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«CYBERWAR»
Mit Gewehren auf Computer schiessen
von Martin Parpan | 17.11.11.

Wenn Armeebefürworter die aktuelle Bedrohungslage analysieren, taucht der Begriff «Cyberwar» in regelmässigen Abständen auf. Armee-Chef André Blattmann hält «Cyberwar» gar für die aktuell gefährlichste Bedrohung für die Schweiz. Was steckt hinter diesem Begriff und was wird damit bezweckt?

Unter «Cyberwar» wird generell die kriegerische Auseinandersetzung mit Mitteln verstanden, die vorwiegend aus dem Bereich der Informationstechnik kommen. Was sich genau dahinter verstecken soll, bleibt jedoch schwammig. Sabotage, Spionage und Überwachung sind Aktivitäten, die es in schon im Kalten Krieg gegeben hat. Ob nun von «Cyberwar» gesprochen werden kann, wenn dasselbe mit Hilfe von digitalen Hilfsmitteln erfolgt, ist weitgehend Defintionssache. Klar scheint einzig, dass «Cyberwar» ein Mittel ist, das hochtechnisierte Staaten und Organisationen einsetzen können, um Gegnern Schaden zuzufügen. Trotz dieser unklaren Grundlage fällt auf, dass Armeebefürworter neuerdings gerne den Begriff «Cyberwar» verwenden, um für die Daseinsberechtigung der Schweizer Armee zu argumentieren. Jüngstes Beispiel ist eine kürzlich im Schweizer Fernsehen ausgestrahlte Diskussionssendung zum Thema Wehrpflicht. Gemäss Waffenlobbyist und «Pro Tell»-Vorstandsmitglied Hermann Suter droht uns ein asymmetrischer Krieg gegen Terroristen und Seuchen sowie ein «Cyberwar», der eine starke Armee bedinge.

Gefühl der Ohnmacht

Es stellt sich nun die Frage, weshalb Armeebefürworter den Begriff «Cyberwar» so gerne benutzen. Die Antwort ist relativ einfach: Das Bild von einem Gegner, der unsichtbar darauf hinarbeitet in unser System einzudringen und mit einem Schlag eine Katastrophe auszulösen, wirkt auf gewisse Bevölkerungsschichten verständlicherweise bedrohlich. Ob die Armeebefürworter dieses Bedrohungsgefühl absichtlich schüren, oder ob sie selbst so wenig Erfahrung mit digitalen Technologien haben, dass sie sich davor fürchten, sei dahingestellt.

Hilflose Argumentation

Die «Cyberwar-Diskussion» ist allerdings ein erneuter Beweis dafür, wie hilflos die Armeespitze argumentiert, wenn es darum geht, ihre Legitimation zu rechtfertigen. Es müsste nämlich auch dem feurigsten Armeebefürworter klar sein, dass ein Massenheer gegen die potentielle Bedrohung «Cyberwar» total unbrauchbar ist. Um Angreifer abzuwehren, die mit Bits und Bytes kämpfen, braucht es bei Unternehmen, bei Infrastrukturdienstleistern und zivilen Behörden ausgebildete SpezialistInnen, die über das entsprechende technische Know-how verfügen. Gegen Hackerangriffe helfen Firewalls, aktuelle Virenscanner und ComputernutzerInnen, die nicht jedes Attachment gleich öffnen. WK-Soldaten, Panzer und Handgranaten haben in dieser Diskussion rein gar nichts zu suchen.

In der angesprochenen Diskussionssendung wurde das treffende Gegenargument zur «Cyberwar-Bedrohung» vom Juso-Präsident David Roth bereits erläutert: «Sollen die Soldaten mit ihren Gewehren auf Computer schiessen, die mit Viren infisziert sind?» Dem ist wohl nichts beizufügen.

 

Thema: Armee und Zivildienst
Typ: GSoA-Newspaper
Kategorien: «Cyberwar»
Ausgabe: 148

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