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Zeitung 104, September 2002
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Gelebte Solidarität

Vom 26. Juni bis zum 6. Juli reiste eine zivile Schweizer Mission nach Israel/Palästina, die von der GSoA organisiert wurde. Die Mission war neben der Unterstützung für lokale Friedenskräfte nicht nur eine wichtige Erfahrung für jeden einzelnen Teilnehmer, sondern auch für die GSoA als Kollektiv.
Von Martin Parpan

Die GSoA hat sich in den vergangenen Monaten mit Beharrlichkeit an der Organisation von Kundgebungen, Aktionen vor der Schweizer Rüstungsunternehmung und Aufrufen gegen die untragbare politische Situation in Israel/Palästina beteiligt. Dabei haben wir uns - so finden wir - stets um eine differenzierte Kritik an Israel bemüht. Wir haben Demonstrationen gegen die Kriegspolitik der Regierung Sharon mitorganisiert, versuchten aber gleichzeitig durch engen Kontakt mit der israelischen und palästinensischen Friedensbewegung die Hintergründe und Lösungsmöglichkeiten des Konfliktes besser zu verstehen. Wie aber leben die Menschen, die jeden Tag von den Auswirkungen des Konfliktes betroffen sind? Und welche Kräfte gibt es, die vor Ort für ein Ende der Gewalt einstehen?

Diese Fragen führten zur Organisation einer zivilen Schweizer Mission nach Israel/Palästina durch die GSoA. Unsere Ziele, von denen wir einige aus unseren Überlegungen der vergangenen Jahre zu der Idee eines freiwilligen Zivilen Friedensdienstes übernommen hatten, waren

  • Einschränkung der Repression durch internationale Präsenz und Öffentlichkeit
  • Stärkung der Friedensbewegung durch Solidarität vor Ort
  • Medien- und Öffentlichkeitsarbeit über die Situation in den Konfliktgebieten

Stimmen gegen den Krieg unterstützen

Wer denkt, in einem Konfliktgebiet seien internationale FriedensaktivistInnen allseits willkommen, der irrt. Dies mussten wir schon bei der Einreise nach Israel feststellen. Da sich seit Herbst 2001 die internationalen Friedensmissionen in Israel/Palästina mehren, versucht die israelische Regierung deren Aktivitäten einzuschränken. Es ist offensichtlich: Der Staat Israel hat wenig Interesse daran, dass internationale Freiwillige und mit ihnen auch eine internationale Öffentlichkeit ausführlich über die Vorkommnisse in der Westbank und im Gaza-Steifen erfahren. Trotzdem ist es allen 14 FriedensaktivistenInnen unserer Gruppe gelungen, nach Israel/Palästina einzureisen.

In Jerusalem angekommen, begann die Zusammenarbeit mit den Organisationen von GIPP (Grassroots International Protection for Palestinian People). Dieser Zusammenschluss verschiedener friedensinteressierter zivilgesellschaftlicher Gruppen unterstützt und organisiert die Präsenz der internationalen Freiwilligen in den umliegenden Städte, welche fast ausnahmslos mit einer Ausgangssperre belegt sind. Klar wurde uns spätestens in diesen Städten, was es heisst, unter der israelischen Besatzungsmacht zu leben. Soziales Leben, Schule, Wirtschaft, medizinische Versorgung, Kehrichtabfuhr usw. sind mehr oder weniger inexistent. Eingeschlossen in den eigenen vier Wänden, nicht wissend, wann die Sperre aufgehoben wird, "vegetieren" die PalästinenserInnen vor sich hin. Auch nach Aufhebung der Ausgangssperre ist die Lebensqualität der Zivilbevölkerung sehr schlecht ist. Die Ursachen: Zerbombten Häuser, zerstörte soziale und wirtschaftliche Infrastruktur, hohe Arbeitslosigkeit, zeitraubende und entwürdigende Kontrollen an Checkpoints sowie das ständige Gefühl, Spielball von israelischer, palästinensischer und globaler Machtpolitik zu sein. Dass es in diesen schwierigen Zeiten den Menschen ungeheuer viel bedeutet, Solidarität von AusländerInnen zu spüren, war eine der positiven Erfahrungen unseres Aufenthaltes. Durch das Begleiten von Ambulanzen, durch die Präsenz an Checkpoints, durch das Schützen von ziviler Infrastruktur oder schlicht und einfach durch das Gespräch mit der Bevölkerung, mit palästinensischen und israelischen Menschenrechtsorganisationen konnten wir zu einer bescheidenen Verbesserung der Lebenssituation beitragen. Schwierig war es im Anschluss an die Mission, besonders in der Deutschschweiz, unsere Eindrücke in den Medien darzustellen. Zu stark wird der Konflikt in der westlichen Öffentlichkeit nach wie vor auf Selbstmordattentate, Vergeltungsschläge und die offizielle Politik fokussiert. Das tagtägliche, leise Leiden und Sterben gerät dabei zu oft in Vergessenheit. Und viel zu wenig ist auch von den tagtäglichen friedlichen und zivilen Protestaktionen von palästinensischen und israelischen BürgerInnen gegen die Politik Sharons zu hören. Bezeichnend war denn auch, dass einigen von uns nach der Rückkehr in die Schweiz die Frage gestellt wurde, was wir den eigentlich gemacht hätten. Es wäre in den 10 Tagen, in denen die zivile Mission in Israel unterwegs war, doch sehr ruhig gewesen und es hätte keine Anschläge gegeben...

