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ZIVILER FRIEDENSDIENST INTERNATIONAL
Ziviler Friedensdienst in Kolumbien
von Jean-Marie Pellaux, Josef Wey | 01.09.01.

Seit Ende 1994 ist Peace Brigades International (PBI) auf Anfrage von bedrängten Menschenrechtsorganisationen in Kolumbien aktiv. Die internationale Präsenz sichert Weiterarbeit von Basisorganisationen und schafft Räume für Friedensbemühungen

Rund 38 Vollzeitfreiwillige von Peace Brigades International (PBI)1 arbeiten in Kolumbien. Sie sind vorwiegend in der Schutzbegleitung tätig. Vier international zusammengesetzte Einsatzteams mit Sitz in Bogotà, Medellin, Barrancabermeja und Turbo begleiten MenschenrechtsverteidigerInnen, Basisorganisationen und Friedensgemeinden. Die internationale Präsenz ermöglicht diesen, ihre Arbeit trotz Drohungen und Einschüchterungen fortzusetzen.

Internationale Präsenz schützt
Zu den bisher acht Schweizer PBI-Freiwilligen in Kolumbien, drei Frauen und fünf Männern, gehört der Basler Hans Sommer.2 Am 5. März 2001 erlebte er einen Überfall von Paramilitärs auf die Friedensgemeinde von San José de Apartado: «Während Scott das PBI-Büro in Turbo alarmierte, schrie ich an der Seite eines der Uniformierten, dass wir von PBI sind und dass sie hier einen Angriff auf die Zivilbevölkerung ausführten. Ich fragte mehrere Male nach dem Einsatzleiter. Inzwischen hatten andere Maskierte einige Häuser in Brand gesteckt und erklärt, dass sie hier keine Menschen mehr sehen wollten, sondern nur noch Asche und Blut. Ich verfolgte das Ganze vom Balkon her, von wo aus ich ständig wiederholte, wer wir sind und dass es sich hier um eine Intervention gegen die Zivilbevölkerung handle. Nach einigen Minuten verliess das Überfallkommando das Dorf wieder.» Ziemlich genau ein Jahr zuvor waren bereits einmal Paramilitärs in das Dorf eingedrungen und ermordeten damals gezielt fünf Personen. Seither wird die Friedensgemeinde ständig von PBI begleitet. Nach dem neuerlichen Überfall gaben sich die BewohnerInnen überzeugt, dass es nur der Präsenz und dem mutigen Eingreifen des PBI-Teams zu verdanken ist, dass nichts Schlimmeres passiert sei.
Gegründet wurden die Friedensgemeinden von ehemaligen Vertriebenen, die mit der Regierung ein Rückkehrabkommen aushandelten. Sie gelten als «Laboratorien des Friedens» inmitten von umkämpften Gebieten. Sie haben öffentlich deklariert, dass sie keine bewaffneten Gruppen unterstützen, weder aktiv noch passiv, und sie verlangen von allen Akteuren, dass sie die Wohngebiete nicht bewaffnet betreten. Selber will die Gemeinde keine Ungerechtigkeiten dulden und sich aktiv für Wahrheit, Frieden, Freiheit und Geschwisterlichkeit einsetzen. Ob diese Hoffnungszeichen weiter bestehen und auf andere Regionen ausstrahlen können, hängt nach Einschätzung vieler von der internationalen Präsenz vor Ort und der dahinter stehenden Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit ab.

Frauenorganisation als Zielscheibe
Eine andere Konfliktregion Kolumbiens ist das Magdaleno Medio mit dem Erdölzentrum und Flusshafen Barrancabermeja. Während umliegende ländliche Gebiete von Guerillas beherrscht werden, versuchen seit Dezember letzten Jahres die Paramilitärs die Kontrolle über die Stadt zu gewinnen. Zu ihrer Strategie gehört die Zerstörung der Basisorganisationen, wie zum Beispiel die Frauenorganisation OFP. Mitglieder der OFP werden ebenfalls von PBI permanent begleitet. Im Februar überfielen Paramilitärs eines der Frauenhäuser in Anwesenheit von zwei PBI-Freiwilligen, nahmen diesen Telefone und Pässe ab und erklärten, PBI sei von nun an ein militärisches Ziel. Der daraufhin ausgelöste internationale Alarm zeigte Wirkung. Auch die Botschaften der EU-Länder, Kanadas und der USA intervenierten. Wenige Tage später lieferte ein unbekannter Mann beim Frauenhaus ein Paket ab - mit allen beschlagnahmten Utensilien. Die Organisation der Paramilitärs beeilte sich, sich öffentlich vom Überfall zu distanzieren. Allerdings nicht ohne die Bemerkung anzubringen, es handle sich womöglich um eine selbstinszenierte Aktion der OFP, um die Augen der Weltöffentlichkeit auf sich zu ziehen. Die OFP und andere Basisorganisation stehen seither nach wie vor unter Druck, aber dank der internationalen Begleitung können sie ihre Arbeit weiterführen.

1 PBI ist eine Nichtregierungsoganisation im Bereich Frieden und Menschenrechte, die sich vorwiegend auf Freiwillige stützt. Zur Zeit leisten rund 60 Personen in Kolumbien, Mexiko, Indonesien und Osttimor einen mindestens einjährigen Einsatz, der beispielsweise von Deutschland als freiwilliger ziviler Friedensdienst anerkannt wird.
2 Der Schweizer Freiwillige Hans Sommer wird nach seiner Rückkehr ab November für Treffen, Informationsabende, Interviews usw. zur Verfügung stehen.

Kontakt und Infos: Peace Brigades International, PBI Schweiz, Quellenstr. 31, 8005 Zürich, Tel. 01 242 27 76, pbizurich@dataway.ch, www.peacebrigades.org

 

 


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