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Antikriegsdemo 22. März 2003

Kein Krieg für Erdöl

Der Krieg wurde zwar durch unsere Proteste etwas hinausgezögert, doch verhindern konnten wir ihn leider nicht. Umso wichtiger ist es, dass 2 Tage nach Kriegsbeginn gegen 50'000 Leute nach Bern kamen, um ihren Widerstand gegen den Krieg zu zeigen.

Reden an der Demo

Aufruf und Flugblätter

Photos

Die meisten Photos stammen vom Webmaster, einige von Indymedia.

Weitere Bilder auf der alten GSoA-Seite: Gallerie 1 | Gallerie 2

Photos gibt es auch von Gian Piero Roz und Olivier Oswald.

Zu den Zwischenfällen

Wir bedauern sehr, dass es am Rande der Kundgebung zu Konflikten zwischen Polizei und DemonstrantInnen gekommen ist. Die GSoA und das Antikriegsbündnis haben zu einer friedlichen Demo aufgerufen. Gegenüber den zehntausenden DemonstrantInnen waren diese Zwischenfälle aber marginal. Wer über dieses Thema diskutieren will, ist herzlich eingeladen, das Diskussionsforum unter www.kometen.ch/diskussion/ zu verwenden. Auf Indymedia gibt es auch eine spannende Diskussion zum Ablauf am Samstag.

Reden

Für alle dies verpasst haben oder nochmals nachlesen wollen, noch die Reden:

Nico Lutz, GSoA, vpod

Liebe KriegsgegnerInnen, Liebe Friedensbewegte

Seit Mittwoch führt die US-Armee ihren jüngsten Krieg gegen Irak. 3000 Bomben in 48 Stunden, brennende Ölfelder und Tausende von Flüchtlinge, das ist die Bilanz der ersten Kriegstage dieses völkerrechtswidrigen Angriffskriegs.
Die Regierung der USA behaupten, mit diesem Krieg den Menschen im Irak eine besser Zukunft ermöglichen zu wollen. In der Tat, die irakische Bevölkerung hätte schon lange eine andere Regierung als die Diktatur Saddam Husseins verdient. Doch war gerade die US-Regierungen massgeblich daran beteiligt, Saddam Hussein einem skrupellosen und mächtigen Despoten zu machen.

In den letzten Monaten und Wochen ist wohl die grösste global agierende soziale Bewegung gewachsen. Es ist ihr gelungen, den Krieg zu verzögern, nicht aber, ihn zu verhindern. Und dennoch: Diese weltweite Bewegung hat einiges bewirkt. Diejenigen, die Krieg zur Durchsetzung ihrer egoistischen Interessen führen, sind politisch isolierter denn je. Es ist nicht das ersten Mal seit dem Ende des Kalten Krieges, dass die USA und einige Verbündete heisse Krieg führen. Es gab auch eine Friedensbewegung, welche die völkerrechtswidrigen Angriffskriege gegen Kosovo oder Afghanistan kritisierten. Aber es ist das ersten Mal, dass die Kritik in der Bevölkerung so breit ist, dass gar eine Mehrheit der westlichen Regierungen sich gegen den Krieg ausspricht.

Gemeinsam mit Millionen von Menschen, die heute weltweit für einen sofortigen Stopp des Krieges demonstrieren, wollen wir heute den Druck mit einer starken, breiten und friedlichen Demonstration erhöhen. Das Bündnis gegen Krieg hat kurzfristig zu dieser Kundgebung zu dieser Kundgebung aufgerufen. Dieses Bündnis ist ein loser Zusammenschluss von Friedens- und Menschenrechtsgruppen, Gewerkschaften, Parteien, Hilfswerken, kirchlichen Organisationen, MigrantInnenorganisationen...

Mein Name ist Nico Lutz. Ich bin von der Gruppe Schweiz ohne Armee und Gewerkschaftssekretär im vpod. Ich werde für das Bündnis gegen Krieg diese Kundgebung mitmoderieren.

Wir fordern heute einen sofortigen Stopp des Krieges und einen Abzug der US-amerikanischen und britischen Truppen aus dem Mittleren Osten. Wir fordern ein Selbstbestimmungsrecht der Bevölkerung in der Region, auch der KurdInnen und PalästinenserInnen. Die Menschen in Kurdistan und Palästina haben auch ganz direkt unter dem Krieg gegen Irak zu leiden. Die brutale Unterdrückungspolitik wird im Windschatten des Irakkrieges nochmals verschärft.

