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FINANZPLATZ
Schweizer Banken finanzieren Atomwaffen
von Meret Schneider | 09.06.15.

Immer wieder schlagen Bankenskandale in der Schweiz hohe Wellen. Dass die hiesige Finanzindustrie trotz Verbot in die Atomwaffen- und Streumunitionsproduktion investiert, scheint jedoch niemanden zu stören – zumindest bis jetzt. Ein Blick auf die Firmen, in die Schweizer Banken investieren, lohnt sich und fördert unangenehme Wahrheiten zu Tage.

Die Finanzierung der Herstellung, der Produktion und des Vertriebs international geächteter Waffen, insbesondere von Atomwaffen und Streumunition, ist in der Schweiz verboten. Trotzdem finanzieren die UBS, die Credit Suisse oder Swisscanto Holding (die Kantonalbanken) Rüstungskonzerne, die in die Produktion von Atomwaffen involviert sind. Damit verstossen sie gegen das Schweizer Gesetz – ohne dass jemand davon Kenntnis nimmt.

Nationalbank mischt mit

Auch die Schweizerische Nationalbank kann keineswegs eine weisse Weste vorweisen. In ihrem Geschäftsbericht hat sie zwar angekündigt: «Die Nationalbank beschloss im Jahr 2013, nicht in Aktien von Unternehmen zu investieren, die international geächtete Waffen produzieren.» Dennoch hält sie Aktien von US-Rüstungsfirmen im Wert von über 250 Millionen Schweizer Franken. Sie hat ihre Beteiligung an Honeywell und Lockheed Martin im ersten Halbjahr ausgebaut und finanziert auch Raytheon, Boeing und General Dynamics, die in die Produktion von Streumunition verwickelt sind. Um diese Investitionsvolumen in Relation zu stellen: Zu den amerikanischen Firmen, in welche die SNB am meisten investiert, gehören auch Coca-Cola und McDonald’s, bei denen sie mit 208 und 205 Millionen Franken dabei ist. Das zeigt, dass die Rüstungsbranche ein durchaus relevanter Anlagebereich ist. Aus gutem Grund: Die Aktien von führenden Waffenproduzenten sind aufgrund zunehmender militärischer Konflikte und der geopolitischen Verstrickung stark gestiegen – die SNB profitiert. Angesprochen auf die Aktien, die sie von Lockheed Martin und Boeing hält, argumentiert die Nationalbank: «Könnten wir keine Titel von grossen Flugzeug- und Rüstungsherstellern mehr kaufen, riskierten wir, nicht mehr passiv anlegen zu können, indem wir Indizes abbilden.» Warum sie in ihrem Geschäftsbericht dennoch verkündete, nicht mehr in die Produktion international geächteter Waffen zu investieren, sei dahingestellt. Immerhin von einer umstrittenen Position hat sich die SNB inzwischen getrennt: vom Streumunitionsproduzenten Textron.

Hall of Fame

Lassen wir den Blick über den Finanzplatz Schweiz schweifen, bietet sich ein frustrierendes Bild. Der Report «Don’t Bank on the Bomb» widmet sich den Investitionen von Banken in Atomwaffenproduktion und klassifiziert Banken in die «Hall of Fame», die ein vorbildliches Verhalten zeigen, indem sie atomwaffenproduzierende Titel aus ihren Anlageprodukten ausschliessen, die «Runners Up», die auf gutem Wege sind, und die «Hall of Shame», in der jene Banken zu finden sind, die keine Bemühungen zeigen und weiterhin in umstrittene Konzerne investieren. Von allen untersuchten Banken findet sich keine einzige Schweizer Bank in der «Hall of Fame».

Hall of Shame

Die Mehrheit der Schweizer Finanzinstitute tummelt sich allerdings in der «Hall of Shame». Konzerne in dieser Kategorie haben seit Januar 2011 Atomwaffen und Streumunition produzierenden Konzernen durch Anleihen und Kredite Geld zur Verfügung gestellt und zudem einen relevanten Anteil der Aktien mindestens eines solchen Konzerns gehalten. An der Spitze der «Hall of Shame» steht die UBS, die Atomwaffenproduzenten 3'685 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt hat. Ausserdem finanziert sie drei der acht wichtigsten Produzenten von Streumunition und deren Bestandteilen. Aber auch die Credit Suisse war über Anleihen und Kredite mit 1'422 Millionen US-Dollar im Geschäft mit Atomwaffenproduzenten – was ihr neben ihrem Platz unter den «Runners Up» auch einen in der «Hall of Shame» bescherte. Weiter bemerkenswert ist, dass auch die Kantonalbanken über die Swisscanto Holding an schmutzigen Firmen beteiligt sind. Konkret geht es um Safran, einen Mischkonzern, dessen Tochterfirma Snecma in die Produktion inter- national geächteter Waffen involviert ist. Auf die Anfrage der GSoA bezüglich Investitionen in die Rüstungsindustrie antwortete die ZKB: «Die Zürcher Kantonalbank finanziert und investiert nicht aktiv in Rüstungsunternehmen, welche gemäss internationalen Verträgen verbotene Waffen produzieren.» Laut «Don’t Bank on the Bomb», gehört Safran jedoch zu ebendiesen Unternehmen. Warum eine solche Praxis trotz objektiver Gesetzeswidrigkeit toleriert wird, lesen Sie im Artikel «Schlupflöcher im KMG» unten.

Bessere Banken in anderen Ländern

Wo sind die vorbildlichen Banken zu finden? Jene, die Indizes abbilden können, ohne in Atomwaffenproduzenten zu investieren? Es zeigt sich, dass besonders in den Niederlanden, Schweden und Norwegen viele Finanzinstitute zu den Vorreitern gehören. Womöglich lohnt es sich, die Investitionspraxis und Ethikkodizes dieser Banken sowie die juristische Implementierung des Themas durch diese Nationen heranzuziehen. Vielleicht schafft es dann ja irgendwann zumindest eine Schweizer Bank in die «Hall of Fame».

Thema: Krieg und Frieden
Typ: GSoA-Newspaper
Kategorien: Rüstungsindustrie
Ausgabe: 162

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