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DIE POLITISCHE SZENE IM KOSOV@ IST GELÄHMT - VERSÖHNUNG MUSS JETZT BEGINNEN
Appell zur Versöhnung
von GSoA | 01.06.99.

Ist ein Zusammenleben von SerbInnen und AlbanerInnen nach allem, was geschehen ist, noch denkbar? Wir veröffentlichen leicht gekürzt einen Appell serbischer Organisationen vom 30. April 1999 an die „albanischen Freunde".


Liebe albanische Freunde, wir schreiben euch in diesen Zeiten gemeinsamen Leids. Züge von AlbanerInnen und anderen BürgerInnen des Kosovo wurden aus ihren Häusern vertrieben. Tote und Vertreibungen, zerstörte und niedergebrannte Häuser, vernichtete Brücken, Strassen und Fabriken scheinen zeigen zu wollen, dass ein gemeinsames Leben nicht länger möglich ist. Aber wir glauben, dass es notwendig und möglich ist.
Eine bessere Zukunft der Menschen im Kosovo, Serbien und Montenegro wird nicht von selbst oder über Nacht kommen. Sondern wir können und müssen daran gemeinsam arbeiten, wie wir dies in der Vergangenheit und bis vor kurzem oft getan haben. Wir wissen, dass es jetzt sehr schwierig und manchmal auch schmerzhaft sein wird. Die Erfahrungen der deutsch-französischen Versöhnung und Zusammenarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg könnten uns als Beispiel und Vorbild dienen.
Diese Tragödie ist das Ergebnis einer langen Reihe falscher Politik der radikalsten Kräfte bei uns und der internationalen Gemeinschaft. Die Fortsetzung dieser Politik wird uns alle, SerbInnen wie AlbanerInnen, in den Abgrund führen. Der Weg kollektiver Schuld ist auch ein Weg der Frustration, der Weiterführung des Hasses und der endlosen Rache. Deshalb müssen wir von diesem Weg abkommen.
Unser erster Schritt, auf Distanz zu diesem Hass und den blutigen Vergeltungsschlägen zu gehen, ist, dass wir öffentlich unser tiefstes Mitgefühl zum Ausdruck bringen und alles, was ihr durchmacht, schärfstens verurteilen.
Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam die Kraft und den Mut finden werden, den Weg zum Frieden, zur Demokratie, zu der Respektierung der Menschenrechte, zur Versöhnung und zum
gegenseitigen Respekt, beschreiten können. Zum Dialog, zu politischen Verhandlungen und zum Friedensprozess gibt es keine Alternative. Es ist der sicherste Weg, um die Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Häuser zu garantieren, normales Leben und Alltagsaktivitäten zu erneuern und um eine Lösung für den Status des Kosovo zu finden.
Um ein Ende des Krieges zu erreichen, müssen wir unsere Bemühungen bündeln, den Friedensprozess wieder beleben und Kosovo, Serbien und Montenegro wirtschaftlich und demokratisch wieder aufbauen. Wir sind überzeugt, dass wir einen Beitrag zu einer gerechten und vernünftigen Lösung für den Status des Kosovo leisten können, wenn wir unsere Kräfte vereinen und damit Vertrauen und Zusammenarbeit zwischen SerbInnen und AlbanerInnen schaffen.


Bürgervereinigung für Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Unterstützung der Gewerkschaften; Gewerkschaft Nezavisnost; Zentrum für Demokratie und freie Wahlen; Zentrum für den Übergang zur Demokratie; Staatsbürgerliche Initiativen; Europäische Bewegung in Serbien; Forum für ethnische Beziehungen; Stiftung für Frieden und Krisenmanagement; Gruppe 484; Helsinki-Komitee für Menschenrechte in Serbien; Serbische Studentenunion; Belgrader Zentrum für Menschenrechte; Bezirk 0230; Union für die Wahrheit über den antifaschistischen Widerstand; Wöchentliche Video-Nachrichten; Frauen in Schwarz; Jugoslawische Rechtsanwälte für Menschenrechte; Urban Inn Novi Pazar; Sombor Friedensgruppe; Friedensgruppe Gesellschaft für Frieden und Toleranz; Alternatives Akademisches Erziehungsnetzwerk.

Thema: Krieg und Frieden
Typ: GSoA-Newspaper
Kategorien: Balkan
Ausgabe: 80

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