Wir fordern, dass die Schweiz sämtliche Unterstützung für den Krieg verweigert.

  • Die Schweiz muss alle militärischen Überflüge untersagen. Täglich fliegen amerikanische Militärmaschinen über Schweizer Gebiet. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt hat wiederholt zum Ausdruck gebracht: Es ist in der Praxis nicht kontrollierbar, was in den amerikanischen Flugzeugen transportiert wird.
  • In den US-Kampfjets werden Präzisionsteile "Made in Switzerland" mitbombardieren. Wenn Grossbritannien im Irak Krieg führt, dann werden mit der Britischen Armee Schweizer Handgranaten zum Einsatz gelangen. Die Schweiz muss sofort sämtliche Rüstungslieferungen an sowie Rüstungskäufe aus den Staaten, die den völkerrechtswidrigen Krieg vorbereiten, abbrechen.
  • Es ist eine humanitäre Verpflichtung der Schweiz, das Embargo zu durchbrechen und medizinische wie auch humanitäre Hilfslieferungen zu veranlassen. Ebenso muss die Schweiz irakischen Flüchtlingen den Aufenthalt in der Schweiz zusichern und Ausschaffungen in die gesamte Konfliktregion unterlassen.
  • Der Bundesrat muss sich endlich klar gegen den Krieg aussprechen. Die Aussage von Bundespräsident Couchepin, unabhängig von einem Uno-Mandat "wird die Schweiz wie immer im Kriegsfall reagieren: neutral" ist skandalös. Gegenüber Staaten, die Völkerrecht brechen und einen illegalen Angriffskrieg führen, der Tausenden von Menschen das Leben kosten wird, gibt es keine Neutralität!

Wir wollen heute mit dieser Kundgebung deutlich machen: Wir wollen ihn nicht, diesen Krieg, Mr. Bush. Er wird nicht in unserem Namen geführt. Wir fordern einen sofortigen Stopp des Krieges!

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Antonio Hautle, Entwicklungspolitische Arbeitsgemeinschaft der Hilfswerke, Direktor Fastenopfer

Nein zur Diktatur, Nein zum Krieg

Liebe Anwesende

Unsere Sorge gilt den Menschen im Irak, die in diesen Stunden noch grösserer Angst, noch grösserem Leid ausgesetzt sind als bisher.

Der Krieg ist keine Lösung. Der Krieg schafft nicht Gerechtigkeit, sondern neues Unrecht, neues Elend, neue Unterdrückung.

Die entwicklungspolitische Arbeitsgemeinschaft der sechs grossen Schweizer Hilfswerke ist gegen den Krieg, weil es dafür keine völkerrechtlich überzeugende Argumente gibt. Wir sind gegen den Krieg, weil er zu einer menschlichen und sozialen Katastrophe führen wird. Der Krieg trifft eine Bevölkerung, die nicht nur von einer schlimmen Diktatur gebeutelt ist. Er trifft auch eine Bevölkerung, die seit über zehn Jahren unter harten Sanktionen leidet. Die Sanktionen gegen den Irak sind die schwersten, die die Uno, unter dem Druck der USA und Grossbritanniens, je verhängt hat. Es sind die einfachen Leute, die besonders darunter leiden. Der Krieg trifft eine Bevölkerung, die bereits stark geschwächt ist, und er wird mehr Elend und Leiden bewirken.

Die Hilfswerke verstehen sich nicht als humanitäre Reparaturbetriebe, die dazu da sind, Katastrophe zu lindern, weil die Politik versagt hat. Als Hilfswerke wollen wir einen Beitrag zu Frieden und Entwicklung leisten.

Wir verurteilen Saddam Husseins menschenverachtende Diktatur und fordern ihn zum Rücktritt auf. Wir verurteilen die Sanktionen, unter denen die Bevölkerung des Irak seit Jahren leidet und verlangen deren Aufhebung.

Und wir erinnern daran, dass es die USA und der Westen es waren, die dieses Regime an die Macht brachten, die ihm die Aufrüstung und die Unterdrückung der verschiedenen Volksgruppen im Irak erst ermöglichten.

