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18 FRAGEN - 18 ANTWORTEN
Ziviler Friedensdienst in Deutschland
von GSoA | 01.11.96.

Anfang 1992 regte die Kirchenleitung Berlin-Brandenburg an, einen Zivilen Friedensdienst (ZFD) als Mittel einer neuen Politik friedlicher Streitbeilegung zu schaffen. Im November 1994 bildete sich an einer Tagung der Evangelischen Akademie Mülheim/Ruhr das forumZFD, an dem sich neben kirchlichen Kreisen vor allem auch der Bund für Soziale Verteidigung BSV und andere friedenspolitische Kräfte beteiligen. Die folgenden Passagen entnehmen wir der kleinen Broschüre des forumZFD «18 Fragen - 18 Antworten».

Gemeinwesenarbeit, Diplomatie oder was sonst?

Ein Ziviler Friedensdienst betreibt weder klassische Sozialarbeit noch Diplomatie, auch wenn er aus beiden Bereichen bestimmte Aspekte übernimmt. Er kann als eine dritte Kraft verstanden werden, die versucht, die Kommunikation zwischen zwei Konfliktparteien wieder zu ermöglichen. Allein schon durch ihre Präsenz können MitarbeiterInnen des ZFDs Gewalt verhindern. Kommt es dennoch zu Gewaltanwendungen, kann der ZFD versuchen, gewaltbegrenzend und deeskalierend tätig zu werden, Verhandlungen einzuleiten und Vereinbarungen zu überwachen. Nach dem Ende gewaltsamer Konflikte können MitarbeiterInnen des Zivilen Friedensdienstes versöhnend und vertrauensbildend tätig werden.

Einsätze im Inland

Der Zivile Friedensdienst hat einen pädagogischen und einen praktischen Aspekt. Pädagogisch wird es darum gehen, das Wissen um die Möglichkeiten gewaltfreier Konfliktaustragung zu erarbeiten. «Praktisch» würden die MitarbeiterInnen auf Anfragen tätig. Ein Beispiel mag dies verdeutlichen: In A-Dorf ist es bereits mehrfach zu Handgreiflichkeiten zwischen jugendlichen Asylbewerbern und Neonazis gekommen; es gibt Drohungen aus der rechten Szene, das Flüchtlingsheim abzufackeln. Die lokale Friedensgruppe wendet sich mit der Bitte um Unterstützung an den Zivilen Friedensdienst. Dort wird zunächst recherchiert, in welchen Gemeinden aufgrund welcher «Methoden» ein gutes Verhältnis zwischen Asylbewerbern und der ortsansässigen Bevölkerung besteht. Eine Vertreterin des ZFDs geht in die örtliche Friedensgruppe und sucht mit ihr nach der Möglichkeit der Übertragung positiver Beispiele aus anderen Gemeinden. Möglichst schnell soll ein Kontakt zwischen der «rechten Szene» und der Friedensgruppe hergestellt werden. Wer könnte als Vermittlung angefragt werden? Die Friedensgruppe ist in A-Dorf heimisch und findet bald eine geeignete Person. Da die Friedensgruppe die Gefahr einer gewaltsamen Eskalation nicht ausschliessen kann, werden zusätzliche Massnahmen verabredet: Ein Notruftelefon wird installiert und eine Telefonkette gebildet. Zwei Mitglieder lassen sich für einen befristeten Einsatz freistellen, um abwechselnd ständig bei den Asylbewerbern präsent zu sein. Zusätzlich absolvieren einige Mitglieder der örtlichen Friedensgruppe ein gewaltfreies Training, um notfalls den Neonazis entgegentreten zu können.

Krieg und Bürgerkrieg

Der Zivile Friedensdienst kann keinen Krieg beenden. Aber gerade das Beispiel Ex-Jugoslawien zeigt, wieviele Handlungsmöglichkeiten für engagierte BürgerInnen trotzdem offenstehen. Schon heute arbeiten Dutzende von Freiwilligen in der psychosozialen Betreuung von Flüchtlingen in Lagern, in Wiederaufbauprojekten oder unterstützen örtliche Friedens- und Menschenrechtsinitiativen.


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