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KOLUMNE
Bumm
von Marcel Hänggi | 01.09.98.

's ist wieder Krieg.

Natürlich, Krieg ist immer irgendwo. Z.B. der Bürgerkrieg in Afghanistan, seit Jahren schon, in einem von Waffen starrenden Land (am meisten Waffen erhielten die Kriegsparteien von den USA, aber früher, als sie noch gegen die Kommunisten und die UdSSR, das «Evil Empire» Reagans, kämpften). Oder, ähnlich, der Bürgerkrieg im Sudan. Das Fernsehen hat Bilder von Kindern mit Hungerbäuchen gezeigt (haben Sie's gesehen?).

Aber hier soll von einem anderen Krieg die Rede sein. Auf der einen Seite steht die USA, auf der anderen Seite ‹islamistische› Terroristen, deren Kopf, so scheint es, der in Afghanistan lebende Saudi Osama Bin Laden ist. Beide Seiten sprechen von Krieg.

Am 7. August forderten Bombenattentate auf die US-Botschaften in Nairobi und Dar es Salaam 263 Menschenleben. Bin Laden war laut CIA-Ermittlungen Drahtzieher der Attentate. Am 20. August bombardierten die USA ein ‹Trainingslager für Terroristen› in Afghanistan und eine Chemiefabrik im Sudan, die laut vagen Indizien einen Ausgangsstoff für C-Waffen hergestellt haben soll - als Vergeltung für die Bomben auf die US-Bürger in Afrika. Islamistische Gruppen kündeten danach ihrerseits Vergeltung an. Der Krieg gegen den Terror habe erst begonnen, heisst es auf Seiten der US-Regierung.

Die USA wollten mit ihrem Angriff abschrecken. Kann man «Heilige Krieger» abschrecken? «Wir zeigen mit unseren Schlägen, dass es für Terroristen keinen sicheren Hafen gibt», sagte US-Aussenministerin Albright am 21. August. Der sichere Hafen der Terroristen ist das Himmelreich für Märtyrer, das ihnen religiöse Fanatiker versprechen. «Terroristen müssen wissen, dass Amerika seine Bürger beschützt», sagte Präsident Clinton am selben Tag. Aber vor Terroranschlägen gibt es keinen militärischen Schutz, gegen Fanatismus keine militärische Waffe. Die Logik des militärischen Zweikampfs versagt gegen den Terrorismus, «eine der grössten Gefahren unserer neuen globalen Ära» (Clinton). Statt dessen haben die USA antiamerikanische, antiwestliche Gefühle einmal mehr angeheizt, was wiederum den Terroristen nützt - je mehr zivile Opfer, desto besser. Da hilft es nichts, wenn Clinton sagt, die US-Bomben hätten sich nicht gegen den Islam gerichtet. Und ein Nachdenken über Ursachen des Konfliktes findet nicht statt, solange man ja noch Bomben hat.

Eine der Begründungen für die Bomben auf den Sudan lautete, dass die Terroristen sonst bald über C-Waffen verfügen könnten. 1991 wurde mit ähnlicher Begründung Krieg gegen den Irak geführt (der zuvor ebenfalls von den USA hochgerüstet worden war): damit der Irak keine A-Waffen bauen könne. Unterdessen hat zum Beispiel Pakistan A-Waffen gebaut (und getestet); doch Pakistan ist mit den USA verbündet. Aber Pakistan protegiert die afghanischen Taliban, welche wiederum Osama Bin Laden beschützen...

Die Bombardierung von so wenig definierbaren Zielen wie ‹Infrastrukturen des Terrorismus› ist weder eine wirksame Strategie noch eine glaubwürdige Abwehr künftiger Anschläge. Vor allem nicht, wenn in Zukunft billigere und kleinere Waffen mit Massenvernichtungspotential für Terroristen zugänglich sein werden. Die Botschaft, die den Terroristen mit diesem Vergeltungsschlag übermittelt wurde, lautet: Beschleunigt eure Bemühungen, neue Waffen zu beschaffen, und lagert sie mitten in den Wohngebieten eurer Bevölkerung!

 

Thema: Krieg und Frieden
Typ: GSoA-Newspaper
Kategorien: International
Ausgabe: 77

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