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SÖLDNERFIRMEN
Was Aegis in Papua-Neuguinea trieb
von Andreas Weibel | 19.04.11.

In den kommenden Monaten wird das Schweizer Parlament über neue gesetzliche Schranken für Söldnerfirmen diskutieren. Eine gute Gelegenheit, um auf eine der vielen Affären rund um «Aegis Defence Services» zurückzublicken.

Tim Spicer, der Gründer und CEO von Aegis - der Söldnerfirma, die kürzlich ihren Sitz nach Basel verlegte – ist eine schillernde Figur. Der ehemalige Oberstleutnant einer britischen Elite einheit gründete bereits 1996 seine erste «Private Sicherheitsfirma»: Sand line International. Schon der erste grosse Auftrag dieser Firma zeigte exemplarisch, welche Probleme die «Renaissance der Söldnerfirmen» verursacht:

Seit Jahrzehnten hatte die rohstoffreiche Insel Bougainville nach mehr Autonomie von Papua- Neuguinea gestrebt. Nachdem politische Vermittlungsversuche scheiterten, beschloss der Ministerpräsident von Papua-Neuguinea, Julian Chan, den Konflikt militärisch anzugehen. Da die offiziellen Streitkräfte des Landes zu einer solchen Aktion nicht in der Lage waren, gelangte Chan an Sandline Inter natio nal. Tim Spicer bot an, die Rebellen in Bougainville mit seinen Söldnern gegen ein Entgelt von 36 Millionen Dollar zu vertreiben. Obwohl der Betrag für den Staat sehr hoch war – unter anderem mussten die Budgets für Gesundheit und Bildung gekürzt werden, um die Operation zu finanzieren – ging Chan auf den Deal ein.

Proteste gegen die Operation

Für den Schlag gegen die Rebellen heuerte Sand line vier ausgemusterte russische Kampfund Transporthelikopter sowie auch Söldner der Firma «Executive Outcomes» an. Dieses Unternehmen hatte sich nach dem Ende der Apartheid in Südafrika aus ehemaligen Sondereinsatzkommandos und anderen Schergen der Diktatur gebildet. Bis im März 1997 hatten sich rund achtzig Mitarbeiter von Sandline in der Hauptstadt Port Moresby eingefunden, um die Operation durchzuführen.

Sowohl Premierminister Chan wie auch Spicer hatten jedoch bei ihren Plänen einen Faktor ausser Acht gelassen: Die papuanische Zivilgesellschaft. Nachdem eine australische Zeitung die Vorbereitungen für die Militäroperation aufgedeckt hatte, kam es zu spontanen Protesten in der Hauptstadt. In der Universität und den Armeekasernen wurden Streiks ausgerufen, das öffentliche Leben kam wegen den Protesten zum Erliegen. Schlussendlich entschloss sich die Polizei, ohne das Wissen der Regierung sämtliche Sandline-Söldner über Nacht zu entwaffnen und für einige Zeit festzunehmen. Es folgte eine schwere Regierungskrise und Premierminister Chan musste sich einige Tage später nach seinem Rücktritt aus dem von Protestierenden belagerten Parlament verkleidet davonschleichen.

Neue Firma – dieselben Probleme

Unter Chans Nachfolger Bill Skate wurde der Friedensprozess wiederbelebt und im Oktober ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen. Sandline konnte sich vor Gericht die Zahlung der vollständigen Vertragssumme erstreiten, obwohl die Operation nie stattfand. In den vergangenen Jahren versuchte sich Tim Spicer mit Aegis Defence Services ein seriöseres Image zu erarbeiten. Aber auch über seine jetzige Firma tauchen immer wieder Berichte von Korruption und Gewaltanwendung gegen die Zivilbevölkerung auf.

Thema: Krieg und Frieden
Typ: GSoA-Newspaper
Kategorien: Söldnerfirmen
Ausgabe: 146

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