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MILITÄRTECHNOLOGIEN
«Mit den Waffen des Geistes gegen den Geist der Waffen»
von Nikolai Prawdzic | 20.11.12.

In der Schweiz arbeiten diverse Hochschulen mit der Schweizer Armee und mit Rüstungsbetrieben zusammen, um Waffen weiterzuentwickeln. Eine erfolgreiche Kampagne aus Deutschland zeigt, wie gegen diese Militarisierung vorgegangen werden kann.

In sieben Schweizer Städten entwickeln Studierende und Uni-Angestellte Radarüberwachungssysteme, Raketenmotore, Gefechtsköpfe oder forschen an Tarnsystemen. Diese Forschungsprogramme lässt sich alleine die Armasuisse in diesem Jahr über 16 Millionen Franken kosten.

Staatlich finanzierte Waffenforschung

Die immer grössere Nähe von Industrie und öffentlichen Bildungsinstitutionen ist Teil der Ökonomisierung der Bildung. Geforscht wird dort, wo ökonomischer Mehrwert generiert werden kann - auch wenn es sich um menschenfeindliche Technologien handelt. Ökonomische Interessen dominieren so zunehmend die Forschungsprojekte. Klar ist, dass Rüstungsfirmen so sehr billig an Know-How kommen - sie bezahlen bloss einen kleinen Teil der Projektkosten. Der Staat übernimmt den grösseren Teil und unterstützt so ganz direkt die Waffenforschung. In Grossbritannien etwa arbeiteten die Universitäten an mehr als 1900 militärischen Projekten. Und in Deutschland zahlt das Verteidigungsministerium jährlich über eine Milliarde Euro und kann so ganz direkt bestimmen, was erforscht wird.

Hochschulen für den Frieden

Gegen diese Militarisierung der öffentlichen Forschung regt sich Widerstand. Friedensorganisationen, Studierendeninitiativen, Lehrende, GewerkschafterInnen und Wissenschaftsorganisationen haben 2011 in Deutschland gemeinsam das Bündnis «Hochschulen für den Frieden» gegründet, das sich für ein völliges Verbot der militärischen Forschung an öffentlichen Unis einsetzt. Zu Beginn wurde die Forderung nur an einigen wenigen Hochschulen diskutiert, heute wird an vielen Hochschulen heftig über militärische Forschung debattiert.

«Zivilklausel»

Die Forderung, die unter dem Namen «Zivilklausel» bekannt wurde, fordert die Hochschulen auf, ihre wissenschaftliche Verantwortung wahr zu nehmen und zu Gunsten einer friedlichen und zivilen Gesellschaftsentwicklung zu forschen. Bereits angeschlossen haben sich die Universitäten in Bremen, Tübingen, Konstanz und Kassel.

Damit in der Schweiz Studierende nicht länger für militärische Forschungsprojekte eingesetzt werden und das Perfektionieren des Kriegshandwerk an Schweizer Unis nicht mehr zum normalen Betrieb gehört, wird sich die GSoA bemühen, auch in der Schweiz eine Diskussion über die Einführung einer Zivilklausel zu lancieren.

 


Punkte fürs Strammstehen

Die Hochschule St.Gallen (HSG) beschloss diesen Sommer den Studierenden bis zu 12 ECTS-Punkte für das Absolvieren einer militärischen Kaderausbildung zu schenken. Das Ziel ist klar: So soll es für junge Männer attraktiver werden, eine militärische Kaderausbildung zu besuchen. Es spricht nicht für die HSG, dass das Strammstehen mit dem Erbringen von universitären Leistungen gleichgesetzt wird.

 

Thema: Krieg und Frieden
Typ: GSoA-Newspaper
Kategorien: Zivilklausel
Ausgabe: 152

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