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MOWAG
Thugauer Panzer töten weltweit
von Nora Komposch | 09.06.15.

Der Thurgau, eine Region, welche nur wenige mit Waffen und Krieg in Verbindung bringen, exportiert Rüstungsgüter in die ganze Welt. Bei Pinochets Regierungsputsch, beim Militärputsch in Bolivien, im Krieg in Afghanistan sowie beim Einmarsch von saudi-arabischen Truppen in Bahrain: Panzer aus Kreuzlingen dienen in zahlreichen Konflikten als Tötungsmaschinen.

Die Mowag in Kreuzlingen gehört seit 2003 zum US-amerikanischen Rüstungsunternehmen General Dynamics, welches zu den weltweit grössten Rüstungskonzernen zählt. Wichtigstes Exportprodukt sind die Radschützenpanzer des Typs Piranha. Mowag-Panzer gelangten in den vergangenen 40 Jahren vom Thurgau in Konfliktgebiete auf der ganzen Welt und wurden sowohl in Kriegen wie auch für die gewaltsame Unterdrückung von RegierungsgegnerInnen eingesetzt. Insgesamt sind momentan weltweit rund 10’000 Piranhas im Einsatz.

«Erfolgsmodell»

Eine besonders enge Beziehung pflegte die Mowag beispielsweise zum chilenischen Generalissimo Augusto Pinochet. Als Pinochet und seine Anhänger 1973 der demokratischen Regierung Salvador Allendes ein blutiges Ende setzten, beschloss der damalige Bundesrat ein Waffenexportverbot für die chilenische Militärdiktatur. Dieses Verbot war aber schnell umgangen, indem die Mowag die Konstruktionspläne für ihre Piranhas nach Chile übermittelte und ein lokales Rüstungsunternehmen die Radschützenpanzer unter Lizenz vor Ort herstellte. Dieser Lizenzvertrag öffnete der Mowag Tür und Tor für weitere Verträge mit problematischen Kunden in Südamerika, ohne das Schweizer Kriegsmaterialgesetz zu verletzen. So dienten in der Folge Mowag-Panzer aus Chile der Bekämpfung von Protesten auf dem ganzen Kontinent.

Nach dem Lizenzvertrag in Chile weitete die Mowag ihre Lizenzproduktion auf weitere Länder aus, darunter Argentinien, Brasilien, Kanada und Grossbritannien. Ein solcher Lizenzvertrag ermöglichte auch 2011 den Einsatz von Piranhas beim Einmarsch von saudi-arabischen Truppen in Bahrain. Nachdem die Mowag anfänglich Panzer direkt aus der Schweiz exportierte, lagerte sie den Auftrag nach hiesigen Protesten an einen kanadischen Lizenznehmer aus. Sie strich bei diesem Deal dennoch eine beträchtliche Summe an Lizenzgebühren ein.

Piranhas für Einmarsch in den Jemen?

Die letzten Panzerersatzteillieferungen der Schweiz an Saudi-Arabien liegen erst fünf Jahre zurück. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass sich unter den in Saudi-Arabien über 1000 verwendeten Panzern Thurgauer Piranhas befinden. Seit mehreren Wochen geht Saudi-Arabien gegen die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen vor. Bisher hat das Königreich nur aus der Luft angegriffen, doch nach Informationen des Senders al-Arabija stehen die Soldaten und Panzer für eine Attacke auf dem Boden schon bereit. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer militärischen Bodenoffensive auch Panzer aus Kreuzlingen eingesetzt werden würden, ist hoch. In der Geschichte der Mowag wäre ein solch höchst problematischer Einsatz aber leider nichts Neues.


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