Zeitung 66 vom 01.09.2016:
Die Schweizer Armee in Feindbildnot
EMD-ABTEILUNG «OPERATIVE KONZEPTLOSIGKEIT» PRESENTS:
The Fog (2)
Armee und Zivildienst | von Hans Hartmann | 01.09.1996
Seit bald drei Jahren steht unter der Bezeichnung «Partnership for Peace» (PfP) ein Angebot der Nato an alle OSZE-Staaten im Raum, die sich für eine engere militärische Zusammenarbeit interessieren: Auf der Basis bilateraler Abkommen könnten auch Nichtmitglieder mit der Nato im Ausbildungsbereich, bei grenzüberschreitenden Katastropheneinsätzen, bei der Friedenssicherung mit militärischen Verbänden und vielen anderen schönen Dingen kooperieren. Inzwischen haben alle europäischen Länder von diesem Angebot Gebrauch gemacht – mit Ausnahme Irlands, Tadschikistans, der Konfliktparteien im ehemaligen Jugoslawien und der Schweiz.
Schweizer Armee: Vom Feind verlassen, von Freunden umzingelt
Der Bundesrat darf ...
ARMEE IN FEINDBILDNOT
Neue Formen der Bürgernähe
Armee und Zivildienst | von Pierre André Rosselet | 01.09.1996
Am 7. Juni übten Genfer Territorialfüsiliere in Day (VD) das scharfe Vorgehen der Armee gegen als demonstrierende Arbeitslose auftretende Markeure. Die selbst von EMD-Chef Ogi als «verunglückt» bezeichnete Übung offenbart ein gravierendes Problem der Armee: ihre existentielle Feindildnot; weil kein äusserer Feind mehr auszumachen ist, müssen Ersatzfeinde im Inneren gesucht werden. «Love, Peace, Unity» wurde am vergangenen 10. August an der Street Parade in Zürichvon jung und alt gefeiert. Noch nie tanzten hier so viele Menschen auf den Strassen (350000). Ohne jede Diskriminierung durfte jede und jeder seiner ekstatischen Freude und ihrer weltumspannenden Liebe Ausdruck geben ...
FRIEDENSINITIATIVE DER GSOA GENF EINGEREICHT
«Man kann nie wissen … »
Armee und Zivildienst | von Tobia Schnebli | 01.09.1996
Über 11000 Unterschriften für die kantonale Volksinitiative «Genève République de paix» haben ein gutes Dutzend GSoA-AktivistInnen zusammen mit vielen SympathisantInnen in den vier Monaten zwischen Mai und August gesammelt. Von den unterstützenden Parteien, Gewerkschaften und sonstigen Gruppierungen kamen nur wenige Unterschriften.
Am 1. Mai sammelten wir 300 Unterschriften unter gleichgesinnten Stimmberechtigten, 1500 weitere kamen an unserem Stand im «Village alternatif» im Salon du Livre zusammen: Für die Besucher und Besucherinnen, die das Village besuchten, brauchte es natürlich keine grosse Überzeugungsarbeit mehr. Dennoch war die Sammelkampagne kein Spaziergang. Am Abstimmungswochenende von Anfang Juni ...Kein Spaziergang
ZIVILE RETTUNGSORGANISATION
Sicherheit ja – aber bitte zivil!
Armee und Zivildienst | von Martin Brunner | 01.09.1996
Während im EMD evaluiert wird, mit welchen Knüppeln die sogenannten Sicherheitstruppen für den inneren Einsatz ausgerüstet werden sollen, diskutiert die GSoA, wie im Fall einer Abschaffung der Armee im Krisenfall dennoch Hilfe geleistet werden könnte – zivile Hilfe! Dass diese viel schneller nötig werden könnte als uns lieb ist, zeigt der Chemieunfall von Schweizerhalle, der am 1. November 1986 beinahe zur Katastrophe geführt hätte. Die GSoA nutzt diesen 10. Jahrestag, um an einer öffentlichen Diskussion in Basel den Vorschlag einer zivilen Rettungsorganisation weiter zu entwickeln. Es war vor 10 Jahren schwierig, meinem ...
ENDSPURT MIT SIEBEN-MEILEN-STIEFELN IST ANGESAGT
Aufruf zum Sammeln!
