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Von Peter Steyrer, Koordinator EU-Politik der Grünen im Europa-Parlament, bis Ende 1999 friedens- und sicherheitspolitischer Referent der Grünen im österreichischen Parlament
Demokratische Offenheit statt fremdenfeindliches Abwehr
Die Gegenbewegung gegen eine blau-schwarze Koalition hat sich nicht zufällig
unter der zentralen Losung "Keine Koalition mit dem Rassismus"
versammelt:
Diese Regierung in Wien unter dem konservativen Partei-Obmann Wolfgang
Schüssel hat eine Null-Quote für Zuwanderer (selbst Familienzusammenführung
wird unmöglich), eine Verschärfung der Bestimmungen hinsichtlich
Einbürgerungen und die Etablierung des Saisonniermodells (halbjährige
Arbeitsbewilligungen für Ausländer ohne Arbeitsrecht und soziale
Sicherung ohne Status darüberhinaus) in ihrem Programm. So werden
AusländerInnen in Zukunft Arbeitssklaven im österreichischen
Wohlstandsparadies, das jetzt neoliberal aufgezwirbelt werden soll.
Blau-schwarz - immerhin sind die rechtsextremen Freiheitlichen zweitstärkste
Partei geworden - daher ist von blau-schwarz zu sprechen, auch wenn den
Schwarzen der Regierungschef eingeräumt wurde. Anders wäre eine
ERSTMALIGE Regierungsbeteiligung der Führerpartei FPÖ von Jörg
Haider auch völlig undenkbar. In diesem Sinne hat Wolfgang Schüssel
den Türöffner für rechtsextreme Regierungsbeteiligungen
in EU-Staaten aus höchstpersönlichem Machtstreben, einmal selbst
Kanzler zu werden, gespielt.
Blau-schwarz bringt eine verstärkte Militarisierung:
Nato-Beitritt und eine Beistandsverpflichtung im EU-Vertrag sind im Regierungsprogramm
fixiert. Waffenexport soll liberalisiert werden, die Nachrichtendienste
des Heeres werden mit umfassenden Rechten ausgestattet werden.
ABER: BEREITS SEIT ZEHN JAHREN WAR ABSCHOTTUNG UND MILITARISIERUNG AM
PROGRAMM DER ROT-SCHWARZEN KOALITION:
UND: Die EU hat diese Politik immer auch selbst betrieben. Schengen,
Petersberg-Aufgaben, Euro-Korps! Wesentliche Schritte gegen demokratische
Offenheit, Militarisierung und Neutralitätsaushöhlung waren:
A) Abschottung:
1991 völkerrechtswidriger Grenzeinsatz des Bundesheeres an der
Ostgrenze gegen Flüchtlinge! Der Eiserne Vorhang wurde hier wiedererrichtet!
1991/92 Asylgesetz - Drittlandklausel;
1992/93 Aufenthalts und Fremdengesetz quotiert die Zuwanderung;
Die Asylzahlen sind von 1990: 22.000 im Jahr 1999 auf unter 1000 gedrückt
worden.
B) Militarisierung:
Flüchtlingseinsatz an der Grenze hebt die Imagewerte des Heeres
wesentlich; ebenso die Kämpfe in Slowenien und der Sicherungseinsatz
des Bundesheeres an der Grenze.
Im 2.Golfkrieg 1991 werden US-Panzer gegen die Neutralitätsregeln
durch Österreich durchgeführt.
Inzwischen nimmt Österreichs Militär sogar am Nato-Einsatz
KFOR im Kosovo teil.
JETZT nachdem Schüssel die Führerpartei FPÖ unter Haider
in die Regierung geholt hat, kommt ein Revisionismus dazu, der für
eine etwaige zukünftige Regierung unter Haiders eigener Führung
nichts gutes erahnen läßt:
A) Die Aufhebung der Benes-Dekrete und Avnoj-Beschlüsse für
Tschechische Republik und Slowenien eine Bedingung f.d. Aufnahme in der
EU:
"Die Bundesregierung wird sich während der Erweiterungsverhandlungen
insbesondere auch für den gleichen Zugang zum Recht für In-
und Ausländer und die Nichtdiskriminierung aufgrund nationaler Herkunft
und Sprachzugehörigkeit bei Vermögensrestitutionen und Privatisierung
einsetzen."
(Regierungsübereinkommen Pt. 1.2)
Benes-Dekrete und Avnoj-Beschlüsse haben nach dem 2.Weltkrieg die
Enteignung des Besitzes geflohener und vertriebener deutschsprachiger
Menschen in der Tschechischen Republik und in Slowenien betroffen.
B) NS-Opfer, österreichische Kriegsgefangene und Vertriebene rehabilitieren
"Die Bundesregierung wird um sachgerechte Lösungen in den Fragen
aller im Zuge des Zweiten Weltkrieges zur Zwangsarbeit gezwungenen Perwsonen,
der österreichischen Kriegsgefangenen sowie der in der Folge der
Benesch (sic! In eingedeutschter Schreibweise!) - Dekrete und Avnoj Bestimmungen
nach Österreich vertriebenen deutschsprachigen Bevölkerung bemüht
sein."
Blau-schwarz ist ein REVISIONISTISCHES PROJEKT mit einem neoliberalen,
rassistischen und militaristischen Programm. Das unterscheidet diese Koalition
von dem vorangegangenen rot-schwarzen.
Widerstand:
12.November 1999: 50.000 in Wien "Keine Koalition mit dem Rassismus";
Seit Bildung der Regierung täglich Demonstrationen;
Höhepunkt am 19.Februar: 200.000 am Heldenplatz in Wien; inzwischen
Donnerstagdemonstrationen zuletzt 5.000-10.000;
Jetzt Unterschriftensammlung für Neuwahlen.
Problem:
Haider macht weiter als Kärntner Landeshauptmann. Als FP-Obmann
ist er jetzt formell zurückgetreten. JETZT wird er die "Brüssler
Bürokraten jagen". Ohne Tabuzone und ohne rote Alarmlampe wird
er seine revisionistische Politik in ganz Europa ausstreuen. So sitzt
die FPÖ in der Regierung, Haider bleibt der Führer aller Opposition
und gewinnt so möglicherweise noch eine Wahl - dann als Kanzlerkandidat
der FPÖ.
26.3.2003
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