GSoA-Zeitung


Edition Nr. 174

Dokfilm im Schweizer Fernsehen will P-26 rehabilitieren

Mit einer einseitigen Teilrekonstruktion der Geschehnisse, die den Bericht der parlamentarischen Untersuchungskommission über die Ereignisse im Eidgenössischen Militärdepartement frontal angreifen, beteiligt sich die SRG an der Rehabilitationskampagne für eine der gravierendsten antidemokratischen Tendenzen, die die Schweiz je gesehen hat.

Wie bereits Radio Télévision Suisse (RTS) strahlte auch SRF am 21. März die Dokumentation von Temps Présent (TP) mit dem Titel «Die Schweizer Geheimarmee P-26» aus. Der Film heroisiert die «tapferen Patrioten» der P-26. Es ist nicht überraschend, dass die Aussagen ehemaliger P-26-Mitglieder, die in dem Dokumentarfilm vorgestellt werden, darauf abzielen, eine Organisation zu legitimieren, die «an sich eine potentielle Gefahr für die verfassungsmässige Ordnung» darstellte (Bericht PUK-EMD, S. 200) Schliesslich sind diese Zeugnisse schlicht und einfach Standpunkte von Veteranen der Organisation. Der inakzeptable Inhalt des Doku men tarfilms ist darauf zurückzuführen, dass diese Zeugenaussagen, wie auch alle anderen vorgelegten Kommentare, insbesondere die der beiden eingeladenen Historiker, einseitig die Schlussfolgerungen des Berichts der PUKEMD in Frage stellen. Es gibt keine Kommentare von PolitikerInnen oder HistorikerInnen, die die Schlussfolgerungen der PUK-EMD unterstützen, welche immerhin den Bundesrat veranlasst haben, die P-26 aufzulösen, sobald er davon erfahren hat. Die beiden Historiker, die im Dokumentarfilm zu Wort kommen, sprechen sich eindeutig für eine Überarbeitung des Berichts der PUKEMD aus. Im Nachwort seines Buchs «P-26. Die Geheimarmee, die keine war» schreibt Martin Matter: «Die Einschätzung der P-26 als staatsgefährdende ‹Geheimarmee› bildet eines der grössten Fehleinschätzungen der jüngsten schweizerischen Geschichte.» Die Positionierung von Titus Meier lässt sich gut mit folgendem Auszug aus seiner Dissertation aufzeigen: «Männer und Frauen der Zivilbevölkerung – Hausfrauen, Akademiker, Handwerker –waren bereit, sich im Falle einer Beschäftigung am Widerstand zu beteiligen. Sie sahen sich nicht als Militär, sondern als politischen Unterstützer der Regierung. Dies war jedoch 1990 unbekannt, als diese Präparate entdeckt wurden.»

Widerstand gegen die Rehabilitation!

Die im Dokumentarfilm erzählte Geschichte ist einseitig dargestellt und wiederholt einzig die Geschichte derer, die sich für eine Rehabilitation der P-26 einsetzen. Eine Gruppe von kritischen BürgerInnen hat nun entschieden, Beschwerde gegen diese Dokumentation des RTS einzureichen.