Mit der heutigen Demonstration für Frieden und Entwicklung setzen wir ein klares Zeichen gegen die Diktatur im Irak. Wir setzen ein klares Zeichen gegen den Krieg und gegen die Politik der Bush-Administration. Und wir geben die Hoffnung nicht auf, dass die Menschen lernen, in Würde, Gerechtigkeit und Respekt zusammen zu leben.

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Rita Schiavi, Vizepräsidentin GBI, Vorstandmitglied Schweizerischer Gewerkschaftsbund

Wir sind wütend, aber wir sind nicht entmutigt!

Wir sind schockiert, wir sind empört, wir sind wütend!
Die weltweite Protestbewegung hat diesen Krieg nicht verhindern können.
Wir sind wütend - aber wir sind nicht entmutigt!

Seit Jahren haben die Leute um George Bush diesen Krieg gegen den ehemaligen Verbündeten Saddam vorbereitet. Jetzt führen sie ihn mit kompromissloser Rücksichtslosigkeit gegen alle Widerstände durch.

Es ist ein verbrecherischer Krieg.
Ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg ohne Legitimität, ohne irgendein plausibles Argument.
Eine Aggression, die nur zu neuem Elend, Hass und Gewalt führen wird.
Ein Krieg gegen den gesunden Menschverstand.
Aber ein Krieg mit einer klaren Botschaft:

Leiden wird die irakische Zivilbevölkerung. Aber ZITTERN soll die ganze Welt. Alle, welche dem imperialistsischen Vormachtanspruch der US-Regierung im Weg stehen.

  • die Uno, mit ihren gewissenhaften Inspektoren, die sich dem Druck der USA nicht beugen wollten.
  • befreundete und weniger befreundete Staaten, in denen die Demokratie noch einigermassen funktioniert
  • Vor allem aber die sozialen Bewegungen und die öffentliche Meinung auf der ganzen Welt.

Für alle, die mehr Gerechtigkeit statt immer mehr Gewalt fordern, hat die aktuelle US-Regierung eine klare Antwort : shock and awe, Schock und Schrecken!

Die im vergangenen Jahr angekündigten Präventivkriegs-Doktrin - inklusive Atomwaffeneinsätze - nimmt nun konkrete Formen an.

Am Montag dieser Woche war in der NZZ zu lesen, dass in Tony Blairs Britannien, allen vollmundigen Regierungserklärungen und Ankündigungen zum Trotz 3,8 Millionen Kinder unter der Armutsgrenze leben. Und in den USA leiden 30 Millionen Menschen unter Hunger.

Die USA und Grossbritannien sind - seit Reagan und Thatcher - die Industriegesellschaften mit der grössten sozialen Ungleichheit. Schamloser Überfluss direkt neben verzweifelter Armut - ein hässlicheres Gesicht zeigt der Neoliberalismus nur noch in den Elendszonen Osteuropas und der 3. Welt.

Der Terror gegen Bagdad ist auch für das heimische Publikum gedacht. Er dient auch dazu, vom hausgemachten Schrecken einer ungerechten Gesellschaftsordnung abzulenken.

Unsere Proteste haben diesen Krieg nicht verhindern können.
Aber unsere Proteste waren dennoch nicht vergebens. Sie haben die Kriegs-Propaganda, die Panikmache und das Gerede von Befreiung und Demokratie entlarvt. Vielen ist klar geworden, um was es wirklich geht: nicht um einen sauberen und gerechten Krieg, sondern um die politische Vormacht, um wirtschaftliche Interessen und im persischen Golf ganz speziell um die grössten Ölvorkommen dieser Welt!

Es geht um eine Demonstration an die Welt:
Die Supermacht USA kann machen, was sie will. Und dies notfalls alleine.

Dieser Krieg ist ein Propagandaschlag gegen ALLE Widerstände

Dieser eklatanen Verletzung des Völkerrechts dürfen und wollen wir nicht ohnmächtig und tatenlos zusehen. Wir fordern :

  • Den sofortigen Stopp des mörderischen Bombardements im Irak.
  • Soforthilfe für die irakische Zivilbevölkerung und Aufnahme von Flüchtlingen.
  • Stopp aller militärischen Überflüge über die Schweiz
  • Den Bundesrat fordern wir auf, jegliche militärische Zusammenarbeit mit den kriegsführenden Staaten zu stoppen und keine Rüstungsgeschäfte mehr zuzulassen.
  • Bundespräsident Couchepin soll die Einladung an George W. Bush rückgängig machen.
  • Wir sind auch dagegen, dass die Armee aufgeboten wird, um die warlords Bush und Blair in Evian zu beschützen!
  • Und zum Schluss noch die Aufforderung an Euch alle und die ganze Bevölkerung: boykottieren wir us-amerikanische und britische Firmen und Produkte wie ESSO,, BP, Coca Cola und McDonalds. Sagen wir unsere Ferienreisen in kriegsführende Länder ab!

