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KAMPFJET-MILLIARDEN
Die Kosten werden aus dem Ruder laufen
von Adi Feller | 21.11.13.

Kampfjets kosten nicht nur bei ihrer Beschaffung, sondern während ihrer ganzen Lebensspanne von mindestens 35 Jahren. Nachrüstungen, zusätzliche Waffensysteme und Unterhalt kosten nochmals etwa doppelt so viel wie der Kaufpreis. Ist ein Kampfjet noch nicht einmal fertig entwickelt, wie der Gripen E, sind die Kosten sogar noch deutlich höher.

Glaubt man Ueli Maurer, geht es beim Referendum um die Kampfjet-Milliarden «nur» um etwas mehr als drei Milliarden Franken. Dies sind jedoch bloss die reinen Beschaffungskosten. Dazu kommen die Kosten für die laufend verlangten Modernisierungen, die Beschaffung von zusätzlicher Munition, Lenkwaffen und Bomben sowie den Unterhalt. In Tat und Wahrheit ist es also ein Entscheid über die Ausgabe von fast zehn Milliarden Franken, wie bereits bei der Beschaffung des F/A-18 (vgl. Tabelle). Zusätzlich ist anzumerken, dass nach der Beschaffung der Hornet als Ausgleich für die hohen Ausgaben im folgenden Jahr auf ein Rüstungsprogramm verzichtet wurde. Obwohl dies Bundesrat und Parlament anfänglich auch für die Beschaffung des Gripen E versprachen, bewilligte das Parlament nun für 2013 ein Rüstungsprogramm über 740 Millionen Franken.

Neuentwicklung kostet
Einerseits behaupten die Gripen-Verkäufer, dass sie uns ein völlig neues Flugzeug verkaufen wollen. Andererseits soll es bei dieser Neuentwicklung kein Risiko für zusätzliche Kosten geben. Betrachtet man jedoch Neuentwicklungen von Kampfjets weltweit, werden die ursprünglichen Kostenversprechen für Entwicklungskosten sowie Kosten pro Flugzeug beinahe nie eingehalten.

Das amerikanische Vorzeigeprojekt für einen international vermarkteten Kampfjet, die Lockheed-Martin F-35, sollte ursprünglich pro Stück 80 Millionen Dollar kosten. Wegen Entwicklungsproblemen und stark reduzierter Anzahl an bestellten Flugzeugen sind die Kosten unterdessen auf 120 Millionen Dollar pro Flugzeug angestiegen. In einem solchen Bereich liegen die finanziellen Risiken bei einer kompletten Neuentwicklung, doch auch teilweise Neuentwicklungen weisen hohe Entwicklungskosten auf. Ähnlich wie die Schweden mit dem Gripen E gaben die USA eine Neuentwicklung des F/A-18 Hornet in Auftrag. Benannt als F/A-18 E/F «Super Hornet» verlangten sie vom Hersteller eine komplette Neuentwicklung wie beim Gripen E. Diese Weiterentwicklung kostete die USA total 48 Milliarden Dollar (davon 40.2 Milliarden für 500 Flugzeuge sowie deren Bewaffnung). Die reinen Entwicklungskosten betrugen also mindestens 8 Milliarden Dollar.

Grundlegende Fragezeichen
Die Schweiz musste vertraglich zusichern, einen Vorschuss von über einer Milliarde Franken zu bezahlen, sollte das Volk dem Kauf zustimmen. Das ist mit 40 Prozent des Kaufpreises viel mehr als die international üblichen 15 bis 20 Prozent. Zum Vergleich: Beim F/A-18 Kauf war eine Anzahlung von 200 Millionen fällig, also weniger als 5 Prozent. Das war einer der Gründe, wieso die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrats sich ursprünglich gegen den Kauf des Gripen E aussprach. Dank massivem Lobbying ist die Kommission jedoch eingebrochen und hat dem Kauf doch noch zugestimmt.
Der Kauf von 34 F/A-18 kostete 3.5 Milliarden Franken (ohne Teuerung), demgegenüber sollen 22 Gripen 3.126 Milliarden Franken kosten. Gemäss den Evaluationsberichten der armasuisse hat der Gripen schlechtere Leistungen vorzuweisen als die F/A-18, welche die Schweiz bereits besitzt. Warum die Schweiz für ein schlechteres Flugzeug einen höheren Stückpreis zahlen soll, muss Ueli Maurer erst mal noch erklären.

Thema: Kampfflugzeuge
Typ: GSoA-Newspaper
Kategorien: Nein zu Kampfjets
Ausgabe: 156

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