GSoA-Zeitung


Edition Nr.184

LANGE SCHATTEN DRECKIGER GESCHÄFTE

Im letzten halben Jahr wurde so viel Kriegsmaterial wie schon lange nicht mehr exportiert. Und die Kunstsammlung Bührle in Zürich zeigt, wie lange Geld aus Kriegsgeschäften für Diskussionen sorgt.

Für 500 Millionen Franken hat die Schweiz im ersten Halbjahr 2020 Kriegsmaterial exportiert. 184 Prozent mehr als in der Vergleichsperiode im Jahr davor und einige grössere Geschäfte scheinen noch nicht abgeschlossen. Das Rekordjahr 2011 mit Kriegsmaterialexporten für 873 Millionen Franken scheint in greifbarer Nähe zu liegen. Grösster Abnehmer war Indonesien mit 110 Millionen Franken, gefolgt von Dänemark mit 80 Millionen und Botswana mit 64 Millionen. Ein genauer Blick auf Indonesien als Hauptabnehmer Schweizer Rüstungsgüter offenbart eine katastrophale Menschenrechtsbilanz. Es kommt zu aussergerichtlichen Hinrichtungen durch Sicherheitskräfte, religiöse Minderheiten werden strukturell unterdrückt, der Staat verfolgt Menschen auf Grund ihrer sexuellen Orientierung und wenn sich Indigene gegen die Abholzung ihrer Heimatgebiete wehren, bekommen sie staatliche Repression zu spüren. Bleibt zu hoffen, dass die Korrektur-Initiative oder der Gegenvorschlag des Bundesrates diesem Treiben bald einen Riegel schieben wird.

Dreckiges Geld wird nicht sauber

Wie lange mit Kriegsmaterial verdientes Geld dessen Profiteure einholen kann, zeigt die Kontroverse um die Kunstsammlung Bührle in Zürich. Als grösster Schweizer Waffenexporteur im Zweiten Weltkrieg machte Bührle ein Vermögen mit Exporten an die Achsenmächte. Einen Teil dieser Profite investierte er in eine Kunstsammlung, die bald im Zürcher Kunsthaus zu sehen sein soll. Die Unabhängigkeit der wissenschaftlichen Studie, welche die Stadt Zürich zur Begleitung der Integration der Sammlung Bührle ins Kunsthaus in Auftrag gegeben hat, wurde kürzlich in der Woz massiv in Frage gestellt. Einer der Hauptautoren der Studie, der Historiker Erich Keller, bemängelte, dass Änderungsvorschläge – sogar von der Bührle-Stiftung selbst – die zu einer massiven Entschärfung der Studie geführt hätten, durch die Projektleitung einfach übernommen wurden. Als schlechtes Vorbild dient das Höllentor von Rodin vor dem Kunsthaus, beschriftet mit den Worten: «Geschenk von Emil Georg Bührle, 1947». Die wohl noch wichtigere Zeile «1942 im Auftrag von Hermann Göring für das geplant Führermuseum Adolf Hitlers in Linz gegossen» fehlt leider. Ein weiteres Beispiel für selektive Geschichtswahrnehmung.