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MENSCHENRECHTE IN OSTTIMOR
Vielversprechender Anfang
von Jürgen Störk | 01.11.99.

Peace Brigades International (PBI) hat im August 1999 beschlossen, ein Langzeit-Projekt zur internationalen Schutzbegleitung von bedrohten MenschenrechsverteidigerInnen in Osttimor einzurichten. Jetzt geht es um den Aufbau eines neuen Unterstützungsnetzes


Seit Januar diesen Jahres, als der indonesische Präsident Habibie erstmals ein Referendum über Autonomie oder Unabhängigkeit von Osttimor in Aussicht gestellt hat, nahmen die Spannungen auf der Insel dramatisch zu. Pro-indonesische Milizen, die in den letzten Monaten massiv gestärkt wurden, versuchten, BefürworterInnen einer Unabhängigkeit durch Gewaltakte einzuschüchtern.


Hilferufe
Im Rahmen der sich rapid verschlechternden Menschenrechtssituation reichten im Januar 1999 die bedrohten timoresischen Volksorganisationen "Yayasan HAK" (älteste und wichtigste lokale Menschenrechtsorganisation) und „Fokupers" (Kommunikationsforum der Frauen von Ost-Timor gegen Gewalt an Frauen) dringliche Gesuche um Präsenz eines PBI-Teams ein. Beide Gruppen setzen sich mit gewaltfreien Mitteln für eine Lösung des tiefsitzenden Konfliktes auf Osttimor ein. Wie wiederholte Drohungen und Gewaltübergriffe zeigen, sind deren MitarbeiterInnen aufgrund ihrer engagierten Arbeit für die Menschenrechte ernstlich gefährdet, insbesondere auf Reisen und in ländlichen Zonen. Auch kirchliche Institutionen und studentische Gruppen haben grosses Interesse an einer internationalen Präsenz von PBI in Ost-Timor.
Im April 99 entsandte Peace Brigades International (PBI) ein Erkundungsteam von vier erfahrenen AktivistInnen nach Osttimor. Die detaillierten Abklärungen der Anfragen im aktuellen Kontext der politischen Öffnung ergaben, dass ausländische MenschenrechtsbeobachterInnen eine Scharnierrolle zur Vergrösserung demokratischer Spielräume und zum Schutz der Menschenrechte übernehmen können. Indem PBI-Freiwillige vor Ort bedrohte MenschenrechtsaktivistInnen begleiten, können sie potenzielle Gewalttäter davon abhalten, Menschenrechtsverletzungen zu begehen. Ziel des Einsatzes ist unter anderem, die friedenswilligen Organisationen zu vernetzen; PBI wird auch Seminare zur Menschenrechtsthematik und zur gewaltfreien Konfliktlösung anbieten und ihre als unparteiisch bekannten Berichte für Hilfswerke und DiplomatInnen verfassen.


Vorbereitungen im Gang
Das Team trifft zur Zeit die nötigen Vorbereitungen für die Ankunft des permanenten internationalen Freiwilligenteams. Bereits hat in Darwin ein spezifisches Vorbereitungstraining für Mitglieder des „Advanced Teams" stattgefunden, in den nächsten Wochen stehen die Etablierung offizieller Beziehungen zu Jakarta für die legale Implementierung des PBI-Projektes in Osttimor, sowie Public Relations zu nationalen und internationalen Organisationen im Vordergrund. Das Knüpfen von Kontakten und der Aufbau eines weitläufigen Beziehungsnetzes ist integraler Teil der gewaltfreien Präsenz von PBI. Sobald die Einschränkungen zur Einreise in Osttimor es zulassen, wird das Team in Dili den Aufbau des neuen Projektes vor Ort an die Hand nehmen, die Kontakte mit den lokalen Partnerorganisationen vertiefen und auch hier ein Sicherheitsnetz entwickeln.


(Red.) Wer sich für Hintergrundinformationen zum Osttimor-Konflikt interessiert, dem empfehlen wir das Military Analysis Network der Federation of American Scientists http://www.fas.org/man. Diese Homepage enthält Links zu den offiziellen Seiten der beteiligten Konfliktparteien, internationalen Organisationen und Nichtregierungsorganisationen sowie Hintergrundartikel und Analysen, ausser zu Osttimor auch zu Kosovo, zum Irak, zu den Krisen um Korea, Taiwan und den Spannungen zwischen Indien und Pakistan.

 

Thema: Krieg und Frieden
Typ: GSoA-Newspaper
Kategorien: Menschenrechte
Ausgabe: 83

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