Armee und Zivildienst | von Nico Lutz | 01.09.1996
Am 26. September 1995 sind die friedenspolitischen Initiativen «Sparen beim Militär und der Gesamtverteidigung – für mehr Frieden und zukunftsgerichtete Arbeitsplätze» und «Mehr Rechte für das Volk dank dem Referendum mit Gegenvorschlag (Konstruktives Referendum)» lanciert worden. Initiativen kommen aber nicht von alleine zustande. Es braucht viele engagierte Menschen, die dazu beitragen.
Die GSoA hat im letzen September beschlossen, die Initiativen zu unterstützen, und verschiedene Regionalgruppen haben sich an der Unterschriftensammlung beteiligt. Nach elf Monaten sind nun aber erst je knapp 50000 Unterschriften für die beiden Initiativen beisammen. In den verbleibenden sieben Monaten muss die Unterschriftensammlung ...
SCHALLSCHUTZVERORDNUNG: UNFAIR UND GEHÖRSCHÄDIGEND
Laut, lauter, Armee
Armee und Zivildienst | von GSoA, Seelenlos/ Hirnfick | 01.09.1996
Eine bundesrätliche Verordnung hat auf den 1. April 1996 (!) in der ganzen Schweiz bei Discos, Konzerten usw. Lautstärkelimiten von 93 Dezibel (dB) im Stundenmittel festgelegt. Das Bundesamt für Gesundheitswesen und die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) haben den inneren Feind rasch ausgemacht: Nicht etwa überlaute Kanonen und berechtigter Überdruss sind schuld, wenn Offiziere bei Untergebenen zunehmend auf taube Ohren stossen, sondern gewissenlose DJs, Heavy Metal-Bands und andere vaterlandslose Gesellen. Die machen nämlich die Ohren unserer Jugend kaputt mit teuflischem Lärm und infernalen Technobässen, jawohl. Ausserdem sind sie erst noch beliebter als das Militär.
Der Bundesrat ...
WARUM DER VIERTE PUNKT IN DEN INITIATIVVORSCHLAG GEHÖRT
Machen wir es uns nicht zu einfach!
Armee und Zivildienst | von Marco Tackenberg und Nico Lutz | 01.09.1996
Damit wir uns nicht missverstehen: Wir beklagen keineswegs, dass wir für den Vorschlag innerhalb der GSoA nicht nur Applaus ernten. Wäre dies anders – in einer Organisation, die im Pazifismus und in der Friedensbewegung der 80er Jahre wurzelt – es müsste gar beunruhigen. Aber wir wenden uns entschieden gegen die Stimmen, welche allein schon die Diskussion über friedenssichernde Einsätze von Soldaten im Ausland kategorisch zurückweisen. Beharrliches Nachdenken reicht auch hier gewiss nicht aus, aber ohne geht es noch viel weniger.
Worüber diskutieren wir eigentlich? Der Initiativentwurf sieht vor, dass auch nach einer allfälligen Armeeabschaffung die ...
WAS HABEN 800 SOLDATEN IN EINER ANTIMILITARISTISCHEN INITIATIVE ZU SUCHEN?
Verrat am Geist der GSoA
Armee und Zivildienst | von GSoA, Roderic Mounir | 01.09.1996
Der Vorschlag der Arbeitsgruppe, welche den Initaitivvorschlag Initiative «Sicherheit statt Verteidigung» ausgearbeitet hat, bewaffnete Einheiten zuzulassen, ist in der GSoA umstritten. Vor allem der GSsA Romandie und der GSsE Tessin haben sich gegen den Vorschlag gewendet und an der Vollversammlung vom März 1996 einen entsprechenden Antrag formuliert. Roderic Mounir, GSoA-Aktivist aus Genf, begründet hier die ablehnende Haltung.
Wer glaubte, die Anwesenheit von Blauhelmen würde Aggressoren daran hindern, sich an der Zivilbevölkerung zu vergehen, wurde spätestens mit den Massakern in Srebrenica, der Belagerung von Sarajewo oder den Geiselnahmen der UN-Soldaten in Bosnien auf grausame Weise eines ...
