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SINNKRISE
Maurers Suche nach dem Feind
von Martin Parpan | 17.05.09.

Der Armee ist mit Ende des Kalten Krieges der Feind abhanden gekommen. Man durfte deshalb gespannt sein auf die Rede von Ueli Mauer anlässlich der SVP Delegierten versammlung in La Brévine. Maurer war angetreten, um zu erklären, weshalb wir trotzdem noch eine Armee brauchen.

Ueli Maurer begann seine Rede ganz weit vorne. Er bediente sich der griechischen Sagen- und Mythenwelt mit der Geschichte der Trojaner. Sie hatten sich damals in falscher Sicherheit gewähnt, nur weil sie den Feind nicht sahen. Sie legten ihre Waffen nieder. Der Feind hatte sich jedoch nur versteckt, Troja wurde niedergebrannt.

Nun spannte Maurer den Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart. Er sieht die Schweiz in einer ähnlichen Situation wie die Trojaner damals. Der Feind ist auf den ersten Blick zwar nicht sichtbar, wir sind aber trotzdem in Gefahr. Um klar zu machen, wo diese Gefahren lauern, setzte Maurer im zweiten Teil seiner Rede zu einem wahren Bedrohungsfeuer werk an. Er zählte alles auf, was in den Köpfen mit Gefahr assoziiert ist. Da war der Hin weis auf den islamistischen Terror, die Möglichkeit von Angriffen auf unsere Alpentransversalen oder etwa potentielle Übergriffe auf unsere Computerverbindungen. Er sprach aber auch von Jugendbanden in den Banlieues, die auch bei uns auftreten könnten oder von Ressourcenkonflikten am Beispiel des Gasstreits zwischen der Ukraine und Russland.

Kampf um Steuersubstrat

Gegen Schluss verwies Maurer auf die durch die Finanzkrise getriebenen nationalen Interessen anderer Staaten. Er meine, dass die Schweiz erste Auswirkungen schon zu spüren bekomme. Es ist anzunehmen, dass Maurer mit diesem Hinweis auf unseren nördlichern Nachbarn anspielte, welcher gegen das Schweizer Bankgeheimnis vorgeht. Er sprach dabei vom «Kampf um Steuersubstrat».

Fazit: Mauer gibt unumwunden zu, dass derzeit kein Feind in Sicht ist. Die Armee braucht aber eine Bedrohung, gegen die sie ankämpfen kann, um sich aus der grossen Sinnkrise zu befreien. Maurer versucht dieses Dilemma zu lösen, indem er alles mögliche aufzählt, was bei einem Teil seiner Zuhörer ein Gefühl der Angst hervorruft. Maurer fasste es mit den Worten zusammen: Solange man uns etwas wegnehmen kann, sind wir bedroht. Was Maurer in seiner Rede aber vermieden hat, ist die von ihm erwähnten Gefahren mit der Rolle der Schweizer Armee zu verbinden. Er ist sich wohl durchaus bewusst, dass seine Armee gegen Terrorismus, Angriffe auf Computerverbindungen oder Jugendbanden kein taugliches Mittel ist. Und so bleibt der grösste Feind der Schweizer Armee auch nach Maurers Rede das Fehlen des Feindes. Alles andere wäre auch überraschend gewesen.

Thema: Armee und Zivildienst
Typ: GSoA-Newspaper
Kategorien: Militärpolitik
Ausgabe: 138

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