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UNO-KONVENTION
Kinderkrieger
von GSoA | 01.03.99.

Kürzlich wurde in der Uno eine Debatte mit dem Ziel eröffnet, der Uno-Konvention für die Rechte des Kindes einen Paragraphen anzuhängen, der das Mindestalter für Rekrutierungen bestimmt. Wegen Protesten von Grossbritannien und den USA wurde die Debatte jedoch vertagt.

von Fran Adams*

Weltweit kämpfen mindestens 300'000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Kriegen mit, in einigen Ländern werden Kinder ab 10 Jahren rekrutiert. Zehn Jahre nach der Uno-Konvention über die Rechte des Kindes wollen nun Organisationen wie Amnesty International und die Quäker ein weltweites Mindestrekrutierungsalter durchsetzen. Der Weltkirchenrat hat seine Mitglieder aufgerufen, auf ihre Regierungen Druck für die Einführung des Mindestalters auszuüben, und im Oktober 98 appellierte die Uno an alle Staaten, die im Peace-Keeping engagiert sind, keine Soldaten unter 18 Jahren in den Dienst zu schicken. Peace-keeping-Soldaten sollten mindestens 21 Jahre alt sein.

Prägsame Erfahrungen

Solche internationale Bemühungen gegen die Rekrutierung von Kindersoldaten laufen jedoch Gefahr, am Widerstand der britischen Armee zu scheitern. Ein Mindestalter von 18 Jahren würde das Rekrutierungsprogramm beeinträchtigen, liessen englische Generäle verlauten: Vierzig Prozent der Rekruten der britischen Armee sind zwischen 16 und 17 Jahre alt. Der Plan der Uno für ein Mindestalter von 18 Jahren könnte die Aushebungsoffiziere in ernste Schwierigkeiten bringen. Von den 210'000 Mann der Armee sind 6600 weniger als 18 Jahre alt. Grossbritannien ist das einzige europäische Land, das 17-Jährige in den Krieg schickt.

Verteidigungsminister Douglas Henderson hat angekündigt, England könne einer Mindestalter-Bestimmung nicht nachkommen. Das Verteidigungsministerium brauche junge Männer, die für das Training und das Ethos der Armee empfänglich seien. Sonst würden sie von anderen Arbeitgebern abgeworben. Auf eine parlamentarische Anfrage erklärte Henderson, es sei möglich, dass britische Schiffe mit Unter-18-Jährigen bereits zu potentiellen Kriegsgebieten unterwegs seien.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, die jungen Soldaten seien Freiwillige und könnten jederzeit während ihrer Grundausbildung den Dienst quittieren.

Vor der eigenen Tür kehren

Obwohl England keine Unter-18-Jährige nach Nordirland schickt, waren sie doch in Bosnien und im Golfkrieg im Dienst. Zwei 17-Jährige zählten dort zu den Todesopfern, einige der Zurückgekehrten leiden am Golfkrieg-Syndrom, einer Vielfalt von physischen und psychischen Symptomen. Ein 16-Jähriger starb kürzlich bei einer Übung der Marines im englischen Dartmoor.

Grossbritannien solle zuerst vor der eigenen Tür kehren, bevor es andere belehrt, fordert Tim Montgomery, Koordinator der englischen Koalition „Stop-the-Use-of-Child-Soldiers“: „Wenn wir unsere Praxis nicht ändern wollen, können wir dies auch nicht von Ländern verlangen, die bereits vom 11. Lebensjahr an rekrutieren. Solange wir englische Kinder in Konflikte schicken, können wir niemandem helfen.“

*Dieser Artikel erschien in "The Independent" vom Montag, 18. Januar 1999.
Übersetzung und Bearbeitung: R. Schoch

 

 

Thema: Krieg und Frieden
Typ: GSoA-Newspaper
Kategorien: Uno
Ausgabe: 79

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