RUAG Green?

Am 9. September 2019 machte ein Video die Runde: Äusserst professionell und aufwendig liess die RUAG verkünden, dass sie sich neu in RUAG Green umbenennen und die gesamte Waffenproduktion einstellen würde. Die Meldung entpuppte sich kurze Zeit später als gelungene Aktion des Theater Neumarkt in Zürich.

Mit epischer Stimme wird in einem Video, das an einem Montagmorgen Anfang September ins Netz gestellt wurde, verkündet: «Betrübt müssen wir feststellen, dass unsere Produkte grossen Schaden anrichten. […] Aus diesem Grund schliessen wir ab sofort und für immer die Abteilung Ammotec. Ab heute produziert die RUAG nur noch zum Wohle des Menschen und unseren Planeten.» Weiter heisst es im Video des angeblich umbenannten Konzerns RUAG Green: «Wir werden unsere Schwerter einschmelzen und daraus Windkraftwerke bauen.» Zeitgleich mit dem Video wurde eine täuschend echt aussehende Medieneinladung für eine Pressekonferenz verschickt, welche der RUAG-Konzern angeblich um 11.00 im Hauptbahnhof Zürich abhalten wollte.

 

Spätestens an der Pressekonferenz wurde allen Journalistinnen und Journalisten klar: Bei der Ankündigung handelte es sich um eine Aktion des Theater Neumarkt in Zusammenarbeit mit der AktivistInnen-Gruppe The Yes Men. Ziel war es, utopische Szenarien aufzuzeigen und auch die aktuellen Skandale rund um die RUAG zu thematisieren. Erst vor kurzem wurde beispielsweise aufgedeckt, dass einmal mehr RUAG-Handgranaten in Syrien aufgetaucht sind.

 

Privat statt Green

Auch angesichts der bevorstehenden Privatisierung der RUAG Ammotec – also der gesamten Munitionssparte der RUAG – weckt die Aktion nicht nur utopische Ideen, sondern sie spricht auch aktuelle Probleme an. Mit der geplanten Privatisierung des Munitionsbereichs fällt in einem äusserst heiklen Bereich die letzte Kontrollmöglichkeit durch das Parlament und den Bundesrat weg. Während der letzten Jahrzehnte hat der Staat als Alleineigentümer der RUAG deren Munitionsproduktion massiv vorangetrieben. Dies führte dazu, dass die RUAG im Munitionsbereich eines der weltweit führenden Unternehmen geworden ist.  Nun soll diese Munitionsproduktion schlicht an den Meistbietenden verscherbelt werden. Dies öffnet Tür und Tor für noch problematischere Geschäftspraktiken wie beispielsweise den Bau einer Munitionsfabrik in Brasilien. Eigentlich wollte die RUAG diesen Bau längst umsetzen, doch der Bundesrat hatte das Vorhaben – auch dank dem Druck von AktivistInnen – in letzter Sekunde gestoppt.

 

Die aktuelle Entwicklung geht also nicht hin zu einer «grüneren» RUAG, sondern vielmehr hin zu einer noch skrupelloseren, privatisierten RUAG. Dank der Aktion des Theater Neumarkt konnte dieser Missstand in einer breiten Öffentlichkeit diskutiert werden. Für uns als GSoA ist klar: Es wäre für den Planeten, unsere Umwelt und uns Menschen um einiges vernünftiger, würde die Utopie einer RUAG Green nicht Utopie bleiben, sondern vielmehr zur Realität werden.

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