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3. Ostermarsch 28. März 2005

Am diesjährigen Ostermontag nahmen über 200 Personen am Berner Ostermarsch teil. Er stand unter dem Slogan «Stoppt Gewalt gegen Frauen». Wie schon in den vergangenen zwei Jahren startete der Marsch auf dem Eichholz, wo Rahel Ruch von der GSoA die Anwesenden begrüsste. Die Künstlerin Barbara Robra gestaltete zusammen mit den TeilnehmerInnen eine Friedenstaube, auf der Osterwünsche angebracht werden konnten.

Nach dem Marsch der Aare entlang wurde die Veranstaltung mit drei Redebeiträgen abgeschlossen, welche einen jeweils anderen Fokus auf das Thema 'Stoppt Gewalt gegen Frauen' legten. Stephanie Hartung sprach über häusliche Gewalt und ihre Arbeit als Leiterin der Frauenhäuser Bern und Thun, während Doro Winkler vom Fraueninformationszentrum über Frauenhandel berichtete und die Politik zum Handeln aufforderte. Zum Schluss sprach mit Cornelia Schmalz eine Vertreterin von Amnesty International, welche die Anwesenden auf die Kampagne «stop violence against women» aufmerksam machte.

Musikalisch eingerahmt wurden die Reden vor dem Berner Münster von Astrophon (grooves, loops, drums).

Der Berner Ostermarsch fand zum dritten Mal in dieser Form statt und wird von den Kirchen, Frauengruppen, MenschenrechtsaktivistInnen und AntimilitaristInnen mitgetragen. Den OrganisatorInnen geht es darum, unabhängig von politischer Konjunktur ein permanentes Zeichen gegen den permanenten Krieg zu setzten. In diesem Jahr ging es darum, deutlich zu machen, dass Frauen weltweit von Krieg und Gewalt in einem überdurchschnittlichen Ausmass betroffen sind. Es konnte auch eine Brücke geschlagen werden, zwischen internationalen Konflikten und Gewalt gegen Frauen vor unserer Haustür.

 

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Rahel Ruch

Es ist schön euch alle hier begrüssen zu dürfen.

Das ist der dritte Ostermarsch der hier in Bern stattfindet. 2003 haben wir im Kontext der Proteste gegen den Irak-Krieg diesen Brauch wieder aufgenommen. Letztes Jahr weiteten wir das Thema auf «Gewalt überwinden» aus. Heute möchten wir Gewalt, Krieg und Konflikt und ihre Gegenstücke, nämlich Frieden, Friedliches Zusammenleben von einer spezifischeren Seite anschauen. «Stoppt Gewalt gegen Frauen» heisst das Thema des heutigen Marschs.

Ein Thema, das leider nichts von seiner Aktualität verloren hat, im Gegenteil, immer wieder aufgegriffen werden muss, um Diskriminierungen unübersehbar aufzuzeigen. Gewalt gegen Frauen existiert in vielen verschiedenen Facetten. In der Schweiz sterben jährlich 40 Frauen an den Folgen Häuslicher Gewalt. Erst jetzt wird diese Art von Gewalt als gesellschaftliches Problem anerkannt und nicht als Privatsache abgetan. Erst seit letztem Jahr wird Häusliche Gewalt als Offizialdelikt verfolgt und die Öffentlichkeit sensibilisiert. Noch immer wird sie aber verharmlost und noch viel zu selten im Zusammenhang mit fehlender Gleichberechtigung gesehen.

Strukturelle Gewalt gegen Frauen kennen wir alle, auch in der Schweiz. Frauen verdienen in der Privatwirtschaft noch immer 21% weniger als Männer. In Kaderstufen sind Frauen noch immer eine krasse Minderheit. In politischen Gremien sind Frauen untervertreten. Frauen und Männerberufe sind Realität. Frauen werden in der Werbung oft herabgewürdigt und als Objekt dargestellt.

Ein besonders entsetzlicher Ausdruck des Patriarchalen Systems ist der Frauenhandel. Jungen Frauen aus Osteuropa wird Arbeit versprochen, ein schönes Leben vorgegaukelt, doch schliesslich landen sie in einem Bordell irgendwo in Westeuropa oder in Kriegsgebieten. Erschreckend ist, dass der Frauenhandel vor allem in Gebieten, in denen ausländische Militärs stationiert sind, floriert. Und dass Frauen schon prophylaktisch wie Ware in Gebiete geschafft werden, wo internationale Truppen zu erwarten sind.

