GSoA-Zeitung


Edition Nr. 171

Interview mit Gregor

Seit nunmehr zehn Jahren treibt Gregor, das glückliche Gewehr, mit seinemwissenden Dauergrinsen gutmeinende Pazifisten und hoffnungslose Friedensromantikerin Verzweiflung und Erklärungsnot. Dabei ist das an einem 1. Augustgeborene Kleinkaliber mit dem grossen Herzen von nichts anderem getriebenals dem Willen, den Menschen die Welt aus Sicht der Waffen zu erklären. Denntrotz ihres zentralen Beitrags zur Entwicklung der Zivilisation ist es leider einetraurige Tatsache, dass den Waffen noch nie jemand wirklich zugehört hat. AllerhöchsteZeit also für das weltweit erste Exklusiv-Interview mit Gregor!

Gregor, wir freuen uns, dass Du Dir Zeit für dieses Interview genommen hast. Wie fühlst Du Dich?
Grossartig. Ich freue mich immer, neue Opfer… äh... Menschen zu treffen.

(Schluckt leer) Die Freude ist ganz unsererseits. Du bist nun seit 10 Jahren stetiger Begleiter der GSoA-Zitig, aber noch nie hast Du ein Interview gegeben. Entsprechendzahlreich und brennend sind die Fragen, die sich angestaut haben.
Na, dann schiessen Sie mal los! (grinst)

Die drängendste Frage zuerst: Wie schaffst Du es, immer gl
ücklich zu sein?
Erstens ist da der unerschütterliche Glaube an das Gute in den Waffen, der Waffenindustrieund dem Krieg. Wenn ich sehe, wie die Welt dank uns prosperiertund immer mehr Menschen in den Genuss unserer Dienstleistungen kommen, macht mich das glücklich.

Ach so (räuspert sich) …und zweitens?
Die Ernährung. Dank einer Mischung aus Schiesspulver, ungesättigten Mineralölenund biologischen Kampfstoffen fühle ich mich jeden Tag frisch und bereit zuneuen Toten.

Dein Geburtstag ist der 1. August. Wie würdest Du Deine Beziehung zur Schweiz charakterisieren?
Der Zustand einer Gesellschaft misst sich bekanntlich an ihrem Umgang mit Waffen. Und da ist die Schweiz für mich der optimale Ort. Hier geniesse ich uneingeschränkte Knarrenfreiheit.

Gregor, was bist Du eigentlich für ein Kaliber?
Ich bin sehr froh, dass endlich jemand meine inneren Werte anspricht! Schliesslichtransportiert jeder Schuss von mir auch einen Teil meiner Persönlichkeit. Dazu zitiereich immer gerne meinen Lieblingsdichter J. W. Toethe: „Das Kaliber ist klein, doch der Schmerz ist gross.“

Wie würdest Du Deinen Werdegang in den letzten zehn Jahren beschreiben?
Welche Meilensteine gab es auf Deinem Weg?Da könnte ich stundenlang erzählen! Die Grosserfolge in Syrien, der Ukraine undLibyen… dann die Dauerbrenner Palästina, Afghanistan und Irak… und natürlichdie Aufrüstung an Europas Grenzen. Schade ist, dass solche Erfolge immer nurden Politikern angerechnet werden. Unser Beitrag geht dabei komplett vergessen!

Welche Entwicklungen erwartest Du in der nächsten Zukunft?
Mit der Präsidentenwahl in den USA sind die fetten Jahre nun wohl vorbei. Jetzt kommen die noch fetteren!

Das klingt ja sehr positiv. Gibt es auch etwas, das Dir Sorgen bereitet?
(Sehr ernst) Studien zeigen, dass bereits jeder 1105. Jugendliche im frühen Alterin Kontakt mit expliziter Gewaltprävention gekommen ist. Selbst im zarten Kindesaltergreift man bei Konflikten schlichtend ein, statt die natürliche Gewaltentwicklungzu unterstützen. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, ist unsere Gesellschaftspätestens in 255'000 Jahren vollkommen gewaltfrei. Eine schauderhafte Vorstellung!

Wie sieht es bei Dir Zuhause aus?

Als hätte eine Bombe eingeschlagen. Nur so fühle ich mich wirklich wohl.

Was für eine Person – tot oder lebendig – würdest Du am liebsten treffen?
Tote treffe ich prinzipiell eher ungern; das ist Zeitverschwendung. Und bei denLebenden mache ich keine Unterschiede: Jeder Treffer zählt, denn schliesslichist nur ein Toter ein guter Lebender.

(Nervös) Sprechen wir doch auch noch ein wenig über Deine Freizeit. Womit beschäftigst Du Dich da gerne?
Das Übliche... ein paar Beziehungsdramen mit tödlichem Ausgang, Amokläufean Schulen, Attentate... was man halt so macht, wenn man abends vom Krieg nach Hause kommt.

Wie stellst Du Dir Deinen Lebensabend vor?

Ganz zur Ruhe setzen werde ich mich wohl nie. Dazu verspüre ich zu viel Tötungsdrang!

Welche drei Dinge nimmst Du auf eine einsame Insel mit?
Waffenlobbyisten, Waffenproduzenten und solche die sagen, dass wir uns endlich verteidigen müssen. Dann knallt es so richtig.

Was würdest Du als erstes machen, wenn Du Papst wärst?
Das Gleiche wie jetzt: Alle Menschen von der Richtigkeit meiner Lehre überzeugen.

Du bist vollberuflich Waffe – kann man davon leben?

In erster Linie kann man damit töten! Meine einzige Sorge ist, dass mir irgendwann
die Munition ausgeht.

Welchen Rat würdest Du unseren Lesern für den Umgang mit Waffen mitgeben?
Man muss die Waffen nicht an ihren Worten, sondern an ihren Toten messen!