EIN FRIEDENSDIENST MÜSSTE DEN ZIVILDIENST ABLÖSEN
Kein Beigemüse
Armee und Zivildienst | von Ruedi Winet | 01.09.1996
Endlich ist es soweit: Auch in der Schweiz kann anstelle des Militärdienstes Zivildienst geleistet werden. Doch das Zivildienstgesetz widerspricht in manchen Punkten den Vorstellungen pazifistischer Kreise. Welche Vorteile demgegenüber der Vorschlag der GSoA in Aussicht stellt, erläutert Ruedi Winet, Leiter der Beratungsstelle für Militärverweigerung und Zivildienst.
Zivildienst kann bei anerkannten gemeinnützigen Organisationen und in Einsatzbetrieben geleistet werden. In der Regel finden diese Einsätze im Inland statt, ausnahmsweise, bei entsprechender Ausbildung, kann ein Einsatz auch im Ausland zugunsten der Entwicklungszusammenarbeit durchgeführt werden. Für ihren Lohnausfall wird den Zivildienstleistenden eine Entschädigung gem ...
ZIVILER FRIEDENSDIENST – DEUTSCHE VERSION
Weder Sozialarbeit noch Diplomatie
Armee und Zivildienst | von Renate Wanie | 01.09.1996
Kaum war die Interventionsdebatte in der deutschen Friedensbewegung abgeklungen, sorgte ein neues Thema für heftige Kontroversen. Im Dezember 1995 schien die Idee eines Zivilen Friedensdienstes (ZFD) in Deutschland vor der Umsetzung zu stehen. Nach dem Abkommen von Dayton hatte sich bis in die Parteien hinein herumgesprochen, dass zur Absicherung des Friedensprozesses in Ex-Jugoslawien zivile, gewaltfreie Mittel geeignet sein könnten. Angesichts kriegerischer Auseinandersetzungen und massiver Menschenrechtsverletzungen werden in der öffentlichen Debatte zumeist Militärinterventionen als einzige Alternative zum Nichtstun vorgeschlagen. Die vielfältigen Möglichkeiten der nicht-militärischen Krisen- und Kriegsintervention machen hingegen deutlich, dass dies eine Scheinalternative ist ...
ES GIBT SIE SCHON: ZIVILE FRIEDENSINTERVENTIONEN
Präventive Friedensarbeit
Armee und Zivildienst | von Ueli WIldberger | 01.09.1996
Mit Blick auf einen künftigen zivilen Friedensdienst können bestehende Nichtregierungsorganisationen NGOs wie die Peace Brigades International (PBI) oder das Balkan Peace Team International (BPT-I) interessante Erfahrungen beisteuern. Ihre internationalen Friedensinterventionen in Konfliktgebieten erschliessen Neuland. Dabei steht nicht die Linderung der Kriegsfolgen im Vordergrund, sondern die präventive Gewaltverhinderung.
Die Peace Brigades International wurden 1981 in Kanada gegründet, um im Sinne Gandhis gewaltfreie Friedenseinsätze in Konfliktzonen zu realisieren. Heute sind in Guatemala, Kolumbien, Sri Lanka, Nordamerika (Indianische Landkonflikte) und Haiti internationale Teams mit insgesamt etwa 30 Freiwilligen permanent im Einsatz. Seit 1994 ist in Ex-Jugoslawien als gemeinsames ...
REFERAT AM GSOA-SEMINAR IN LE BÉMONT
Erneuerung des militärischen Denkens?
Krieg und Frieden | von Andreas Zumach | 01.09.1996
Die Kontinuität der NATO-Strategien über den immer wieder beschworenen Umbruch von 1989 hinaus wird unterschätzt. Umgekehrt wird – selbst innerhalb der Friedensbewegung – der Bruch im pazifistischen Denken überbetont. Andreas Zumach, in den 80er Jahren Aktivist in der deutschen Friedensbewegung und seit 1988 Korrespondent für verschiedene deutsche und schweizerische Zeitungen bei der UNO in Genf, analysierte in Le Bémont den Erfolg der NATO, der auf Kosten der UNO, der OSZE und ziviler Friedensintervention geht. Für meinen Vortrag wurde mir ein Thema vorgegeben: die Erneuerung des militärischen Denkens. Ich halte diesen Begriff für problematisch, weil ich ...
DAS MODELL DER EUROPÄISCHEN SICHERHEITSGEMEINSCHAFT
Ciao Nato!