Das sind erschreckende Facts, die eine Rat- und Machtlosigkeit hinterlassen. Was tun? Können wir überhaupt etwas tun? Ich glaube fest daran, dass wir etwas tun können. Gerade in den Geschlechterfragen ist es so wichtig, dass sich das Bewusstsein der Menschen ändert. Gerade bei Häuslicher Gewalt müssen wir hinschauen. Gerade Frauenhandel müssen wir aufdecken. Hätten nicht mehrere Generationen von Frauen für Gleichberechtigung gekämpft, hätten wir heute keine Mutterschaftsversicherung.
Vielleicht ist dieser Ostermarsch nur ein Tropfen auf den heissen Stein, doch was zählt, ist dass er ein Tropfen IST. Ich glaube fest daran, dass es möglich ist, gemeinsam etwas zu verändern. Kämpfen wir weiter für eine andere Welt!

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Stephanie Hartung, Berner Frauenhaus

Eine gewaltbetroffene Frau sagte mir kürzlich, sie wolle mit 40 sterben, sie ist jetzt 26 und ich 40. Ich sagte, dann müsste ich ja jetzt grad sterben. Ich fragte sie, warum sie das sagt, sie meinte, wenn ich von dort kommen würde, wo sie herkomme, wollte ich auch nicht älter als 40 werden.

Seit 11/2 Jahren arbeite ich nun im Berner Frauenhaus, seit 11/2 Jahren beschäftige ich mich somit mit dem Thema Häusliche Gewalt; Tag täglich bin ich am vertiefen, mein Wissen am erweitern. Klar ist, wie brisant, aktuell das Thema Häusliche Gewalt ist - Häusliche Gewalt ist alltäglich und Häusliche Gewalt ist nicht mehr nur ein Tabuthema. Auch der breiteren Öffentlichkeit sind Sätze wie: Häusliche Gewalt ist keine Privatsache mehr, muss daher öffentlich werden, bekannt. Es ist bekannt, dass Vergewaltigung, wiederholte Tätlichkeiten, Drohungen und Nötigung begangen in Ehe und Partnerschaft homo- oder heterosexuell, seit dem April 2004 sind dies so genannte Offizialdelikte und nicht mehr nur Antragsdelikte. Das bedeutet konkret, wenn die Polizei an einen Tatort gerufen wird und eine Gewalttat vorliegt, muss die Polizei von Amtes wegen ermitteln. Die gewaltbetroffene Person, in unserem Fall Frauen, muss keine Strafanzeige mehr machen, damit die Polizei tätig wird. Die Devise heute lautet, ermitteln, nicht vermitteln! Die Täterschaft wird somit für ihr Handeln zur Verantwortung gezogen. Den Opfern rate ich, sich unbedingt mit den Opferhilfe-Beratungsstellen oder einem Frauenhaus in Verbindung zu setzen, denn den Durchblick mit all den Gesetzen und Fristwahrungen zu behalten, ist für eine Einzelperson fast nicht möglich. Die praktische Umsetzung des Gesetzes braucht allerdings noch Zeit bis alle involvierten Institutionen mit dem Gesetz vertraut sind und wir in unserer Beratungstätigkeit, respektive die betroffenen Frauen die Veränderung spüren.

Ab Juni 2005 tritt dann schon das nächste Gesetz im Kanton Bern in Kraft, das Gewaltschutzgesetz mit der Möglichkeit der so genannten Wegweisung der Täterschaft aus dem gemeinsamen Haushalt oder der näheren Umgebung. Konkret heisst das, wenn die Gefahr, die von der Täterschaft ausgeht, so gross ist, dass die Sicherheit des/der Opfer nicht mehr gewährleistet ist, kann mittels richterliche Verfügung eine zweiwöchige Wegweisung aus der Wohnung oder des näheren Umfeldes verhängt werden.
Auch die Wegweisung ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch auch bei der Wegweisung gilt es in der nächsten Zeit aufmerksam zu verfolgen, wie sie sich auswirken wird. Die Wegweisung ersetzt die Frauenhäuser nicht, sie ist bloss eine Möglichkeit. Beratung, Schutz und Unterkunft werden auch in Zukunft nötig sein, das haben auch erste Evaluationen aus St. Gallen gezeigt, die nun schon länger Erfahrungen mit der Wegweisung haben. Im 2003 wurden 129 Personen im Kt. St. Gallen weg gewiesen.

