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KOLUMNE
Bananensplitterzone
von Tobia Schnebli, Marcel Hänggi | 01.11.98.

Was kostet gleich viel wie 45 Tomahawk-Raketen (nämlich 50 Mio. US-Dollar)? 6 Millionen Viagra-Pillen. Soviel muss die Virilität seiner armierten Mannen der Grossmacht Nummer eins schon Wert sein. Denn eine impotente Grossmacht, das wäre ein Widerspruch in sich.

Und so budgetiert das Pentagon für 1999 denn, wie Le Temps berichtet, diese 50 Millionen. Macht sechs Pillen pro Soldat und Monat (ob die Soldatinnen bei dieser Rechnung mitberücksichtigt sind, geht aus dem Artikel nicht hervor). Wer öfter will, muss selber blechen.

Nun stellt sich für uns Schweizerbürger und Schweizerbürgerinnen die Frage: Warum hat der Brunner-Bericht für Schweizer Soldaten kein Viagra verlangt? Man wird sagen, der Bericht könne sich nicht um jeden Budgetposten und um jede Waffengattung einzeln kümmern.

Doch wir meinen: Hier geht es um die Potenz schlechthin! Die Bewaffnung von Schweizer Soldaten in Auslandeinsätzen war dem Bericht seine Zeilen wert, aber ist es mit der Würde dieser unserer Soldaten vereinbar, wenn sie sich ihr Viagra von den ausländischen Kameraden borgen müssen? Oder handelt es sich um ein weiteres Überbleibsel unserer Sonderfallmentalität («unsere Mannen sind noch aufrechter als die anderen»)?

Früher, gut, früher wäre das gegangen, da gab es heitere Kompanieabende, um allfällige Schwächen zu überbrücken. Aber heute, wo jeder Kopf eines Kadis, der zwischen den nackten Beinen einer Striptease-Tänzerin fotografiert wird, an den Blick verkauft wird und zu einem Disziplinarverfahren führt...? Früher, da durfte noch die Sau rauslassen, was ein richtiger Soldat war («Wir saufen wie die Sau / Und vögeln jede Frau / Weil wir Füsiliere sind / Das weiss ein jedes Kind / Wir reissen Bäume aus / Wo keine sind!» sangen wir, füher!), aber was bleibt übrig, wenn die Emanzipation schon in die Armee eindringt? Da wollen wir wenigstens Viagra als Ersatz.

Schon erfährt man, nun entwickle Roche ein Potenzmedikament. Dann haben wir inländische Ware für unsere Boys. Wird das Medikament den Ausfuhrbestimmungen für Kriegsmaterial unterstellt werden?

 

 

Thema: Krieg und Frieden
Typ: GSoA-Newspaper
Kategorien: GSoA
Ausgabe: 78

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