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LEERLAUF
Schweizer Armee vernichtet massenhaft Waffen
von Meret Schneider | 01.04.14.

Die Schweiz gibt ein Vermögen aus für die Vernichtung von Waffen durch eine ausländische Firma. Klingt erstmal gut - nur hat sie diese Waffen zuvor auch für ein Vermögen eingekauft.

Letzten Herbst fand ein Transport zwischen der Schweiz und dem 1200 km entfernten deutschen Dorf Pinnow statt. Unsere Armeelieferte an die Firma Nammo Buck 177'000Granaten vom Kaliber 15.5 cm zur Vernichtung. Ein Bestand von 27'000 Granaten vom Kaliber 12 cm ging zu Nammo nach Løkken Verk in Norwegen.

Tödliche Streumunition

Zur Erinnerung: Streumunition explodiert in der Luft und lässt dabei einen Hagel Mini-Bomben auf das bombardierte Gebiet niederregnen. Eingesetzt wird sie für die flächendeckende Zerstörung, wobei jedoch ca. 30% der Mini-Bomben nicht explodieren und als gefährliche Minen die betroffenen Zonen unzugänglich machen. So hatte beispielsweise die israelische Armee Millionen dieser Mini-Bomben im Krieg gegen die Hisbollah im August 2006 auf den Süd-Libanon abgeworfen. Das Resultat war verheerend: grosse Ackerflächen wurden unbrauchbar und beinahe täglich kam es zu Verstümmelungen von Mensch und Vieh, selbst heute kommt es noch zu Todesfällen. Die Schweizer Armee hatte in den 80er-Jahrenentschieden, sich mit solcher Munition auszurüsten, hergestellt von Israel Military Industries. Eine absurde Entscheidung: Die Verwendung solcher Waffen würde eine langfristige Zer-störung von Schweizer Boden bedeuten. Doch unsere Armeestrategen scheinen sich nicht mit solch profanen Details befasst zu haben.

676 Millionen Franken

1988, 1991, 1993 und 1999 hat das Parlament dem Kauf von 204'000 Granaten zugestimmt -Gesamtkosten 676 Millionen Franken! Natürlich bekam auch die Schweizer Rüstungsindustrie ihr Zückerchen: Die Hülsen wurden in der Schweiz hergestellt und nach Israelgeliefert, von wo dann die fertige Munition zurückgeliefert wurde. Selbstverständlich wurden diese Waffen als unabdingbar für die Verteidigung des Landes bezeichnet. Hohe Offiziere, die Bundesräte Villiger und Ogi sowie die Parlamentskommissionen sprachenklare Worte: Ohne diese Beschaffung wäre die Armee nicht mehr in der Lage, ihren Auftrag zu erfüllen. Doch dann ratifizierte die Schweiz 2012 die Osloer Konvention, die solche Waffen verbietet. Weshalb sie die nie verwendeten Waffen nun vernichten muss.

Ärgernis für SteuerzahlerInnen

Aber warum die Aufgabe an eine ausländische Firma vergeben? Armasuisse hat auf eine An-frage der Zeitung Vigousse geantwortet, dass sie sich für die günstigste Offerte entschieden habe, nannte jedoch keine Zahlen. Gemäss Antwort des Bundesrates kostet die Entsorgung zehn Millionen Franken. So gibt die Schweiz nochmals zehn Millionen Franken aus, um einen nutzlosen Bestand an Waffen zu vernichten, die sie zuvor für 676 Millionen Franken eingekauft hat. Für Armeefreunde ein Ärgernis, für uns eine Genugtuung: Das Beste, was die Schweizer Armee mit Waffen anstellen kann, ist, sie massenhaft zu vernichten!

 

Thema: Armee und Zivildienst
Typ: GSoA-Newspaper
Kategorien: Militärpolitik
Ausgabe: 157

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