Wie Sie vielleicht wissen, sind alle drei kantonalen Frauenhäuser Bern, Thun und Biel anerkannte Opferhilfestellen. Wir erhalten Staatsbeiträge und haben seit dem 1.1.05 Leistungsvereinbarungen und richten uns in der Hauptsache nach dem Opferhilfegesetz, welches seit 1993 gilt. Zurzeit wird das Opferhilfegesetz total revidiert, voraussichtlich tritt das neue 2007 in Kraft. Die wichtigsten Veränderungen betreffen v.a. Fristeneinhaltungen und Maximalbeträge bei der Genugtuung.
Für unsere Arbeit im Frauenhaus erwarten wir keine grossen Veränderungen.

Zahlen

In der CH und Liechtenstein gibt es 16 Frauenhäuser, total mit 217 Betten, für Frauen und Kinder. Unsere Belegungszahlen sind jeweils von grossem Interesse, sagen jedoch erst richtig was aus, wenn die ganze Dynamik, die zum Frauenhausalltag gehört, ausführlich erklärt werden kann. Daher verzichte ich hier auf detaillierte Zahlen.
Eine weitere Zahl, die uns beschäftigt, ist die der Frauen und Kinder, die wir meist wegen vollen Häusern, abweisen müssen. Im 2003 waren das in der Schweiz 1322 Frauen, die nicht aufgenommen werden konnten. Im Berner Haus allein stieg die Abweisungskurve von 77 Frauen im 2003 auf 143 im Jahr 2004. Ich führe die in dem Sinn hohe Nachfrage auf einen Frauenhausplatz auf verschiedene Faktoren zurück:
die Frauen sind je länger je besser informiert, suchen Hilfe, warten i.d.R. nicht mehr so lange, bis sie sich Hilfe holen, Institutionen, Betriebe, Schulen etc. wenden sich an uns und informieren sich, wenn sie mit Fällen von Häuslicher Gewalt konfrontiert werden, es wird nicht mehr einfach weggeschaut. Die Gewalt in Ehe und Partnerschaft ist nicht mehr Privatsache, sondern ein gesellschaftliches Problem! Das ist gut und zeigt mir, dass auf allen Ebenen gut gearbeitet wird.

Das Berner Frauenhaus wird heuer 25 Jahre alt. Wir wissen, das ist ein Jubiläum der speziellen Art, sagen wir mal, es regt zum Nachdenken an.
Nun, ich habe mal hochgerechnet, wie viele Frauen und Kinder in den letzten 25 Jahren Schutz allein nur im BFH gefunden haben, das waren 1600 Frauen und 1330 Kinder, die durch ihren Partner resp Vater Gewalt erlebt haben.
Das Angebot der Frauenhäuser ist, Schutz, Unterkunft und Krisentintervention Beratung sicherzustellen, Beratung in juristischen, medizinischen, psychologischen, sozialen Belangen. Dies für Frauen aus jeder Schicht, x-verschiedenen Ländern mit x-verschiedenen Nationalitäten. Für uns sind es alles Frauen mit Lebensgeschichten und Träumen und Wünschen, mit Rechten. (Wir schätzen die Frage, ob wir v.a. Ausländerinnen oder mehr Schweizerinnen haben, nicht besonders. Es sind Frauen, Gewalt richtet sich nach wie vor v.a. an Frauen und Kinder.) Das interessiert uns, für das setzen wir uns ein. Unser Aufgabengebiet ist enorm breit, spannend und unsere Arbeit ist sinnvoll. Wir können Frauen unterstützen, einen anderen Weg zu gehen, etwas anderes auszuprobieren, Perspektiven aufzuzeigen, Kontakte zu vermitteln; Wir arbeiten mit den Ressourcen der Frauen, es geht uns darum, die Frauen zu stärken und parteilich mit ihnen zu arbeiten.Uns ist auch wichtig, etwas zum Selbstvertrauen der Frauen beizutragen, sie verlassen das Frauenhaus immer mit einem neuen Selbstbewusstsein!

