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JUBILÄUM
25 Jahre Armeeabschaffungsinitiative
von Nikolai Prawdzic | 04.12.14.

Am 26.November 1989 hatten fast 36% der Stimmberechtigten für die Abschaffung der Armee gestimmt. Ein Grosserfolg für die GSoA-Initiative, der die politische Landschaft in der Schweiz erschütterte.

«Die Schweiz hat keine Armee, die Schweiz ist eine Armee. » So steht es in Stellungnahme des Bundesrates zur Initiative «Für eine Schweiz ohne Armee und für eine umfassende Friedenspolitik», die vor genau 25 Jahren zur Abstimmung kam. Dieser Satz steht für das Modell einer Reduit-Schweiz, welches das Land seit dem Zweiten Weltkrieg fest in Griff hatte. Die Armee galt bis zu jenem denkwürdigen Datum als die unangreifbare Institution des Landes. Der Staat erschien als Gebilde, das sich um seinen Kern, die Armee herum gebildet hatte. Bei dieser Bedeutung der Armee gab es keinen Platz für Infragestellungen, da sie dogmatisch ins Zentrum der Gesellschaft gestellt wurde. Armee und Wirtschaft waren eng verbandelt und Karriere machte, wer es in der Armee zu «etwas» gebracht hatte. Gegen diese verkrustete, hierarchisch und militärisch geprägte Schweiz wurde 1982 die GSoA von emanzipatorischen Gruppierungen, Militärverweigerern und Soldaten ins Leben gerufen. Rückblickend zeigt sich, dass diese neue Bewegung, die 1986 ihre erste Volksinitiative einreichte, es geschafft hatte, den gesellschaftlichen Umbruch zu kanalisieren und eine Zeitenwende einläutete.

Mobilmachung gegen die militärische Schweiz
Im Jahr des Mauerfalls, von Glasnost und Perestroika, kam die Initiative zur Abstimmung. Auf einmal war die breite Öffentlichkeit, die über all die Jahrzehnte die zentrale Rolle Armee in der Schweiz nie in Frage gestellt hatte mit dieser «unerhörten Forderung» konfrontiert. Aus dem Tabu wurde das Top-Thema, das den öffentlichen Diskurs in den Monaten vor dem 26. November prägte und zu einer starken Mobilisierung insbesondere der Jugend führte. Die Armeefrage mobilisierte so stark, weil sie nicht nur eine militärische, sondern eine politische, ideologische, soziologische und psychologische Frage war. Der frische Wind der GSoA wehte durch alle gesellschaftlichen Bereiche hindurch. 50'000-70'000 Personen nahmen an rund 700 Veranstaltungen teil. Hinzu kam das Stop-the- army-Festival auf dem Bundesplatz, das weitere 25'000 BesucherInnen anlockte. Auch viele Intellektuelle wie Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch schalteten sich in die Diskussion ein.

JedeR Dritte stimmt Ja zu einer Schweiz ohne Armee
Nach einem Abstimmungskampf, der bis heute seinesgleichen sucht, stimmten 35.6 Prozent für die Abschaffung der Armee. Zuvor hatten Militärs verlauten lassen, mehr als 10 Prozent Ja- Stimmen wären bereits eine Katastrophe. Die junge Generation nahm die Initiative sogar mehrheitlich an. Über eine Million Stimmberechtigte, sowie die Kantone Genf und Jura stimmten dem friedenspolitischen Anliegen zu. Das Abstimmungsergebnis sorgte weltweit für Schlagzeilen und veränderte das Verhältnis der Schweizer Gesellschaft zur Armee für immer.

Thema: Armee und Zivildienst
Typ: GSoA-Newspaper
Kategorien: Schweiz ohne Armee
Ausgabe: 160

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