Unser Widerstand muss und wird noch stärker werden. Um den Krieg zu stoppen und um weitere imperialistische Kriege zu vermeiden! Wir brauchen mehr Gerechtigkeit statt mehr Gewalt! ArbeitnehmerInnen, SchülerInnen und Studierende, Gewerkschaften und die globalen sozialen Bewegungen können gemeinsam eine gerechtere Welt schaffen. Eine andere Welt ist möglich, wenn wir unseren Kampf dafür gemeinsam führen!

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Daniel Bolomey, Secrétaire général Amnesty International, Section suisse (frz.)

Chers amies, chers amis,
très chers militantes et militants des droits humains et défenseurs de le Paix,

Au-delà de l'émotion qui nous étreint à la pensée des victimes innocentes d'un conflit qui leur est injustement imposé, c'est un sentiment de colère qui prévaut aujourd'hui suite aux attaques massives en cours sur l'Irak qui mettent gravement en danger sa population. J'aimerais partager avec vous « les raisons de la colère ».

Nous sommes en colère contre la volonté des USA et de certains de ses alliés de prétendre résoudre les souffrances du peuple irakien par une accumulation de nouvelles souffrances, par des tapis de bombes et par des destructions massives. Selon une note du Groupe de Recherche et d'Information sur la Paix, on peut craindre entre 48'000 et 261'000 morts civils et militaires sur une période de six mois. Selon l'OMS ce ne sont pas moins de 500'000 personnes qui vont avoir besoin d'un traitement médical d'urgence. Selon le HCR ce sont plus de 600'000 personnes qui seront déplacées dans un premier temps, et si la guerre s'enlise, ils seront des millions sur les routes et dans des camps de fortune.

Nous sommes en colère contre le mépris affiché pour le droit international, sur lequel se sont construits au XXe S., au prix des larmes et du sang, les règles de relations entre Etats, les normes de protection des civils dans les conflits et toute la panoplie des traités de protection des droits humains. A-t-on le droit comme le font les USA, parce qu'on dispose de l'hégémonie de la force, de fouler aux pieds ces règles, de rejeter l'idée magnifique de la Cour pénale internationale qui devrait juger les responsables de crimes de guerre et contre l'humanité, de traiter des prisonniers au mépris du droit comme cela se fait à Guantanamo?

Nous sommes en colère et rejetons avec force le concept de banalisation de l'exécution extrajudiciaire, qui veut que ceux qui sont désignés comme terroristes ou dictateurs perdent le droit à un procès équitable, à la défense et soient ciblés pour l'exécution en dehors de toute légalité.

Nous sommes en colère contre tous ceux qui s'alignent pour des raisons d'opportunisme et d'intérêt immédiat sur la position américaine au mépris des opinions publiques qui montrent clairement de quel côté les peuples du monde se trouvent, du côté de la Justice et de la Paix. Il est heureux de voir comment les jeunes, les écoliers, les lycéens et les étudiantes ont pris l'initiative de la protestation contre la guerre, sur une base spontanée, pacifiste et solidaire.

Notre colère est également dirigée contre les tergiversations de notre gouvernement suisse qui n'est pas en mesure de tenir un discours clair, mais tend à dire en même temps qu'il regrette la guerre, mais que les exportations d'armes peuvent se poursuivre vers le principal belligérant. Si nos exportations et nos importations de matériel militaire sont si dérisoires, pourquoi prétendre que leur interruption pourrait mettre en cause notre économie?

Mais notre colère est belle, elle est constructive, elle est positive, elle est pacifique, elle porte en elle les bases d'un monde meilleur, elle éveille les consciences à la citoyenneté et à la responsabilité, elle portera des fruits ; alors que la force et le mépris du droit ne peuvent qu'engendrer vengeance, haine et destructions.

