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SAMMLUNG
Satire gegen den Krieg
von GSoA | 01.04.03.

Krieg ist alles andere als lustig und wir wären die letzten, den Krieg zu verharmlosen. Aber die Kriegspropaganda ist so absurd, dass bissiger Humor durchaus angebracht ist.
Wir sammeln hier Texte und Bilder die im Internet kursieren.

Die Bilder sind einerseits als Graphikdateien die jeder Browser anzeigen kann verfügbar, andererseits als PDF, das sich besonders zum Ausdrucken eignet.

Wenn sie Bilder, Gedichte oder ähnliches haben (oder auch selber gemacht haben) das hier passt, senden sie uns diese an webmaster@gsoa.ch.

Satire ist Geschmackssache

Nicht jeder kann über ernste Dinge lachen. Wir entschuldigen uns, falls Sie die folgenden Bilder nicht gut finden. Das rege Interesse an dieser Seite zeigt uns, dass viele Leute diese Satire mögen.

Als pdf:

We have established a clear link Missing Reason Gulf War - Episode II Startwars Discours Dubai Oil

Die zweiten fünf Karrikaturen stammen von Titom und wurden von ihm auf Indymedia gepostet: www.indymedia.ch/fr/2003/03/5215.shtml.

Texte

Brief von Michael Moore an Präsident Bush, veröffentlicht am 17.3.2003, also gleich nach bekanntgabe des Ultimatums.
Quelle: www.michaelmoore.com.

"Dankes"-Brief von Paolo Coelho an Präsident Bush.


Weitere Satireseiten

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www.glist.com/specials/bush-it_030302.htm (Deutsche Seite die auf viele andere Satireseiten verweist)
www.whitehouse.org (Persiflage auf die offizielle US-Regierungsseite whitehouse.gov)
www.schoener-krieg.tk/ (Jubeldemos für den Krieg - die Kriegstreiber werden ad absurdum geführt)

Offener Brief von Michael Moore

George W. Bush
1600, Pennsylvania Ave.
Washington, DC

Lieber Gouverneur Bush,
Heute also ist der Tag, an dem, wie Sie es nennen, die "Stunde der Wahrheit" gekommen ist, der Tag, an dem "Frankreich und der Rest der Welt ihre Karten auf den Tisch legen müssen". Ich höre mit Freude, dass dieser Tag endlich da ist, denn, das muss ich Ihnen schon sagen, nachdem ich 440 Tage lang Ihre Lügen und Hinterhältigkeiten ertragen habe, war ich mir nicht sicher, ob ich es noch länger aushalten würde. Und darum bin ich froh, dass heute der Tag der Wahrheit ist, denn ich hab ein paar Wahrheiten, die ich gerne mit Ihnen teilen würde.

1. Es gibt vermutlich keinen in Amerika (abgesehen von Talk-Radio Spinnern und Fox News), der wild darauf ist, mit einem Gung-Ho Schrei auf den Lippen in den Krieg zu ziehen. Das können Sie mir ruhig glauben. Gehen Sie mal raus aus dem Weissen Haus und auf irgendeine Strasse und dann suchen Sie FÜNF Menschen, die unbedingt Irakis umbringen möchten. Sie werden sie nicht finden. Warum? Weil noch nie ein Iraki hierher gekommen ist, um irgendeinen von uns zu töten. Kein Iraki hat uns auch nur jemals damit gedroht. Ja, und sehen Sie: So denken wir Durchschnitts-Amerikaner halt: Wenn irgendjemand keine Anzeichen erkennen lässt, dass er beabsichtigt unser Leben zu bedrohen, dann, glauben Sie's oder nicht, haben wir gar keine Lust ihn zu töten. Das ist komisch, aber so läuft das nun mal.

2. Die Mehrheit der Amerikaner - also diejenigen, die Sie nicht gewählt haben - lassen sich von Ihrer Propaganda über Massenvernichtungswaffen nicht blenden. Dagegen wissen wir sehr genau, wo die wirklichen Probleme liegen, die unser tägliches Leben prägen - und keines von ihnen fängt mit I- an und hört mit -k auf. Das nämlich macht uns wirklich Angst: zweieinhalb Millionen Menschen haben seit Ihrem Regierungsantritt ihren Arbeitsplatz verloren; die Börse ist zu einem grausamen Witz verkommen, niemand weiss, ob das Geld für seine Rente noch da sein wird, Benzin kostet inzwischen fast zwei Dollar - die Liste lässt sich beliebig verlängern. Durch die Bomben auf den Irak wird keines dieser Probleme verschwinden - Sie müssen verschwinden, damit die Probleme gelöst werden.

3. Wie Bill Maher letzte Woche sagte: Wie tief sind Sie bloss gesunken, wenn Sie den Popularitätswettbewerb mit Sadam Hussein verlieren? Die ganze Welt ist gegen Sie, Mr. Bush. Zählen Sie Ihre Landsleute auch dazu!