Wir wissen, Gewalt ist alltäglich, ist brisant, ist schrecklich und zerstörerisch, bringt Leid, an der Gewalt wird sich täglich ergötzt, darüber mehr oder weniger seriös berichtet, Gewalt hat was Anziehendes und Abstossendes zugleich und scheint eine gewisse Faszination auszuüben. Es ist enorm wichtig, sich mit dem Thema fundiert auseinanderzusetzen. Präventionsarbeit an Schulen zu leisten, öffentlich aufzutreten, gesamtschweizerisch aufzutreten, wie letztes Jahr mit den Kampagnen gegen Häusliche Gewalt lanciert von der Dachorganisation der Frauenhäuser, in Zusammenarbeit mit dem Body shop und AI. Unermüdlich aufzuzeigen, was Gewalt heisst, was sie anrichtet, was es aber auch für Möglichkeiten gibt, denn ich bin überzeugt, dass Gewaltverzicht lernbar ist und Gewaltverzicht stark macht.

Letzthin betrat ich schwer beladen das FH. Ein 9jähriger Junge, der zurzeit im Frauenhaus wohnt, begrüsste mich sehr freundlich und beobachtete mich. Ich holte mir einen Kaffee und mein Notebook. Er sah, dass ich unmöglich alles tragen konnte. Er bot mir umgehend seine Hilfe an und nahm das Notebook. Er fragte mich, ob er es auch installieren dürfe. Er strahlte mich an, als ich bejahte. Danach wünschte er mir einen schönen Tag und ging wieder. Dieses Erlebnis berührte mich sehr. Ich dachte, darum geht es, um Aufmerksamkeit, um Freundlichkeit und das Wahrnehmen der Menschen um uns herum.

Ich setze mich täglich ein, weil ich absolut überzeugt bin, wertvolle und sinnvolle Arbeit zu leisten und ich bedanke mich für Auftritte wie diesen, an dem ich über unsere Arbeit berichten kann. Merci.

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Doro Winkler, FIZ

FIZ: Fraueninformationszentrum für Frauen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa
Fachstelle zu Frauenhandel und Frauenmigration, Beratungsstelle für Frauen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa

 Frauenhandel findet statt. Hier und heute. In Bern und Bülach, in Zäziwil und Zürich, in Solothurn und Samnaun. Geschätzt werden zwischen 1500 und 3000 Opfer jährlich. Von diesen haben im letzten Jahr wiederum über 80 im FIZ Unterstützung gefunden.
Frauenhandel findet statt, weil er ein sehr profitables Geschäft ist, mit sehr geringem Risiko für die Täterschaft, zur Verantwortung gezogen zu werden.
Die Täter sind immer noch allzu oft unter uns in Freiheit, die Opfer sind immer noch allzu oft ausgeschafft oder weggewiesen in ihr Herkunftsland.
Warum? Weil die Schweiz den Opfern immer noch zu wenig Schutz anbietet, damit sie gegen die Täter aussagen können.

Frauenhandel zu bekämpfen verlangt politischen Willen, von den politisch Verantwortlichen: Zum Beispiel, den Frauen, die Opfer von Frauenhandel wurden, in der Schweiz Schutz und Sicherheit zu gewähren. Zum Beispiel, indem ihnen eine Aufenthaltsbewilligung erteilt wird. Damit sie nach ihren traumatischen Erlebnissen wieder Fuss fassen können, und in Sicherheit Lebensperspektiven entwickeln. Doch dies ist bis heute nicht der Fall.
Die Opfer von Frauenhandel, die wir im FIZ begleiten, können längstens bis zum Ende eines Verfahrens in der Schweiz bleiben. Solange die Justiz sie braucht. Danach ist alles offen. Danach müssen sie beweisen, dass sie in Gefahr sind, wenn sie nach Brasilien oder Moldawien, Thailand oder Kamerun zurückkehren. Doch die Täterschaft erstellt keine schriftlichen Beweise dafür, dass sie sich an den Frauen rächen wird. Es ist also sehr schwierig nachzuweisen, dass sie bei einer Rückkehr an Leib und Leben gefährdet sind, weil sie ausgesagt haben.