Notre colère et nos protestations sont dirigées vers les responsables de ces atrocités, vers ceux qui méprisent la justice et le droit, et en aucun cas vers les millions d'Américains et de Britanniques qui partagent aujourd'hui avec nous la rage de voir leurs autorités ne pas tenir compte de leur propre opposition à la guerre.

En lieu et place, qu'offre-t-on aux Irakiens?

  • Au lieu de la Paix, la guerre
  • au lieu des droits humains, la destruction
  • au lieu de l'espoir, la terreur
  • au lieu de la liberté, la domination
  • au lieu de la démocratie, le protectorat
  • au lieu de la liberté, la contrainte.

Des millions de voix crient aujourd'hui dans le monde entier leur colère et leur indignation. Faisons en sorte que ces voix ne se taisent pas et que la protestation se développe.

LES DROITS HUMAINS PAS DES BOMBES !!!
MENSCHENRECHTE STATT BOMBEN !!!

Je vous remercie.

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Deutsche Übersetzung

Rede von Daniel Bolomey, Generalsekretär von Amnesty International, Schweizer Sektion

Liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Mitkämper und Mitkämpferinnen für die Menschenrechte und
liebe Verteidger und VerteidgerInnen des Friedens

Beim Gedanken an die unschuldigen Opfer eines Konfliktes, der ihnen ausserhalb des geltenden Rechts aufgezwungen worden ist, reagieren wir betroffen und mit Trauer. Heute aber, angesichts der massiven Angriffe gegen den Irak, die dessen Bevölkerung grösster Gefahr aussetzen, hat die Wut die Oberhand gewonnen. Ich möchte die «Gründe dieser Wut» mit euch teilen.

Wir sind wütend über das Vorgehen der USA und einiger ihrer «willigen» Verbündeten, die vorgeben, sie könnten das Leiden des irakischen Volkes durch unbezifferbares neues Leiden, durch Bombenteppiche und durch massive Zerstörung beenden. Nach Angaben der Groupe de Recherche et d'Information sur la Paix in Brüssel ist zu befürchten, dass 48'000 bis 261'000 Menschen innerhalb der nächsten sechs Monate sterben müssen. Gemäss OMS werden nicht weniger als 500'000 Personen notfallmässig medizinisch behandelt werden müssen. Das UNHCR rechnet damit, dass mehr als 600'000 Personen in den ersten Wochen des Krieges vertrieben werden. Sollte der Krieg sich länger hinziehen, werden Millionen von Menschen zur Flucht gezwungen werden und in Flüchtlingslagern Schutz suchen.

Wir sind wütend über die zur Schau gestellte Rücksichtslosigkeit gegenüber dem internationalen Recht, auf dem die Regeln der Beziehungen zwischen den Staaten ebenso basieren wie die Normen zum Schutz der Zivilbevölkerung im Kriegsfall und die vollständige Sammlung der Abkommen zum Schutz der Menschenrechte. Woher nehmen die USA das Recht, nur weil sie über die militärische Hegemonie verfügen, diese Regeln mit Füssen zu treten? Woher nehmen sie das Recht, die grossartige Idee des internationalen Strafgerichtshofes zurückzuweisen, der die Verantwortlichen von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Verantwortung ziehen soll? Woher nehmen sie das Recht, Gefangene als völlig rechtlos zu behandeln, wie sie es in Guantanamo tun?

Wir sind wütend und weisen das Konzept der zunehmenden Selbstverständlichkeit der extralegalen Hinrichtungen mit aller Kraft zurück. Wer als Terrorist oder Diktator bezeichnet wird, dem wird immer häufiger das Recht auf einen fairen Prozess und auf Verteidigung verwehrt und er wird ausserhalb jeder Legalität zum Abschuss freigegeben.

Wir sind wütend auf all diejenigen, die sich - aus opportunistischen Gründen und kurzsichtigen Interessen - in der «Koalition der Willigen» hinter die Position der US-Regierung stellen. Sie nehmen keine Rücksicht auf die öffentliche Meinung, die klar zeigt, auf welcher Seite sich die Mehrheit der Weltbevölkerung befindet, auf der Seite des Rechts und des Friedens. Es ist überwältigend zu sehen wie Jugendliche, SchülerInnen, GymnasiastInnen und StudentInnen die Initiative für den Protest gegen den Krieg ergriffen haben - auf der Basis von Spontaneität, Pazifismus und Solidarität.