Nachfrage übersteigt Angebot

Die GSoA hat viele wertvolle Erfahrungen gesammelt, was die Organisation und Durchführung einer solchen Mission angeht. Für zukünftige Aktivitäten ist es wichtig, dass wir uns selber auch kritische Fragen stellen: Hat uns die Mission zu einer besseren und trotzdem weiterhin gegenüber allen Seiten kritischen Sicht des Konfliktes verholfen? War es möglich, die gesteckten Ziele zu erreichen?

Die an einem Frieden interessierten israelischen und palästinensischen Nichtregierungsorganisationen konnten nicht genug betonen, wie wichtig es ist, dass die Kontinuität dieser zivilen Friedensmissionen gewährleistet werden kann. Und auch in der Schweiz übersteigt die Nachfrage das Angebot. Insofern ist es wünschenswert, dass die GSoA in Zukunft zivile Friedensmissionen organisiert. Auch wenn sie nur einen Tropfen auf den heissen Stein sind, können sie Menschen unterstützen und ermutigen, die weiterhin für ein Ende der Gewalt einzustehen. Weitere Möglichkeiten für eine Beteiligung an Freiwilligeneinsätzen sind auf Seite 3 zu finden, ein ausführlicherer Report der Reise ist auf www.gsoa.ch nachzulesen. (Bericht und Photos.)

Rüstungszusammenarbeit stoppen

Sehr störend ist die Tatsache, dass die staatseigene Rüstungsunternehmung RUAG nach wie vor nicht bereit zu sein scheint, die Zusammenarbeit mit der israelischen Rüstungsindustrie vollständig abzubrechen. Im vergangenen März erfolgte mit massgeblicher Unterstützung der GSoA ein breit abgestützter Aufruf von Schweizer Friedensorganisationen, Hilfswerken, Menschenrechtsgruppen, kirchlichen Organisationen und Parteien. Unterdessen hat gar die nationalrätliche Aussenpolitische Kommission ein Postulat überwiesen, das einen sofortigen Stopp der Rüstungszusammenarbeit mit und der Waffenkäufe in Israel verlangt. Nach wie vor ist der Bundesrat am prüfen...

Wer das Leiden der palästinensischen Zivilbevölkerung gesehen hat, kann dieser zögerlichen Haltung der offiziellen Schweiz nur mit Wut, Unverständnis, Traurigkeit oder Scham begegnen. Wenn wir uns in der Schweiz weiterhin für einen gerechten Frieden in Israel/Palästina einsetzen, dann müssen wir auch weiterhin den kriegsunterstützenden Beitrag der offiziellen Schweiz kritisieren. Gemeinsam mit anderen Organisationen müssen wir den öffentlichen Druck für ein Ende der Rüstungsgeschäfte und -zusammenarbeit aufrecht erhalten und verstärken.

Wohnhoelen
Palästinenser vor ihren zerstören Wohnhöhlen. Im Hintergrund die illegal erstellte jüdische Siedlung.
Festungsmauer
Tobia Schnebli, GSoA Genf, und Samuel Durrer, GSoA Bern, vor einer Festungsmauer, die eine jüdische Siedlung im Gazastreifen umgibt.
Zerstoerte Plantage
Zerstörte palästinensische Plantage im Gazastreifen. Über Nacht erklärte die israelische Armee einen breiten Grenzstreifen als Sperrzonen und zerstörte sämtliche Kulturen.

Photoalben von Yatta und Gaza
(Bilder in höherer Auflösung als hier.)


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