4. Der Papst hat gesagt, dass dieser Krieg falsch ist, dass er EINE SÜNDE ist. Der Papst! Aber noch schlimmer: Auch die Dixie Chicks sind jetzt gegen Sie. Wie schlimm muss es eigentlich noch kommen, bis Sie endlich begreifen,  dass Sie in diesem Krieg eine Ein-Mann-Armee sind? Natürlich ist das ein Krieg, in dem Sie persönlich nicht kämpfen müssen. Ganz so wie damals, als Sie sich klammheimlich aus dem Staub gemacht haben, während die armen Jungs an Ihrer Stelle nach Vietnam verschifft wurden.

5. Von den 535 Kongress-Mitgliedern hat ein einziger (!!!) (Sen. Johnson aus South Dakota) einen Sohn oder eine Tochter in der Armee. Wenn Sie wirklich für Amerika einstehen wollen, dann schicken Sie doch jetzt Ihre Zwillingstöchter nach Kuweit und lassen Sie sie ihre Schutzanzüge gegen Chemiewaffen anziehen. Und dann lassen Sie uns zusehen, wie jedes Kongressmitglied, das ein Kind im kriegstauglichen Alter hat, dieses für unsere Kriegsanstrengungen opfert. Was meinen Sie? Sie glauben das nicht? Also ganz ehrlich - wir auch nicht!

6. Und schliesslich: Wir lieben Frankreich. Ja gut, sie haben gelegentlich ziemlich Bockmist gebaut. Ja, ein paar von ihnen können einem ziemlich auf die Nerven gehen. Aber haben Sie denn ganz vergessen, dass wir dieses Land Amerika ohne die Franzosen überhaupt nicht hätten? Dass es ihre Hilfe im Revolutionskrieg war, die ihn uns schliesslich gewinnen liess? Dass unsere grössten Denker und Gründerväter - Thomas Jefferson, Ben Franklin usw. - viele Jahre in Paris verbrachten, wo sie ihre Konzepte ausarbeiteten, die zu unserer Unabhängigkeitserklärung und unserer Verfassung führten? Dass es Frankreich war, das uns die Freiheitsstatue geschenkt hat, dass es ein Franzose war, der den Chevrolet konstruiert hat, dass es ein französisches Brüderpaar war, das das Kino erfunden hat? Und jetzt tun sie das, was eben nur ein guter Freund tun kann - sie sagen Ihnen die Wahrheit über Sie selbst, gerade heraus und ohne Umschweife. Hören Sie auf die Franzosen anzupissen und danken Sie ihnen, dass sie die Dinge ein- für allemal klar aussprechen. Wissen Sie, Sie hätten wirklich ein bisschen mehr verreisen sollen, bevor Sie das Amt übernahmen. Ihre Unkenntnis der Welt hat Sie nicht nur lächerlich gemacht, sie hat Sie auch in eine Ecke gedrängt, aus der Sie nicht mehr herauskommen.

Na ja, freuen Sie sich, es gibt ja auch gute Nachrichten: Da Sie diesen Krieg nun unbedingt durchziehen wollen - er wird höchst wahrscheinlich bald zu Ende sein, denn ich vermute mal, dass es nicht viele Irakis gibt, die bereit sind, ihr Leben wegzuschmeissen, um Sadam Hussein zu schützen. Wenn Sie diesen Krieg "gewonnen" haben, werden Sie unheimlich populär sein, denn das Volk liebt nun mal einen Sieger - und wer sieht nicht gerne ab und an zu, wenn einem so richtig der Arsch versohlt wird - insbesondere, wenn's ein Arsch aus der Ditten Welt ist! Tun Sie also ihr Bestes, um diesen Sieg zu erringen, und tragen Sie ihn bis zu den Wahlen im nächsten Jahr. Natürlich ist noch ein langer Weg bis dahin, und wir werden noch eine ganze Zeit lang gequält lachen müssen, während wir zusehen, wie unsere Wirtschaft noch weiter den Bach hinunter geht.

Aber, hey, wer weiss - vielleicht finden Sie ja ein paar Tage vor der Wahl Osama! Sehen Sie, SO müssen Sie denken! GebenSie die Hoffnung nicht auf! Töten Sie die Irakis - sie haben unser Öl!

Michael Moore

Quelle: www.michaelmoore.com, deutsche Übersetzung www.detlev-mahnert.de/moore.html

Dankesbrief an Bush von Paolo Coelho

Danke, grosser Staatsmann George W. Bush.
Danke, dass Sie jedem gezeigt haben, welche Gefahr Saddam Hussein darstellt.
Viele von uns hätten sonst womöglich vergessen, dass er chemische Waffen gegen sein eigenes Volk, gegen die Kurden und die Iraner eingesetzt hat. Hussein ist ein blutrünstiger Diktator und eine der augenfälligsten Verkörperungen des Bösen in der heutigen Welt.

Aber nicht allein dafür wollte ich Ihnen danken.
Während der ersten zwei Monate dieses Jahres 2003 haben Sie der Welt eine Reihe anderer, wichtiger Dinge gezeigt.
Ich möchte mich daher in Anlehnung an ein Gedicht, das ich als Kind gelernt habe, bei Ihnen bedanken:

Danke, dass Sie allen gezeigt haben, dass das türkische Volk und sein Parlament nicht käuflich sind, auch nicht für 26 Milliarden Dollar.