Unsere Wut richtet sich auch gegen die Ausflüchte der Schweizer Regierung, die nicht fähig ist, eine klare Position einzunehmen: Sie bringt es fertig, gleichzeitig einerseits ihre grosse Betroffenheit über den Krieg auszudrücken und andererseits die Waffenexporte an den wichtigsten Kriegsteilnehmer fortzusetzen. Wenn unsere Waffengeschäfte mit den USA wirklich so unbdeutend sind, warum tut dann der Bundesrat so, als ob ein Unterbruch des Waffenhandels unsere Wirtschaft bedrohen könnte?

Aber unser Wut ist schön; sie ist konstruktiv, sie ist positiv, sie ist pazifistisch, sie trägt in sich die Basis für eine bessere Welt. Sie weckt Vertrauen in Verantwortungsbewusstsein und politische Reife, sie trägt Früchte. Macht und Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Recht dagegen erzeugen nur Rachsucht, Hass und Destruktivität.

Unsere Wut und unser Protest richten sich gegen die Verantwortlichen für die Rechtlosigkeit, gegen diejenigen, die sich rüchsichtslos über Recht und Justiz hinwegsetzen. Sie richten sich aber auf keinen Fall gegen die Millionen von US-AmerikanerInnen und BritInnen, die heute die Empörung darüber mit uns teilen, dass ihre eigenen Regierungen keine Rücksicht auf die Opposition gegen den Krieg in ihren Ländern nehmen.

Was offerieren die Angreifer den IrakerInnen heute vor Ort?

  • Krieg, statt Frieden
  • Zerstörung, statt Menschenrechte
  • Terror, statt Hoffnung
  • Unterdrückung, statt Freiheit
  • Protektorat, statt Demokratie
  • Isolation, statt Freiheit

Millionen von Stimmen schreien heute auf der ganzen Welt ihre Wut und ihren Unwillen heraus. Sorgen wir dafür, dass diese Stimmen nicht verstummen und dass die Protestbewegung weiter wächst.

Menschenrechte statt Bomben!

Ich danke Ihnen.

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Elizabeth Ferris (engl), World Council of Churches and National Council of Churches of Christ in the USA

Our hearts are heavy this afternoon as bombs and bullets are raining down on Iraq. At a time like this, it is good to come together to express our anger at the political leaders who are responsible for these actions and our solidarity with the victims.

I come before you today as an American who is deeply grieved by the violence my government is sowing in Iraq and the Middle East. The World Council of Churches, where I work, has steadfastly opposed this war as have almost all of our 342 member churches. But I also come from the broader church community in the United States which has also worked non-stop for the past four months to prevent this terrible tragedy. The story of US church actions to try to stop this rush to war is not widely known in Europe.

Since January US church leaders have been pressing to meet with President Bush to tell him of their moral opposition to the war, but he has refused to see them. The National Council of Churches organized a high-level church delegation to Iraq over Christmas and has sent church delegations to meet with Prime Minister Tony Blair, Chancellor Gerhard Schröder, and senior officials of the French and Russian governments. It is perhaps ironic that US church leaders have been received by the highest political leaders in Europe - but were unable to get a meeting with their own president.

These actions were not enough to stem the rush toward war. I am telling you this story so that you will know that there are many Americans who oppose this war. There are many Americans who today are filled with shame for the actions of their government and who are praying for forgiveness in churches throughout the country. Be assured that US churches will continue to challenge this war. The churches have long advocated for a just resolution of the Israeli/Palestine conflict and an end to Israeli occupation. Without a resolution of this conflict there will be no lasting stability in the region.

We do not know how long this war will last. We cannot begin to know the consequences it will have for millions of civilians, on political alignments in the region, on international law, and on the many other urgent situations where needs will go unmet because funds are diverted to Iraq.

We do know that we must now do everything possible to bring an end to this conflict and to re-build Iraq in a manner which meets the needs of the Iraqi people - and not those of an occupying power. The churches in the USA will not have an easy time in the coming weeks and months - to stand against a war where American youth are serving. Before coming here today, I spoke with the National Council of Churches of Christ in the USA who urged me to convey to you their sense of grief and horror at this war. But they also wanted me to tell you that they will continue to struggle against the war. They are strengthened by the global demonstrations against war and are with us "in spirit" in Bern today.

