| Züri Agenda 1/99 | |
THE THIN RED LINEKriegsfilme erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. Steven Spielberg hat seine Oscars abgeholt. Der anspruchsvollere Streifen "The Thin Red Line" von Terrence Malick ging leer aus. Ist das allein schon Garantie für bessere Qualität? Christian Franchi und Stefan Luzi haben genauer hingeschaut. Zehn Jahre hat Terrence Malick an der Verfilmung des gleichnamigen Kriegsepos von James Jones gearbeitet, das der Autor, der im zweiten Weltkrieg als Unteroffizier an der Eroberung der Pazifikinsel Guadalcanal beteiligt gewesen war, nach seiner verletzungsbedingten Rückkehr geschrieben hat. Dass Malick, einst Lehrbeauftragter für Philosophie am MIT als Kollege von Noam Chomsky, einen anderen Zugang zum Krieg gewählt hat als Steven Spielberg mit einer Lobeshymne auf die amerikanische Tapferkeit und Kameradschaft in Saving Private Ryan, wird schnell klar. THE THIN RED LINE ist weniger ein Kriegsfilm als eine Meditation über den Krieg. Der Regisseur verlässt sich nicht auf eine packende Story, sondern kreiert Widersprüche: Der schonunglosen Darstellung der Grausamkeit stellt er eine wunderbare Natur, die nicht auf die Auslöschung des anderen abzielt, und das zu (clichéhaft) gezeichnete Leben in einem Eingeborenendorf entgegen, der Kriegsdoktrin das Innenleben der Soldaten. Anhand von Off-Kommentaren, Gedanken im Hintergrund, oder Rückblenden, die die Stimmung einer Trance vermitteln, hält der Film der Vernichtungsmachinerie des Krieges das Leben vor, das den Krieg als sinnlos erscheinen lassen soll. Dass damit mitunter der Eindruck entsteht, als habe Malick anstelle gewalttätiger GI‘s seine Philosophiestudenten an die Front gestellt, empfanden wir als ein bisschen missglückt. Beispiele: "Dunkelheit aus Licht, Streit aus Liebe - sieh, was du getan hast!" "Was sind wir?" "Was soll das Leben?" Überhaupt ist an den Soldaten kaum etwas auszusetzen, die - mit wenigen Ausnahmen - als äusserst positive Charaktere gezeichnet werden. Den unschuldigen Soldaten stehen die übertrieben "bösen" Vorgesetzten gegenüber, die vor allem für die Aufrechterhaltung der Sinnlosigkeit kämpfen. "Die Lüge geht weiter", erkennt ein Soldat am Ende. Wer auf klare Statements wartet, der wird von diesem Film enttäuscht sein, möchte der Film doch vielmehr Fragen aufwerfen als solche beantworten. Leider verlässt sich der Regisseur dabei oftmals zu sehr auf seine philosophischen Gedanken, die zu gehäuft oder leicht unglaubwürdig plaziert daherkommen. Wer aber im Kino das Gefühl schätzt, etwas scheinbar Unerklärbares gespürt und doch nicht rational begriffen zu haben, dem sei zum Besuch angeraten, denn auf alle Fälle zeigt Malick, dass der Krieg halt doch nicht so leicht zu erklären ist, wie das Spielberg getan hat, und dass es nicht nur endgültige Antworten geben kann, muss, soll. siehe auch den Kommentar zur Oscarverleihung (Film- oder Hirnriss) |
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