Züri Agenda 1/99

Film- oder Hirnriss

Das war uns bekannt: Kriegsfilme, aufwendig inszeniert und mit einem dreckigen Dutzend prominenter Leinwandhaudegen starbesetzt, garantieren seit je volle Kassen und ein im nationalen Selbstbewusstsein gestärktes Publikum. Und wer den Spass verpasst hat oder sonstwie nicht richtig spurt, weiss dann spätestens nach der nachgereichten Auszeichnungsflut, was Sache ist.

Deshalb war dies zu erwarten: Im letzten Sommer hoben die vereinten Medien der ersten Welt den Vorschuss-Lobgesang an auf das Kriegsdrama "Saving Private Ryan". Die Washingtoner Public Relations Abteilung in Hollywood hatte unter Leitung ihres Chefkochs Spielberg und mit Vorzeige-Bünzli Tom "Gump" Hanks in der Hauptrolle die Rettung des guten Teiles der Welt durch die besten aller Alliierten am längsten aller Tage aufbereitet. Wie geplant, folgte das Rambo-, Top Gun- und Golfkrieggeschulte Kinovolk in Scharen und verstand die Botschaft wohl.

Aber glaubten auch wirklich alle? Washington wäre nicht Hollywood und Hollywood nicht Washington, gelänge es nicht, immer noch eins draufzusetzen. Die Überraschung war diesmal beim grossen Preisverleihen angesagt. General Collin Powell himself, Herr der Heere beim Massentöten im Irak anno 1991, schritt ans Rednerpult, um vor gefülltem Saal und der ganzen TV-Galaxie das Werk zu preisen und alle Zweifel von uns zu nehmen.

Zugegeben, das hätten wir nicht erwartet. Neidlos stimmen wir also ein: And the Oscar goes to Uncle Sam!

Gaht's eigentli no?

17. April 1999/uh, Gruppe Schweiz ohne Armee
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