Let us continue to pray - and to shout and to lobby and to demonstrate - until peace prevails in Iraq and throughout the region. As Christians, we can do no less.

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Deutsche Übersetzung

Elizabeth Ferris Delegierte des Nationalen Kirchenrats der USA und Koordinatorin des Programms "Diakonie und Solidarität" im Weltkirchenrat

Unsere Herzen sind schwer bedrückt an diesem Nachmittag, während die Bomben und Kugeln auf den Irak nieder regnen. In einer Zeit wie dieser ist es gut, zusammenzukommen um unseren Zorn über die politischen Führer, die für diese Aktionen die Verantwortung tragen und unsere Solidarität mit den Opfern auszudrücken.

Ich stehe heute vor Euch als Amerikanerin, die zutiefst bestürzt ist über die Gewalt, die meine Regierung im Irak und im Mittleren Osten sät. Der Weltkirchenrat, in dem ich arbeite, hat sich standhaft gegen diesen Krieg gestellt so wie beinahe alle unserer 342 Mitgliedskirchen auf der Welt. Aber ich spreche auch im Namen der grossen Gemeinschaft der Kirchen in den USA, die sich in den vergangenen vier Monaten unablässig engagiert hat zur Verhinderung dieser schrecklichen Tragödie. Die Geschichte der amerikanischen Kirchen, die versucht haben dieses Kriegstreiben zu stoppen, ist in Europa nur wenig bekannt geworden.

Seit Januar haben Kirchenführer in den USA mit Nachdruck ein Treffen mit Präsident Bush verlangt, um ihm ihre moralische Opposition gegen den Krieg mitzuteilen - aber er hat abgelehnt, sie zu empfangen. Der Nationale Kirchenrat organisierte über Weihnachten eine hochrangige Kirchendelegation in den Irak und schickte kirchliche Delegationen für Treffen mit Premierminister Tony Blair, mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und mit hohen Vertretern der französischen und russischen Regierungen. Es ist wahrlich ironisch, dass US-Kirchenführer von den höchsten politischen Repräsentanten Europas empfangen wurden - aber nicht von ihrem eigenen Präsidenten.

Diese Aktionen waren nicht ausreichend, um das Kriegstreiben einzudämmen. Ich erzähle Euch diese Geschichte, damit Ihr wisst, dass es viele Amerikanerinnen und Amerikaner gibt, die gegen diesen Krieg sind. Es gibt viele Menschen in den USA die sich heute für die Aktionen ihrer Regierung schämen und die um Vergebung beten in den Kirchen im ganzen Land. Seid versichert, dass die US-Kirchen fortfahren werden, diesem Krieg zu widerstehen. Die Kirchen haben sich seit langem für eine gerechte Lösung des Konflikts in Israel und Palästina eingesetzt und für ein Ende der israelischen Besatzungspolitik. Ohne eine Lösung dieses Konflikts wird es keine dauerhafte Stabilität in der Region geben.

Wir wissen nicht, wie lange dieser Krieg dauern wird. Wir haben noch kaum eine Ahnung von den Konsequenzen, die er für Millionen von Zivilpersonen haben wird, von den Auswirkungen auf die politischen Perspektiven in der Region, auf das internationale Recht und auf viele andere Notsituationen, in denen nicht geholfen werden kann, weil alle Mittel nach Irak fliessen.

Wir wissen, dass wir nun alles mögliche unternehmen müssen um diesen Konflikt zu beenden und den Irak wiederaufzubauen, so dass die Bedürfnisse des irakischen Volkes berücksichtigt werden - und nicht die der Besatzungsmacht. Bevor ich heute zu Euch gekommen bin habe ich mit dem Nationalen Kirchenrat in den USA gesprochen. Er hat mich dringlich gebeten, Euch seinen Zorn und sein Entsetzen über diesen Krieg mitzuteilen. Die amerikanischen Kirchen haben mich aber auch gebeten, Euch mitzuteilen dass sie in ihrem Engagement gegen den Krieg fortfahren werden. Sie fühlen sich dabei gestärkt durch die weltweiten Demonstrationen gegen den Krieg und sind "im Geiste" mit uns heute in Bern verbunden. Lasst uns weiter beten, schreien und lobbyieren und demonstrieren - bis Friede im Irak und in der ganzen Region einkehrt. Als Christinnen und Christen ist das das Mindeste.

