Themen > Armee und Zivildienst

KOMMENTAR
Lieber keine Klischees...
von Stephan Marti, Sibylle Mathis, Bianca Miglioretto, Barbara Müller | 01.06.00.

Vier Männer, je zwei Offiziere und Zivildienstleistende, diskutierten in der GSoA-Zitig Nr. 84 über ihr Gewissen, Frauen am Gewehr und Krieg (Lieber ein Boxkampf). Die Redaktion hat die cfd-Frauenstelle für Friedensarbeit um einen Kommentar gebeten: ein wenig schonungsvoller Beitrag.


Unter uns gefragt: (Re-)produzieren wir nicht ein bekanntes Rollenspiel in der Linken, wenn die GSoA für ihren Gender-Diskurs den Segen einer feministischen Organisation einholt? Trotzdem, gern geschehen! Die Runde mit den Zivildienstleistenden und den Offizieren versprach spannend zu werden. Aber als das Thema <Frauen und Militär> angeschnitten wurde, sank das Diskussionsniveau rasant. Muss es denn immer schief rauskommen, wenn Männer über die sogenannte Wehrtauglichkeit von Frauen diskutieren, egal ob Militärbefürworter oder -gegner? Warum gelang es keinem der diskutierenden Männer, den biologistischen Argumenten <Frau = Mutter = Opfer = friedfertig> etwas entgegenzusetzen?


Leben geben vs. zerstören

Das Ergebnis dieses Gesprächs ist eine Anhäufung von Klischees über die <natürlichen> Unterschiede zwischen Männlein und Weiblein und deren Auswirkungen auf die Armee.
Erfreulich ist, wie selbstverständlich Männer unterdessen Begriffe wie Emanzipation und Gleichberechtigung gebrauchen, obwohl <man den Begriff der Emanzipation nicht überstrapazieren sollte>, gemäss Offizier Christian. Leider haperts noch etwas beim Thema geschlechtertypische Rollenzuschreibungen: Männer seien dazu geboren, Krieg zu führen, seien schmerzunempfindlicher, und Frauen hätten aufgrund ihrer Fähigkeit, Leben zu geben, eine andere Beziehung zum Leben, d.h. es sei pervers für sie, die doch Leben geben, Leben zerstören zu müssen.
Die zwei Zivildienstler sind da schon differenzierter, verfallen jedoch fast in eine <positive Diskriminierung>: Die Frau sei weniger steuerbar und lasse weniger mit sich machen als Männer. Ist zwar gut gemeint, entspricht aber - ehrlich gesagt - wohl auch nicht ganz der Wahrheit.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die männliche Selbsteinschätzung: Männer sind Schweine. Sonst müsste ja wohl nicht das Niveau des Benehmens in der Armee durch Frauen angehoben werden. Und schon fast rührend mutet das Bekenntnis eines Offiziers an, Frauen in den sicheren Tod zu schicken ginge ihm gegen die Natur. Männer in den Tod zu schicken könne er sich hingegen eher vorstellen - weil sie von Natur aus eine andere (keine?) Beziehung zum Leben hätten? Dieser Logik entsprechend prognostizieren wir einen neuen Verweigerer-Typus: Nachdem die Armee XXI Frauen auch in Kampftruppen zulassen will, wird dieser Offizier dann den Dienst nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren können und folglich verweigern müssen.


Die humanitäre Soldatin
Nun ja, dass heute der Einbezug der Frauen in Kampfverbände der Armee unter dem Stichwort <Gleichberechtigung> läuft, macht die Diskussion auch nicht einfacher, handelt es sich doch nicht um eine tatsächliche Gleichberechtigung: Hier wird bloss auf <weibliche Fähigkeiten> zurückgegriffen, um den Frauen die Armee schmackhafter zu machen. Ihnen soll beim Begriff <humanitäre Militäreinsätze> das Herz höher schlagen, denn <humanitär> ist ja eine dieser Eigenschaften, die mann Frauen zuordnet. Wo es heute um <die Wahrung der Menschenrechte> und <die Betreuung der Zivilgesellschaft> geht, sind Frauen bestens zu gebrauchen und deshalb herzlich willkommen. So kommt auch Susanne Kappeler in ihrem in der selben GSoA-Zitig erschienen Artikel <Divided we stand, together we fall> - übrigens eine sehr pointierte Antwort auf die obengenannte Männerrunde - zum Schluss, dass der Integration von Frauen in die Armee keineswegs der Gedanke der Gleichberechtigung zugrunde liege. Vielmehr werde Frauen in der Armee die Rolle zugewiesen, für die nur wenige Männer geeignet sind: die der Sozialarbeiterin.


Mannsein tut nicht weh
Über die Frage, wer wann zum Mann wird, sind sich die diskutierenden Offiziere uneinig. Einer definiert das Mannsein über physiologische Stärke und Schmerzunempfindlichkeit. Die Militärzeit habe seine Mannwerdung beschleunigt. Für den andern Offizier wird der Mann zum Mann, wenn er seine Wäsche nicht mehr heimbringt. Wie wärs, wenn ihr euch endlich vom Mannsein verabschieden und euch zum sensiblen, fürsorglichen, friedfertigen Menschen bekennen würdet? Die Welt wäre auf dem Weg zu einer gewaltfreien Gesellschaft wieder einen Schritt weitergekommen.

Thema: Armee und Zivildienst
Typ: GSoA-Newspaper
Kategorien: GSoA
Ausgabe: 86

Share:


ARMEEPROBLEME?
NEWSLETTER
 
SUCHE