GSoA-Zeitung


Edition Nr.182

Ein höchst explosiver Schlamassel

Immer wieder kommen Altlasten der Schweizer Armee zum Vorschein. Das aktuellste Beispiel sind die 3500 Tonnen scharfer Munition, welche noch immer in Mitholz verborgen liegen. Doch auch die Verschmutzung der Seen durch Armee- Abfälle hat bis heute schwerwiegende Folgen für unsere Ökosysteme.

Im Jahr 1947 kam es im Munitionslager Mitholz im Kandertal zu einer schweren Explosion, wobei aber nicht sämtliche Munition explodierte und bis heute 3500 Tonnen explosive Munition unter Geröllmassen verschüttet liegen blieben. Über mehr als 70 Jahre kamen die zuständigen Behörden insbesondere aus dem Militärdepartement zum Schluss, dass man die verschüttete Munition einfach liegen lassen kann. 2018 dann die Hiobsbotschaft: Es besteht ein erhöhtes Risiko für weitere massive Explosionen. Anfang 2020 informierte das VBS, dass für die nötige Räumung alle 170 Bewohnerinnen und Bewohner ihr Dorf Mitholz für zehn Jahre verlassen müssen. Zudem koste die Räumung gemäss aktueller Schätzung eine Milliarde Franken.

Verschmutzte Schweizer Gewässer

Doch nicht nur alte Munitionsbestände in Mitholz geben Anlass zur Sorge. In vielen Schweizer Seen liegen hunderte Tonnen Munition. Die Armee hatte früher bewusst Munition in den Schweizer Gewässern «entsorgt». Das VBS hat bis anhin immer kommuniziert, dass die Munition unter Sedimentschichten verschüttet und geschützt sei und deshalb nicht geborgen werde müsse. Wie die NZZ berichtete, wurden aber nun im Genfersee offene Munitionskisten (einer privaten Rüstungsfirma) entdeckt – ohne Sedimentschicht und 150 Meter von einer Trinkwasser-Entnahmestelle entfernt. Offizielle Schätzungen gehen von 150 bis 1000 Tonnen Munition im Genfersee aus – es weiss also niemand, wie viel Munition wirklich auf dem Grund des Sees liegt. Aufgrund

dieser besorgniserregenden Recherche will das

VBS nun nochmals überprüfen, wie die Situation

in den anderen Schweizer Seen ist und

ob es eventuell auch dort besser wäre, die Munition

zu bergen. Wie viele Milliarden das

kosten würde, ist nicht bekannt. Und wer all

die Kosten für die Beseitigung von Armee-

Altlasten übernimmt, bleibt ebenfalls im Dunkeln.

Das Verursacherprinzip scheint im VBS

jedenfalls noch nicht Einzug gehalten zu haben.

Denn eigentlich ist klar: Die Kosten für

die Räumung sollten im Rahmen des Armeebudgets

finanziert werden. Für eine intakte

Biodiversität und zum Schutz der Bevölkerung

könnte man ja auf den einen oder anderen

Kampfjet verzichten.