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Aso Jabbar, Kommunistische Arbeiterpartei des Iraks (Worker Communists Party Irak, WCPI)

Der blutige Krieg der USA gegen Irak hat angefangen!

Der Alptraum, der die irakische Gesellschaft über ein Jahr geplagt hat, hat innerhalb des heutigen Tages die grösste humanitäre Katastrophe der Welt geschaffen, durch das abwerfen tausender Tonnen von Bomben und Sprengstoff auf die unterdrückten Menschen im Irak. Die Massentötung gegen die Menschen des Iraks hat angefangen. Im Moment sind 25 Millionen irakische Kinder, Jugendliche, Alte, Frauen und Männer sind den zerstörerischen Bomben und Raketen ausgeliefert. Ihre Schreie hört die ganze Welt. Diese Barbarei wird unter den Vorwänden, "Beendigung der Gewaltherrschaft, die Zerstörung von Massenvernichtungswaffen, und Herbeiführung der Demokratie", geführt. Sie soll der kriminellen Objektive von Amerikas leitender Elite dienen, soll die "Neue Weltordnung" und ihre Hegemonie über die Menschen der Welt symbolisieren.

Dieser tragische Krieg ist ein Krieg gegen die ganze Menschheit und ihren freien Willen. Er dient der Unterdrückung irgendeines Fortschrittes, von den Arbeitern und jenen die sich nach einer besseren Welt sehnen und all jenen, die sich auf Freiheit, Gleichheit und gesellschaftliche Gerechtigkeit freuen.

Dieser Krieg ist das erste Kapitel eines verdammten Unterdrückungsprozesses, der auf die ganze Welt zielt, die der zivilisierten Welt und allen menschlichen Werten Rückzug auferlegt. Wenn er nicht gestoppt wird, wird er nicht nur unmenschliche Konsequenzen haben, sondern fördert auch den Ausbruch von Terrorismus, Militarismus, reaktionäre und regressive Bewegungen. Die Menschen im Irak wollen das reaktionäre und despotische Regime von Saddam nicht. Dieses Regime ist nicht der Menschen im Irak würdig. Die uneingeschränkte politische Freiheit, die soziale und bürgerliche Freiheit, die Gleichberechtigung der Frauen und Männer, die Freiheit von Religion oder Atheismus und die Gleichheit alle Bürger ,sind unbestrittenen Rechte der Menschen im Irak, Die Negierung dieser rechte soll als verbrechen gelten. Diese Freiheiten solle garantiert werden, damit die Menschen im Irak unter freien und sicheren Bedingungen ihre erwünschte politische Regierung bestimmen können.

Die Kommunistische Arbeiterpartei des Iraks steht gegen diesen Krieg und kämpft für sein unmittelbares Ende. Millionen sagten Nein zu diesem Krieg, aber die Mörder in der US-Verwaltung ignorierten diese Forderung und den freien Willen der Menschheit und begannen dieses Massaker. Die zivilisierte Menschheitsfront muss zeigen, dass sie der Welt ihre Arroganz nicht so leicht auferlegen können. Sie müssen durch weitverbreitete Proteste und Demonstrationen unter Druck gesetzt werden. Der Boden unter ihnen muss erschüttert werden und wir müssen sie zwingen, den Krieg sofort zu stoppen. Wir ersuchen alle Arbeiter und die ganze zivilisierte Menschheit der Welt, auf die Strassen zu kommen und gegen dieses Massenschlachten zu protestieren. Die Kommunistische Arbeiterpartei des Iraks versucht mit aller Anstrengung, überall auf der Welt, diesen Krieg zu opponieren und ruft im Namen der irakischen Bevölkerung und allen freiheitsliebenden Menschen auf diesen Krieg durch unseren beharrlichen Kampf zu beenden. Wir verurteilen den Einmarsch der türkischen Truppen im irakischen Kurdistan. Wir verurteilen den Staatsterrorismus der USA gegen die Mensachen im Irak.

Nein zum krieg der USA gegen Irak!

Stoppt den Staatsterrorismus der USA gegen die Menschen im Irak!

WCPI, Postfach 325, 3000 Bern 11 , www.wpiraq.org, Email asojabbar@yahoo.com

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