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FINANZIERUNG VON KRIEGSMATERIAL
Fragen über Fragen (und Antworten) zu den Kriegsgeschäft-Initiativen
von GSoA | 28.08.16.

Um wie viel Geld geht es?

In der Schweiz wurden per Anfang 2015 Vermögen im Wert von mehr als sechs Billionen Franken (genauer gesagt: 6’656’000’000’000 Franken) verwaltet. Alleine bei den Pensionskassen liegen Altersguthaben von gut 800 Milliarden Franken. Der Anteil der Rüstungsindustrie ist zwar anteilsmässig nicht immens. In absoluten Zahlen investieren Schweizer VermögensverwalterInnen jedoch Milliarden in Firmen, die Nuklearwaffen, Streumunition und anderes Kriegsmaterial herstellen.

Wer investiert wie viel in Rüstungsfirmen?

Schätzungen beziffern die Investitionen von Schweizer Pensionskassen in die Rüstungsindustrie auf rund acht Milliarden, die Grossbanken sollen rund sieben Milliarden investieren. Eine weitere Milliarde hat die Schweizerische Nationalbank in der Waffenindustrie angelegt.

Wie gross ist der Anteil der Kriegsindustrie an meinem Pensionskassenvermögen?

Im Durchschnitt legen Schweizer Pensionskassen rund ein Prozent ihres Vermögens in Aktien und Obligationen von Unternehmen an, die Kriegsmaterial produzieren. Bei einigen Vorsorgeeinrichtungen sind es bis zu zwei Prozent.

Müssen Anleger auf Rendite verzichten, wenn sie auf Kriegsgeschäfte verzichten?

Es gibt zahlreiche Studien über die Rendite von nachhaltigen Anlagen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass nachhaltige Investitionen zu einer schlechteren Rendite führen. Gewisse Studien bescheinigen nachhaltigen Anlagen bei gleicher Rendite jedoch sogar ein besseres Risikoprofil als traditionellen Anlagen.

Ist es überhaupt möglich, sein Vermögen rüstungsfrei anzulegen?

Ja. In der Schweiz werden bereits heute über 70 Milliarden Franken nachhaltig investiert. Der Markt für nachhaltige Investitionen wächst jedes Jahr um mehrere Milliarden Franken, wobei institutionelle Anleger einen immer grösseren Anteil ausmachen. Das wichtigste Ausschlusskriterium bei nachhaltigen Anlagen in der Schweiz ist bereits jetzt die Produktion von Waffen. Es gibt in der Schweiz mehr als hundert Aktien- und Obligationenfonds, die speziell dafür ausgelegt sind, dass sie keine Anteile an Waffenkonzernen enthalten.

Gibt es bereits Pensionskassen, die auf Investitionen in Rüstungsfirmen verzichten?

Es gibt verschiedene Pensionskassen, die entweder nur auf Investitionen in Produzenten von Nuklearwaffen und Streumunition, auf Investitionen in alle Rüstungsfirmen oder auf sämtliche unethischen Anlagen verzichten. Teilweise ist das ein fundamentaler Teil der Unternehmensphilosophie, zum Beispiel bei der Nest Sammelstiftung oder der Stiftung Abendrot. Andere Pensionskassen verzichten auf unethische Anlagen, da sie sich dadurch langfristig eine bessere Rendite erhoffen.

Steigen die Verwaltungsgebühren, wenn man sein Geld rüstungsfrei anlegen will?

KleinanlegerInnen kann es tatsächlich passieren, dass sie höhere Gebühren für die Verwaltung ihres Vermögens bezahlen müssen, wenn sie ihr Geld nachhaltig investieren wollen. Die Banken und VermögensverwalterInnen schlagen bisweilen eine gewisse Lifestyle-Prämie auf solche Produkte. Wenn es um grosse Beträge wie zum Beispiel bei Pensionskassen geht, sind die Unterschiede jedoch entweder minimal oder inexistent.

Müssen Pensionskassen aktiv alle Firmen kennen, in die sie investieren?

Nein, es gibt diverse Anbieter von Indizes und Fonds, welche den Anlegern diese Recherchearbeit abnehmen. Pensionskassen, die bisher passiv in Aktienindizes investiert hatten, könnten dies weiterhin, wenn die Initiativen durchkämen.

Wenn es so einfach und erst noch günstig ist, nachhaltig anzulegen, warum machen das nicht schon alle?

Es lässt sich grundsätzlich nicht vorhersagen, welche Anlagestrategie erfolgreich ist. In einem Jahr rentieren die Aktien von Rüstungsfirmen mehr, in einem anderen Jahr die Aktien von Bauunternehmen und in einem dritten Jahr die Obligationen von Grossbanken. Wenn die Anlageverantwortlichen einer Pensionskasse etwas Neues ausprobieren, riskieren sie, für ihre Entscheide kritisiert zu werden, wenn die Aktienmärkte gerade auf die falsche Seite ausschlagen. Wenn sie jedoch das Vermögen ganz traditionell anlegen, müssen sie keine Kritik fürchten, egal wie die Rendite verläuft – alle anderen sind ja auch mitgehangen. Mit unseren Initiativen wollen wir Anreize setzen, mit gutem Beispiel voranzugehen.

Wie sollen die Pensionskassen herausfinden, in welche Firmen sie nicht investieren sollen?

Bei der Formulierung der Initiativen achten wir darauf, dass die Ausschlusskriterien kompatibel mit internationalen Definitionen und Kontrollregimen sind. Auf diese Weise können die Pensionskassen auf diverse bestehende Negativlisten und Indizes zurückgreifen. Auch die Frage, ob Zulieferfirmen etc. von der Initiative betroffen wären, erübrigt sich damit.