Danke, dass Sie der Welt gezeigt haben, welch tiefe Kluft zwischen den Entscheidungen der Machthaber und den Wünschen des Volkes liegt.

Danke, dass Sie uns vor Augen führen, dass weder José Maria Aznar noch Tony Blair ihren Wählern die geringste Achtung und Wertschätzung zeigen.
Aznar bringt es fertig, darüber hinwegzusehen, dass 90 Prozent der Spanier gegen den Krieg sind, und Blair ist die grösste Demonstration der vergangenen dreissig Jahre in England schlichtweg egal.

Danke, dass Sie Tony Blair dazu gebracht haben, mit einem Dossier, das ein Plagiat einer Arbeit war, die ein Student zehn Jahre zuvor geschrieben hatte, vor das britische Parlament zu treten und es als vom britischen Geheimdienst erbrachten schlagenden Beweis vorzustellen.

Danke, dass Sie Colin Powell gestatten, sich selbst zum Narren zu machen, indem er dem UN-Sicherheitsrat Fotos vorlegt, die eine Woche später von Hans Blix, dem Chef der UN- Rüstungskontrollkommission zur Entwaffnung des Irak, öffentlich angefochten werden.

Danke, dass Sie mit Ihrer Haltung dafür gesorgt haben, dass bei der UN-Vollversammlung der französische Aussenminister Dominique de Villepin mit seiner Anti-Kriegsrede Applaus geerntet hat, was meines Wissens vorher nur einmal in der Geschichte der UNO, im Anschluss an eine Rede Nelson Mandelas, geschehen ist.

Danke, dass Sie mit allen Ihren Bemühungen, den Krieg voranzutreiben, dazu beigetragen haben, dass die sonst untereinander zerstrittenen arabischen Nationen sich bei ihrem Treffen in Kairo in der letzten Februarwoche erstmals einstimmig gegen jedwede Invasion ausgesprochen haben.

Danke, dass Sie mit Ihrer rhetorischen Behauptung, die UNO habe nun die Chance, ihre wahre Bedeutung zu zeigen, sogar die zögerlichsten Länder dazu gebracht haben, sich gegen jede Art von Angriff gegen den Irak auszusprechen.

Danke, dass Sie mit Ihrer Aussenpolitik den britischen Aussenminister Jack Straw zu der Erklärung verleitet haben, im 21. Jahrhundert könne es Kriege geben, die sich moralisch rechtfertigen liessen, wodurch Straw seine ganze Glaubwürdigkeit verlor.

Danke, dass Sie versucht haben, ein Europa auseinander zu dividieren, das für seine Vereinigung kämpft. Es wird ihm als Warnung dienen.

Danke, dass Sie geschafft haben, was nur wenigen in diesem Jahrhundert gelungen ist: Millionen Menschen auf allen Kontinenten im Kampf für dieselbe Idee zu vereinen, auch wenn diese Idee nicht die Ihre ist.

Danke, dass Sie uns wieder fühlen lassen, dass unsere Worte, wenn sie vielleicht nicht gehört, so zumindest ausgesprochen wurden. Das wird uns in Zukunft noch mehr Kraft geben.

Danke, dass Sie uns missachten, dass Sie alle marginalisieren, die sich gegen Ihre Entscheidung stellen, denn die Zukunft der Erde gehört den Ausgeschlossenen.

Danke, denn ohne Sie hätten wir nicht erkannt, dass wir fähig sind, uns zu mobilisieren. Möglicherweise wird es uns diesmal nichts nützen, aber ganz sicher später einmal.

Nun, da es keinen Weg zu geben scheint, die Trommeln des Krieges zum Schweigen zu bringen, möchte ich wie ein europäischer König einst zu seinem Invasoren sagen:
"Möge dein Morgen schön sein,
möge die Sonne auf den
Rüstungen deiner Soldaten strahlen,
denn noch am Nachmittag werde
ich dich besiegen."

Danke, dass Sie uns - einer Armee anonymer Menschen, die wir die Strassen füllen, um einen Prozess aufzuhalten, der bereits im Gange ist - erlauben zu erfahren, wie man sich fühlt, wenn man machtlos ist, und aus diesem Gefühl zu lernen und es zu verwandeln.

Also, geniessen Sie Ihren Morgen und welchen Ruhm er Ihnen auch immer bringen mag.

Danke, dass Sie uns nicht zugehört und uns nicht ernst genommen haben. Doch Sie sollten wissen, dass wir Ihnen sehr wohl zugehört haben und Ihre Worte niemals vergessen werden.

Danke, grosser Staatsmann George W. Bush.

Herzlichen Dank.


© Diogenes Verlag,
Übersetzung von Maralde Meyer-Minnemann

weiterverbreitet ohne freundliche Genehmigung des Urhebers, aber wohl in seinem sinne. und dem all jener, denen daran gelegen ist.


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