Nr. 4, vom 22.01.09) tauchen DemonstrantInnen zusammen mit sprengstoffbeladenen Lastwagen auf – welche prompt von den Soldaten nicht entdeckt werden. «Realistische Szenarien» mit ein bisschen Einschüchterung und Abwechslung müssen ja sein.

Die wahren Kosten

71'000 Diensttage sowie 214 Flugstunden mit Helikoptern und 335 Flugstunden mit Flugzeugen wurden für den Einsatz rund um das WEF geleistet. Die Kosten werden zu grossen Teilen auf die normalen WK-Budgets abgewälzt. So werden lediglich rund 2 Millionen Franken an Zusatzkosten für diesen Einsatz offiziell ausgewiesen. Dennoch hält das VBS fest, dass bloss drei Tage «einsatzbezogene Ausbildung» stattfanden. Die restliche Zeit hatte also nichts mit Ausbildung zu tun, sondern bestand in erster Linie aus dem Bewachen von Strommasten und nervtötender Warterei. Zieht man die volkswirtschaftlichen Kosten in Betracht – vor allem den Erwerbsausfall der Armeeangehörigen – so hat der WEF-Einsatz auch dieses Jahr eine zweistellige Millionensumme gekostet. Ziemlich viel Geld für ziemlich wenig Nutzen.

Keine «gravierenden Zwischenfälle» gab es während des Einsatzes laut Angaben des VBS. Doch eine so genannt «ungewollte Schussabgabe» fand statt – mittlerweile so sehr Alltag in der Schweizer Armee, dass ein Kommentar dazu unnötig ist?

Thema: Armee und Zivildienst
Typ: GSoA-Newspaper
Kategorien: Einsätze im Innern, WEF
Ausgabe: 137

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