GSoA-Zeitung


Edition Nr.181

Keine Waffen für die Bahri Yanbu

Waffen müssen nicht nur hergestellt werden. Es braucht auch Menschen, die das Kriegsmaterial von der Fabrik zum Ab - nehmer befördern. Immer wieder leisten diese Menschen Widerstand dagegen.

Saudi-Arabien ist weltweit mit Abstand der grösste Käufer von Kriegsmaterial. Seit das Land in den Krieg im Yemen eingegriffen hat, ist das Kaufvolumen nochmals angestiegen. Das staatliche Schifffahrtsunternehmen Bahri unterhält sechs Frachtschiffe, die regelmässig die grossen Handelshäfen der Industriestaaten ansteuern, um das Material aufzunehmen und nach Saudi-Arabien zu bringen. Eines dieser Schiffe ist die Bahri Yanbu. Als erster weigerte sich im März 2017 Ignacio Robles, ein Feuerwehrmann im Hafen von Bilbao, die Bahri Yanbu mit Waffen zu beladen. Als ihm die Hafenbehörden Konsequenzen androhten, unterschrieben 170 000 Menschen eine Onlinepetition aus Solidarität mit ihm. Diverse lokale Organisationen führten bei den nächsten Stopps der Frachter von Bahri Protestaktionen durch, kletterten teilweise gar auf die Schiffe, bis sich Bahri im März 2018 ganz aus Bilbao zurückzog.

Blockaden in zahlreichen Ländern

Später in dem Jahr zogen die Hafenarbeiter in St. John an der kanadischen Ostküste nach und weigerten sich, Radschützenpanzer auf die Bahri Yanbu zu laden. Das Schiff fuhr weiter zu einem geplanten Halt in Bremerhaven. Dort wurden wegen den in Deutschland seit dem Mord am saudischen Journalisten Jamal Khashoggi geltenden Sanktion zwar kein neues Kriegsmaterial aufgeladen, die «Linke» brachte jedoch im Stadtparlament den Vorstoss ein, den Hafen künftig für sämtliche Waffenlieferungen zu sperren. Die Bahri Yanbu fuhr weiter nach England und wollte danach Le Havre anlaufen, um acht Kanonen für Haubitzen aufzunehmen. Menschenrechtsgruppierungen hatten unterdessen jedoch Anzeigen eingereicht, weil die Saudis die Waffen für Kriegsverbrechen im Yemen verwenden könnten, und die Gewerkschaft CGT rief ihre Mitglieder auf, keine Waffen zu verladen. Die Bahri Yanbu legte nicht an und die Kanonen wurden wieder aus dem Hafen wegtransportiert. Nach einem Stopp in Santander fuhr das Schiff weiter nach Genua. Auch dort konnte es keine Fracht aufnehmen, weil die Hafenarbeiter das Schiff blockierten. Dasselbe später in Marseille. Seither ist jeder Stopp der Bahri-Flotte in Europa ein Risiko für das Unternehmen – teilweise müssen Sondereinsatzkommandos der Polizei das Verladen schützen.

Und die Schweiz?

Wie der Sonntagsblick Anfang Dezember 2019 berichtete, transportiere auch ein Frachter der Schweizer Hochseeflotte Mörsergranaten von Bulgarien nach Saudi-Arabien. Das EDA teilte mit, dass es sich nur für die Schiffssicherheit zuständig fühle, nicht jedoch für die transportierte Fracht. Regelmässig landen Transportflugzeuge in Kloten, um Munition und Bestandteile für Flab-Kanonen abzuholen, welche die Rheinmetall Air Defence in Oerlikon produziert. Wer weiss, vielleicht werden auch FlughafenarbeiterInnen sich einst weigern, explosive Fracht in Kriegsgebiete zu liefern.