Frauenhandel zu bekämpfen heisst auch, konkret handeln. Etwas tun, damit Frauenhandel, als ein Form der Gewalt gegen Frauen, nicht mehr stattfindet. Und etwas dafür tun, dass Opfer geschützt werden.
Als Fachstelle zu Frauenhandel sind wir seit 20 Jahren dran, mit Öffentlichkeitsarbeit für die Gesellschaft und mit Beratungsarbeit für die Betroffenen.
Und im letzten Jahr konnten wir FIZ Makasi eröffnen. FIZ Makasi ist die erste spezialisierte Beratungsstelle für Opfer von Frauenhandel in der Schweiz, und bietet eine umfassende Begleitung. Das heisst, FIZ Makasi leistet Krisenintervention, organisiert eine sichere Unterkunft und finanzielle Unterstützung, erwirkt einen vorübergehende Aufenthalt, verhilft ihnen zu ihren Rechten als Opfer und unterstützt sie in ihrer Entscheidungsfindung. Wenn sie Anzeige erstatten wollen, begleiten wir sie im Strafverfahren.

Makasi heisst übrigens «stark» in Lingala, die Stärke der Frauen beeindruckt uns immer von neuem.
Die Stärke der Frauen, die mit falschen Versprechungen in die Schweiz geholt wurden, und hier unter unwürdigsten Umständen ausgebeutet wurden - nicht nur in der Sexarbeit, auch in Privathaushalten oder in der Industrie etc. -. Frauen, die, eingesperrt und isoliert wurden, misshandelt, unter Druck gesetzt, Frauen, die hohe Schulden abzahlen müssen, Geld, dass ihren Familien fehlt.
Die Stärke der Frauen, die trotz unsäglichen Menschenrechts-verletzungen, die sie in unserem demokratischen Staat überlebt haben, aus Gewalt und Ausbeutungsstrukturen ausbrechen, sich zur Wehr setzen, und es sogar wagen, die Täter anzuzeigen. Sich aus Druck und Schuldlast befreien, aus ausbeuterischen Arbeitsstellen - nicht nur in der Sexarbeit - fliehen.
Stark ist auch die grosse Unterstützung, die wir in ideeller und finanzieller Weise erleben, von Einzelpersonen, Kirchen, Organisationen, von unzähligen Menschen, die nicht einverstanden sind, dass Migrantinnen in diesem Land diskriminiert und ausgebeutet werden.

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Cornelia Schmalz, AI

Ich bin Cornelia Schmalz aus Zürich und als Mitglied von Amnesty International begrüsse ich euch herzlich zum Ostermarsch.

Dass ich heute hier zu euch spreche, ist aus drei Gründen etwas Besonderes!
Der erste Grund ist mein Alter: Heute am Ostermarsch sind vor allem junge Frauen und Männer für ai im Einsatz, wie zum Beispiel die Jugendgruppe Bern.

Ich selber habe die 1997 die Jugendaktionsgruppe Baden AG mitgegründet und bin seither auch national für die Jugendarbeit bei ai unterwegs.
Ich freue mich sehr, mit meinem Auftritt besonders die Jugend- und Studentengruppen bei Amnesty zu vertreten!
Zweitens ist es das erste Mal überhaupt, dass Amnesty an einem Berner Ostermarsch dabei ist: Amnesty International trägt mit! An dieser Stelle bedanke ich mich auch gleich beim Organisationsteam, das mir Gelegenheit gibt, zu euch zu sprechen.

Stopp Gewalt gegen Frauen - Amnesty International trägt mit und kämpft auch mit:
Drittens ist es eben auch besonders und neu, dass die Menschenrechtsorganisation Amnesty International die Frauenrechte mit einer eigenen Kampagne thematisiert.
Seit der Eröffnung der Kampagne «stop violence against women» im März 2004 ist Amnesty mit gebündelter Kraft international für die Rechte der Frauen und Mädchen aktiv!
Auch national kämpfen wir gegen die Gewalt gegen Frauen, zum Beispiel heute, gemeinsam mit Euch!
Mit «stop violence against women» geschieht es zum ersten Mal, dass eine Amnesty Kampage von allen Menschen Verantwortung einfordert, jede und jeden von uns direkt anspricht.

Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist eine massive Verletzung der Menschenrechte.
Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist die alltäglichste Verletzung der Menschenrechte.
Zugleich wird sie am meisten versteckt, verheimlicht, verdrängt.
Es ist Gewalt, die in ganz verschiedenen Ausprägungen, egal ob physisch oder psychisch, egal ob in der Schweiz oder im Irak, Frauen und Mädchen angetan wird einzig und allein aufgrund ihres Geschlechts.

Heute in Bern protestieren wir gemeinsam gegen alle Formen der Gewalt gegen Frauen. br /> Ich will zu euch über eine bestimmte Form sprechen: Ueber die Gewalt, der Frauen und Mädchen in Kriegen und bewaffneten Konflikten ausgesetzt sind. Gerade am Ostermarsch, dessen Tradition aus der Friedensbewegung hervorgegangen ist, darf dieses Thema nicht vergessen werden.
Gewalt gegen Frauen ist durch internationale Verträge, durch das Völkerrecht, durch Versprechungen verboten. Und doch sind Frauen und Mädchen nicht sicher.
Sie sind nicht sicher in Zeiten des Friedens und noch viel weniger in Zeiten des Krieges.
Zur Bestrafung und Einschüchterung des Opfers allein oder auch um ganze Gemeinschaften zu erniedrigen und zu terrorisieren: Frauen und Mädchen werden nicht nur getötet, Frauen und Mädchen werden vergewaltigt, sexuell missbraucht, verstümmelt und erniedrigt.

Im Sudan, in West-Darfur, sind über 10'000 Frauen bereits vergewaltigt worden.
Doch mit diesen Verbrechen hört das Grauen noch nicht auf. Diese Frauen werden oftmals von ihren Gemeinden, von ihren Mitmenschen verachtet und verstossen.

Ueber den Irak ist Amnesty bekannt, dass seit Kriegsende die häusliche Gewalt gegen Frauen massiv zugenommen hat. Auch diese Frauen bleiben weiter in einem Kreislauf des Schreckens gefangen, weil ihnen in vielen Fällen den Kontakt zu medizinischer und juristischer Hilfe, zu Gerechtigkeit verwehrt wird.

Frauen und Mädchen, die Gewalt erleben mussten, werden oftmals durch Stigmatisierung im Alltag erneut bedroht und verletzt.
Mit weiteren Beispiel aus der ganzen Welt könnte ich jetzt meine verbleibende Sprechzeit füllen.
Aber gerade heute ist uns etwas anderes wichtig: Was können WIR gegen Gewalt gegen Frauen tun? Was sind unsere Forderungen und wie setzten wir sie durch?
Um auf diese wichtigen Fragen Antwort zu geben, verwende ich das Symbol der Kampagne, die Hand. Mir ist aufgefallen, dass sich alle Hauptanliegen der Kampagne mit einer Hand-Bewegung ausdrücken lassen!
Dies sind die Forderungen von Amnesty International an die vereinten Nationen, die internationalen Regierungen und alle Parteien in bewaffneten Konflikten:

  • Verurteilung von Gewalt gegen Frauen unter jedem Umstand!
  • Der Straflosigkeit, die Täter als Angehörige von Militär, Polizei oder Sicherheitsdienst geniessen, den Riegel vorschieben durch faire Prozesse und angemessene Bestrafung!
  • Verankern der Bekämpfung sämtlicher Formen der Gewalt gegen Frauen in nationalen und internationalen Gesetzen!
  • Den Missbrauch von Waffen und internationalem Waffenhandel zerschlagen!
  • Anbieten von Beistand, Hilfe und Entschädigung für alle Opfer!
  • Schützen aller Verteidigerinnen und Verteidiger der Frauen- und Menschenrechte!
  • Frauen in den Friedensprozess und den Wiederaufbau einbinden!

