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NAHER OSTEN
Gewalt im Palästina
von GSoA | 15.06.03.

Der folgende Text stammt von Sergio Yahni, der das Alternative Information Center in Israel betreibt. Der Israeli Yahni war auch schon in der Schweiz, um über die Situation der PalästinenserInnen zu sprechen.

Ich beschuldige Ariel Sharon und Shaul Mofaz, Premierminister von Israel und sein Verteidigungsminister, für ihre engen politischen Interessen die Ermordung Dutzender Israeli zu provozieren.

Ich beschuldige Ariel Sharon und Shaul Mofaz, kontinuierlich die militärische Eskalation zu provozieren, um den Siedlungsbau voranzutreiben.

Als Premierminister Ariel Sharon und Verteidigungsminister Shaul Mofaz den missglückten Mordversuch am Hamasführer Abdel Aziz Rantizi zugaben, wussten sie, dass sie damit die Verhandlungen zwischen der palästinensischen Opposition und der palästinensischen Regierung für einen generellen Waffenstillstand zum erliegen bringen. Sharon und Mofaz wussten auch, dass der Mordversuch den Friedensplan (Road Map) stoppen wird. Weiter wissen sie, dass ein Gegenschlag der Hamas nur eine Frage der Zeit ist. Deshalb tragen sie die Verantwortung für Vergeltungsschläge, die sicher folgen werden.

Der Mordversuch wurde verübt, zwei Tage nach einer Likud-Sitzung, an der Sharon und Mofaz feststellten, dass sie keine Mehrheit in der Partei und im Parlament haben, um die Road Map umzusetzen. Beide erkannten, dass deren Umsetzung das Ende ihrer politischen Karriere wäre.

Aber Sharon und Mofaz wissen ebenso, dass die Umsetzung der Road Map für die US-Administration ein Teil der strategischen Umgestaltung des Mittleren Osten ist. Sie wissen, dass eine Nicht-Umsetzung der Road Map ein Konflikt mit den USA bedeuten würde und ebenfalls ihre politische Karriere beenden könnte.

Nur ein grösserer Angriff auf die israelische Zivilbevölkerung und die darauf folgende Eskalation kann die politische Karriere der Likudführer retten. Als sie der Ermordung Rantizis zustimmten, wussten beide dass dieser Angriff legitimität für eine militärische Eskalation in den besetzten palästinensischen Gebieten geben würde und die Umsetzung der Road Map stoppen würde, wobei öffentlich der "palästinensische Terrorismus" für die kommende Welle der Gewalt verantwortlich gemacht werden kann.

Sharons und Mofazs Provokation kommt nicht überraschend. Ariel Sharon hat seine politische Karriere auf den Leichen von Palästinensern und Israelis gebaut. Sharon's persönliche Siedlung (die aus genau einem Haus bestand) im alten Teil von Jerusalem formte die Gründe für den Ausbruch der 1. Intifada, und es war Sharons provokativer Besuch auf dem Tempelberg Haram Al-Sharif, welcher die 2. Intifada entzündete. Shaul Mofaz ist gegen jegliche politische Übereinkunft mit den Palästinensern. Als Vertreter der israelischen Armee stellt er den permanenten Kriegszustand als positive Realität dar.

Das kriminelle Verhalten der israelischen Regierung ist gefährlich für Palästinenser und Israelis. Nur direkte und indirekte internationale Intervention kann die fortwährende Gewalt stoppen, welche tausende von Leben gekostet hat und weiter kosten wird. Ein nicht intervenieren der internationalen Gemeinschaft macht sie zum Komplizen der Verbrechen der israelischen Regierung gegen Zivilisten.

Ich beschuldige Sharon und Mofaz, schuldig zu sein am Tod von hunderten Palästinensern und Israelis, wegen ihrer Provokationen.

Sergio Yahni
The Alternative Information Center

Quelle: 11. Juni 2003 erschienen auf www.alternativenews.org unter dem Titel "I Accuse"
Übersetzt aus dem Englischen von David Buchmann.

Thema: Krieg und Frieden
Typ: Blog
Kategorien: Naher Osten

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