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HERMES 900
Uelis nächstes Luxusprojekt
von Meret Schneider | 01.02.15.

Für 250 Millionen Franken will das VBS das Drohnensystem Hermes HFE 900 beschaffen. Dieses Drohnensystem weist komplett andere Leistungsdaten als die heute genutzte Aufklärungsdrohne Ranger 95 auf und ist sicherheitspolitisch kaum zu rechtfertigen. Doch auch die Herkunft der Drohne ist problematisch.

Es grenzt an Lernresistenz, dass sich das VBS bereits ins nächste Rüstungsdebakel stürzen will. Für 250 Millionen Franken soll die Schweiz sechs Drohnen des israelischen Rüstungsherstellers Elbit Systems kaufen. Im Gegensatz zur viel kleineren Drohne Ranger 95, die bisher im Einsatz war, beträgt die Flügelspannweite der Hermes 900 15 Meter und mit ihren 1’180 Kilogramm Startgewicht gehört sie zur MALE-Klasse (Medium Altitude, Long Endurance) – für Aufgaben der «taktischen Aufklärung» ist das weder notwendig noch sinnvoll. Aber, man kennt ihn, Ueli will für die «beste Armee der Welt» auch nur Drohnen erster Güte, und da sie laut Mary Dobing, Autorin einer Studie über israelische Drohnen, zum «teuersten, was momentan auf dem Markt angeboten wird» gehört, wird sie das wohl auch sein.

Die USA und Israel nutzen Drohnen der MALE-Klasse in erster Linie zum Ausspähen wichtiger Ziele, um sie anschliessend zu bombardieren. Dazu ist die Hermes 900 ebenfalls im Stande: So kam sie am 8. Juli 2014 über Gaza-Stadt zum Einsatz, auch gegen die Zivilbevölkerung. Nach dieser Militäroperation stiegen die Aktien von Elbit Systems um über sechs Prozent. Das US-Wirtschaftsmagazin Bloomberg Business kommentierte: «Ein Konflikt im Gazastreifen kann sich für die beteiligten Unternehmen als ein effizientes globales Marketing-Tool für ihre Produkte erweisen.» Da scheint etwas dran zu sein – oder warum sonst will das VBS viel zu teure Drohnen, die zudem für Aufgaben wie Grenzüberwachung oder Beobachtung grosser Veranstaltungen absolut nicht angemessen sind? Gut möglich, dass die lukrativen Gegengeschäfte von rund 40 Schweizer Hightechfirmen (darunter Rheinmetall Air Defense, Ruag, Kudelski und Creative Electronic Systems) mit Elbit Systems über Schönheitsfehler wie Unverhältnismässigkeit oder ethische Verwerflichkeit hinwegtrösten.

Thema: Armee und Zivildienst
Typ: GSoA-Newspaper
Kategorien: Grundrechte
Ausgabe: 161

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