Diese Forderungen erreichen die Regierungen und Kriegsparteien dank internationaler Aktionsplanung durch unzählige Briefe, Faxe und E-mails. Auch ihr alle habt heute Gelegenheit, euere Unterschrift unter Briefe des Protests zu setzten! Von den verschiedenen Petitionen, die die Jugendgruppe am Amnesty-Stand für euch bereithält, ist auch eine an den Irak gerichtet.

Bitte tut auch ihr heute eine entscheidende Handbewegung!

Wichtig sind weiter öffentliche Auftritte der Aktivistinnen und Aktivisten, aber auch für uns unsichtbares Lobbying, persönliche Diskussionen und Gespräche zeigen grosse Wirkung.
Amnesty International profitiert dabei von seiner weltweiten Akzeptanz und Glaubwürdigkeit und vor allem von der grossen Kraft der über 1,8 Millionen Mitglieder aus über 150 Ländern. Gerade durch diese Vielfalt von Frauen und Männern verschiedensten Alters, unterschiedlichster Religionsangehörigkeit und politischer Ausrichtung ist es uns möglich, unablässigen und oftmals zwingenden Druck zu erzeugen. Das internationale Menschenrechtssystem bietet dabei einen wichtigen Hebel.

Die Kriegsverbrechen, die Frauen und Mädchen in bewaffneten Konflikten erleben müssen, lassen sich nicht trennen von den Verletzungen ihrer Rechte, die sie schon vor dem Krieg ertragen mussten. Und nicht von jenen, die sie auch nach Friedensschluss weiter ertragen werden müssen!
Um der Gewalt gegen Frauen in bewaffneten Konflikten, wie auch in Friedenszeiten und in unserem Alltag ein Ende zu setzten, muss sie erkannt werden, sichtbar gemacht werden und hörbar gemacht werden. Aus Tabuisiertem, Verdrängtem und Verschwiegenem, aus sogenannten Privatangelegenheiten müssen Tatsachen, Anklagen und neue Richtlinien der Gleichberechtigung für die Gesellschaft entstehen!

Amnesty International will mit der Kampagne «Stopp violence against women» den Kreislauf des Missbrauchs durchbrechen und geht mit seinen Forderungen über die Regierungspersonen als Verantwortliche und Ansprechpartner hinaus.
Wir fordern auch Menschen aus der Oeffentlichkeit, aus Politik, Kultur und Religion dazu auf, sich klar gegen die Gewalt gegen Frauen auszusprechen und aus ihrer Position von Macht und Verantwortlichkeit heraus Zeichen und Taten gegen diese Verbrechen zu setzten!
Nur mit ihrer Hilfe und Kompetenz lässt sich die Gefahr, das Problem erfassen.
So ist zum Beispiel unter den Tausenden von Handabdrucken, die wir zum Auftakt der Kampagne gesammelt haben, auch der Handabdruck unserer Bundesrätin Calmy-Rey!

Wenn ich das Bild der Hand vom Kampagnenlogo wieder aufgreife, sehe ich die Hand nicht nur als Stop-Signal oder als Verbildlichung unserer Forderungen im Kampf gegen die Gewalt gegen Frauen.
Ich sehe in der Hand auch ein Modell für die Verantwortung der Gesellschaft gegenüber den Rechten der Frauen und Mädchen, ich sehe in der Hand die enorme Dringlichkeit der Botschaft dieses Tages:

Damit wir anpacken können, was zu schützen, zu fördern und zu verändern in unseren Händen liegt, reichen nur die Fingerspitzen, das heisst, die Regierungen und internationalen Vereinigungen nicht aus.
Auch die Gelenke, also die Verbindungen zwischen Spitze und Wurzel, die im öffentlichen Raum tätigen Persönlichkeiten, sind sehr wichtig im Kampf gegen die Gewalt gegen Frauen, aber auch sie sind alleine nicht genug!
Denn wie schützen, wie fördern, wie anpacken, wie auffangen und stoppen ohne Handfläche?
Wie etwas verändern ohne Handwurzel, ohne die Basis? Die Basis sind wir: Unser Leben, unser Alltag, unsere Verantwortung.
Die Basis, das ist dort, wo der Puls schlägt. Der Puls, auch heute schlägt! Es ist an uns, die Hand zu heben: Stopp Gewalt gegen Frauen!

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