Krieg und Frieden | von Hans-Joachim Giessmann | 01.09.1996
Die gegenwärtig in Europa bestehenden Verteidigungsbündnisse bilden kein verlässliches Sicherheitssystem. Das «Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg» hat einen Gegenentwurf erarbeitet, der die bestehenden Mängel beheben will. Hans-Joachim Giessmann, Politologe und Mitautor der Studie, stellte das Modell am GSoA-Seminar in Le Bémont vor.
Wer unmittelbar nach dem Ende des Ost-West-Konflikts erwartet hatte, das Zeitalter bewaffneter Konflikte neige sich in Europa endlich dem Ende zu, sieht sich wenige Jahre später bitter enttäuscht. Anstelle einer höheren Berechenbarkeit der sicherheitspolitischen Stabilität, welche sich auf die in der Pariser Charta ...
EX-JUGOSLAWIEN: WIE AUS MILITARISTISCHER MYTHOLOGIE KRIEG WURDE
Eine Volksarmee gegen ihr Volk
Krieg und Frieden | von Nena Skopljanac | 01.09.1996
Im ehemaligen Jugoslawien hat eine sogenannte Volksarmee ihr eigenes Volk angegriffen. Heute, nach fünf Kriegsjahren und nach dem Dayton-Abkommen, sind drei hochgerüstete Armeen zu Hauptakteuren im immer noch bestehenden Konfliktfeld geworden.
Die Jugoslawische Volksarmee (JNA) trat 1951 die Nachfolge der «Volksbefreiungsarmee» (PLA) an, also der Partisaneneinheiten, die seit 1941 für die Befreiung des Landes von der faschistischen Besatzung kämpften. Die JNA erbte die Aura der Mythen, welche die PLA aus der Zeit dieses Krieges umgab. Sorgfältig ausgewählte Ereignisse aus dem Zweiten Weltkrieg wurden in die kommunistische Ideologie aufgenommen, mythologisiert und zusammen mit emotional aufgeladenen ...
UNTERSTÜTZUNGSARBEIT DER GSOA-ANTIKRIEGSKAMPAGNE
Inseln des Friedens
Krieg und Frieden | von GSoA, Marcel Hänggi | 01.09.1996
Der Krieg in Bosnien und der Herzegowina ist zumindest unterbrochen – soweit mit Krieg nur Kämpfe mit schweren Waffen gemeint sind. Von Friede freilich kann noch nicht oder nur lokal die Rede sein. Die GSoA-Antikriegskampagne unterstützt darum weiterhin friedensfördernde Projekte im ehemaligen Jugoslawien. Marcel Hänggi überbrachte im Frühjahr GSoA-Spendengelder an drei Projekte: Die Zeitung «Novi Prelom» in Banja Luka, das Menschenrechtsbüro in Tuzla und das internationale Projekt für sozialen Wiederaufbau in Gornji Vakuf.
Gornji Vakuf in Zentralbosnien ist laut Statistik die am stärksten zerstörte Gemeinde in Bosnien-Herzegowina: 80 Prozent der Häuser ...
PEACE BOAT
Peacetrip
Krieg und Frieden | von GSoA, Jasna Bastic | 01.09.1996
Auf einer Reise per Schiff rund um die Welt wird auch dieses Jahr ab dem 19. Dezember während dreier Monate ein Friedens-, Erziehungs- und Kulturprogramm geboten.
GLOBALE INITIATIVE FÜR ABRÜSTUNG MIT GLOBALEM SCHULSTREIK
Knock out für den Overkill
Krieg und Frieden | von Matthias Scheller | 01.09.1996
In den Horrorszenarien der Zuvielschützer in den 80er Jahren gab es die Explosion einer Nuklearwaffe über Ins. Kein Mensch vermag zu begreifen, was denn der BöFei gegen dieses Dorf gehabt haben soll, das vor allem durch den Maler Albert Anker bekannt wurde – auf jeden Fall leben wir im Jahr 1996 und von kalten Kriegern spricht nur noch, wer politische Gegner als Ewiggestrige brandmarken will.
Nichtsdestotrotz werden auf der Welt nach wie vor enorme Waffenpotentiale gelagert und entwickelt. Vorbei sind die Zeiten, als Atomkrieg, Overkill und Waldsterben Modewörter waren. Die neuen Schlagworte sind Globalisierung und Informationsgesellschaft. Gar keine ...